Der Fall von New World Aeternum: Amazons Gaming-Traum zerbricht an der Realität
Es ist das unüberhörbare Eingeständnis eines Scheiterns auf ganzer Linie. Amazon, der Konzern, der mit schier unendlichen Ressourcen antrat, um die Gaming-Welt zu erobern, hat entschieden, dass seine ambitionierten Wetten sich nicht ausgezahlt haben. Inmitten einer massiven Entlassungswelle, die mehr als 14.000 Mitarbeiter des Gesamtkonzerns betrifft, wird nun auch die Videospielsparte massiv getroffen. Das prominenteste Opfer dieser Rosskur ist das hauseigene MMORPG New World: Aeternum, dessen Weiterentwicklung mit sofortiger Wirkung eingestellt wird.
Das Ende einer Reise
Die Entwickler haben bereits verkündet, dass der letzte große Inhalts-Patch – Season 10 und Nighthaven – den Schlusspunkt unter die Saga von Aeternum setzen wird. Als kleines Trostpflaster für die verbliebene Community wurde die Erweiterung „Rise of the Angry Earth“ für alle Spieler auf dem PC kostenlos freigeschaltet. Während kleinere Aktivitäten wie Weltbosse und Bonus-Wochen weiterhin stattfinden sollen, wird bei den saisonalen Events der Rotstift angesetzt; zukünftige Feiertags-Events sind ersatzlos gestrichen. Es ist ein Abschied auf Raten, ein langsames Verglühen eines einst hell leuchtenden Sterns am MMO-Himmel.
Aeternums langes Sterben
Trotz des abrupten Entwicklungsstopps versichert das Studio, dass die Server des Spiels noch bis Ende 2026 am Leben erhalten werden. Sollte die endgültige Entscheidung zur Abschaltung fallen, wird eine Frist von mindestens sechs Monaten gewährt. Bis auf Weiteres kann das Online-Rollenspiel sogar weiterhin erworben werden und bleibt für Abonnenten von PlayStation Plus Extra oder Premium zugänglich. Das Team verspricht außerdem, die technische Unterstützung durch Fehlerbehebungen, Patches und Server-Zusammenlegungen aufrechtzuerhalten. Es ist ein Versuch, den Anschein von Normalität zu wahren, während im Hintergrund bereits die Lichter ausgehen.
Eine brutale Neuausrichtung
Die Entscheidung gegen New World ist nur die Spitze des Eisbergs einer radikalen strategischen Neuausrichtung. Ein internes Memo, aus dem Bloomberg-Reporter Jason Schreier zitiert, spricht von „signifikanten Rollenreduktionen“ und einer Rückbesinnung auf das, „was Amazon am besten kann“. Damit sind offenbar „Casual und KI-fokussierte Spiele“ gemeint. Während die Arbeit am Tomb Raider-Projekt mit Crystal Dynamics und dem Titel March of Giants fortgesetzt wird, scheint die Ära der milliardenschweren MMO-Experimente vorerst beendet. Die Zukunft des ebenfalls bei Amazon in Entwicklung befindlichen Herr der Ringe-MMOs steht damit mehr denn je in den Sternen.


