Investmentweek

Das „Hotel of Doom“ – Nordkoreas gescheitertes Prestigeprojekt

17. August 2025, 22:00 Uhr · Quelle: InvestmentWeek
Das Ryugyong Hotel thront als leerer Riese über Pjöngjang. Trotz LED-Inszenierungen und Casino-Plänen bleibt es ein Mahnmal für wirtschaftliche Widersprüche.

Ein Hochhaus wie ein Hohlraum

Es thront wie ein steinerner Schatten über Pjöngjang – das Ryugyong Hotel, 330 Meter hoch, pyramidenförmig, gespenstisch leer. Über 30 Jahre nach Baubeginn hat es keinen einzigen Gast beherbergt.

Trotzdem wird weiter gebaut. Oder besser gesagt: weiter am Schein gearbeitet. Denn im Inneren passiert wenig – während die Fassade seit 2018 mit großflächigen LED-Inszenierungen bespielt wird, die politische Parolen und Staatsmythen über den Nachthimmel flackern lassen.

Was einst als Symbol des technischen Fortschritts Nordkoreas gedacht war, ist heute ein Mahnmal für die strategische Selbstüberschätzung eines isolierten Staates – und ein betriebswirtschaftlicher Albtraum.

5 % des BIP für ein leeres Gebäude

Die Baukosten werden auf zwei Milliarden US-Dollar geschätzt – das entspricht rund fünf Prozent des nordkoreanischen Bruttoinlandsprodukts. Ein Einzelprojekt in der Größenordnung eines Staatshaushalts.

Dabei war der Grundstein 1987 politisch motiviert: Pjöngjang wollte Südkorea – damals Austragungsort der Olympischen Spiele 1988 – architektonisch übertrumpfen. Doch das Gegenteil trat ein: Nach dem Zerfall der Sowjetunion brach Nordkoreas Wirtschaft ein, der Bau wurde 1992 gestoppt. Das Hotel war zwar außen fertig, aber innen nichts als Betonleere.

Über 100.000 LED-Leuchten verwandeln das Gebäude nachts in eine Propagandawand – für ein Hotel, das nicht einmal Stromleitungen hat.

Symbolträchtige Leere

Nordkorea hat den Turm dennoch nie aufgegeben. Seit 2008 übernimmt die ägyptische Orascom-Gruppe punktuell Ausbauarbeiten – allerdings vor allem an der Glasfassade.

Der Rest des Gebäudes bleibt ungenutzt. Strom gibt es nicht. Wasseranschlüsse fehlen. Übernachtungsmöglichkeiten: keine. Und doch: Das Ryugyong Hotel ist eines der ersten Gebäude, die aus der Ferne sichtbar werden, wenn man sich Pjöngjang nähert. Nordkorea hat es längst in ein ideologisches Monument umfunktioniert.

Casino statt Konferenzsaal

Doch nun soll das Hotel doch noch wirtschaftlich genutzt werden – ausgerechnet mit einem Casino. Laut Radio Free Asia sucht das Regime derzeit ausländische Investoren, die sich gegen Lizenzgebühren den Betrieb eines Spielcasinos im Ryugyong Hotel sichern.

Nordkorea erhofft sich offenbar Einnahmen wie im Yanggakdo Hotel, dessen Glücksspielbereich bei chinesischen Touristen beliebt ist – obwohl (oder gerade weil) Glücksspiel für Nordkoreaner selbst verboten ist.

Ein kapitalistisches Geschäftsmodell im Herzen eines sozialistischen Baus – der Widerspruch könnte kaum deutlicher sein. Aber in einem Land, das mit knappen Devisen kämpft und unter Sanktionen leidet, gilt Pragmatismus inzwischen als politische Tugend.

Ein Gebäude, das alles über das Land erzählt

Der Blick auf das Ryugyong Hotel ist der Blick in ein System, das versucht, mit Symbolen seine Schwächen zu überdecken. Während Nordkorea internationale Hilfe verweigert und die eigene Bevölkerung in Armut hält, steht mitten in der Hauptstadt ein leerer Luxusbau mit eigenem Lichterspiel. Ein Gebäude, das nie geöffnet war, aber in jedem nordkoreanischen Propagandafilm auftaucht.

Ein Denkmal der Widersprüche

Ob mit oder ohne Casino – das Ryugyong Hotel bleibt ein Sinnbild für die schizophrene Wirtschaftspolitik Nordkoreas: außen modern, innen leer; offiziell souverän, tatsächlich abhängig von ausländischem Kapital.

Es ist nicht nur das höchste ungenutzte Hotel der Welt – es ist das sichtbarste Eingeständnis einer Diktatur, dass selbst Beton irgendwann Fragen aufwirft, wenn er zu lange stillsteht.

Finanzen / Education / Nordkorea / Architektur / Propaganda
[InvestmentWeek] · 17.08.2025 · 22:00 Uhr
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