Debatte um Gasförderung vor Borkum: Umweltbedenken und politische Kehrtwenden
Die Schutzgemeinschaft Deutsche Nordseeküste (SDN) hat an die Bundesregierung appelliert, von einem Abkommen mit den Niederlanden zur Gasförderung vor der Insel Borkum abzusehen. Der SDN-Vorsitzende Gerd-Christian Wagner äußerte die Sorge, dass nicht nur die Nordsee, sondern auch das Wattenmeer zunehmend unter dem Einfluss von Industrieprojekten leidet. Die zunehmende Industrialisierung der Region bringe das Risiko mit sich, dass weitere Projekte nur schwer zu stoppen sind.
Besondere Besorgnis gilt der steigenden Gefahr von Unfällen, die dauerhafte Schäden im Wattenmeer verursachen könnten, so Wagner weiter. In der Schutzgemeinschaft sind etwa 200 Mitglieder vereint, darunter Küstengemeinden, Naturschutzvereine und -verbände. Heute könnte das umstrittene völkerrechtliche Abkommen zwischen Deutschland und den Niederlanden Gegenstand der Beratungen im Bundeskabinett sein.
Verhandlungen hierzu laufen seit 2022. Ein Abschluss des Abkommens würde eine Wende in der bisherigen Linie der Bundesregierung bedeuten. Der frühere Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) hatte 2024 betont, vor einer Entscheidung erst rechtliche Urteile abwarten zu wollen.
Der niederländische Energiekonzern One-Dyas plant, aus einem grenzüberschreitenden Gasvorkommen Gas zu fördern. Hierfür wurde vom niedersächsischen Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie bereits eine Genehmigung erteilt, die jedoch nur bei erfolgreicher Ratifikation des Abkommens gültig wäre.
In den letzten Tagen haben sowohl Umweltschutzverbände als auch die niedersächsische Landesregierung die Pläne kritisiert. Die Geschwindigkeit, mit der das Abkommen vorangetrieben wird, sei bemerkenswert, kommentierte Niedersachsens Umweltminister Christian Meyer (Grüne).

