Das neue Credo des Spaßes: Wie Mikrotransaktionen laut Ubisoft dein Solo-Abenteuer bereichern
In der oft von PR-Floskeln weichgezeichneten Welt der Videospiel-Publisher gleicht eine Aussage aus Ubisofts neuestem Finanzbericht einem Donnerschlag. Es ist ein Satz, der so unverblümt und kühn ist, dass er die Wahrnehmung der gesamten Branche in Frage stellt. Denn glaubt man der Führungsriege des französischen Giganten, dann sind Spieler nicht nur tolerant gegenüber Mikrotransaktionen in Vollpreis-Singleplayer-Spielen – nein, sie genießen sie sogar. Mehr noch: Die optionalen Käufe, so das offizielle Dokument, machen das „Spielerlebnis spaßiger“. Eine These, die bei unzähligen Spielern auf der ganzen Welt für ungläubiges Kopfschütteln sorgen dürfte.
Die goldene Regel der Monetarisierung
Ubisoft versucht, diese kontroverse Behauptung in ein Regelwerk der Fairness zu kleiden. Auf Seite 10 des Finanzberichts formuliert der Publisher seine „goldene Regel“ für die Entwicklung von Premium-Spielen: Jeder soll das Spiel in vollem Umfang genießen können, ohne zusätzlich Geld ausgeben zu müssen. Doch dann folgt die entscheidende Wendung: „Unser Monetarisierungsangebot in Premium-Spielen macht das Spielerlebnis spaßiger, indem es den Spielern ermöglicht, ihre Avatare zu personalisieren oder schneller voranzukommen, dies ist jedoch immer optional.“ Es ist die offizielle Ausformulierung einer Philosophie, die seit Jahren praktiziert wird, aber selten so offen als spaßfördernde Maßnahme deklariert wurde.
Die Praxis hinter der Theorie: Zwischen Kosmetik und Abkürzung
Werfen wir einen Blick auf die Realität, prominent exerziert in Titeln wie Assassin’s Creed seit dem Ableger Origins aus dem Jahr 2017. Man muss Ubisoft zugutehalten, dass ein Großteil der angebotenen Käufe tatsächlich kosmetischer Natur sind. Skins für dein Pferd, neue Segel für dein Schiff, ausgefallene Outfits. Doch die Grenze verschwimmt bei Gegenständen, die handfeste Gameplay-Vorteile bieten, wie etwa besonders starke Waffen. Auch wenn es im Spiel oft ähnlich gute Alternativen zu finden gibt, bleibt ein fader Beigeschmack. Wirklich umstritten sind jedoch die sogenannten „Time-Savers“ – Pakete mit Unmengen an Crafting-Ressourcen oder Ingame-Währung, die den oft mühsamen Grind im Spiel umgehen. Hier wird die Frage aufgeworfen: Wurde der Grind vielleicht nur deshalb so mühsam gestaltet, um die Abkürzung attraktiver zu machen?
Nichts ist für die Ewigkeit – außer der Shop?
Diese Debatte erhält eine zusätzliche, zynische Note durch die jüngsten Aussagen von CEO Yves Guillemot zur „Stop Killing Games“-Kampagne. Angesprochen auf die Abschaltung von Spieleservern und die damit verbundene Unspielbarkeit gekaufter Titel, betonte Guillemot, dass man zwar alles tue, um Spiele lange am Leben zu halten, aber „nichts ewig“ sei. Ein Dienst könne eben irgendwann eingestellt werden. Es entsteht ein paradoxes Bild: Spieler sollen für optionale Inhalte in einem Vollpreisspiel bezahlen, um ihren Spaß zu maximieren, während ihnen gleichzeitig signalisiert wird, dass der Zugang zu ebendiesem Spiel nicht für die Ewigkeit garantiert ist. Es ist die Kombination aus kurzfristiger Monetarisierung und fehlender langfristiger Sicherheit, die viele als Affront empfinden.


