Das Comeback der Print-Prospekte: Eine flächendeckende Bestandsaufnahme
Die jüngsten Entwicklungen im Einzelhandel zeigen einmal mehr den Zwiespalt zwischen digitalem Fortschritt und traditionellen Gewohnheiten. In Deutschland herrscht eine leidenschaftliche Debatte um das Fortbestehen oder das Aussterben der altgedienten Werbeprospekte.
Während Unternehmen wie Rewe und Obi schon vor einiger Zeit ihre Print-Werbungen abschafften, spürt man bei den Konsumenten eine Kluft in der Akzeptanz dieser Entscheidungen. Laut einer aktuellen Umfrage des IFH Köln vermissen 52 Prozent der ehemals regelmäßigen Leser die gedruckten Prospekte schmerzlich.
Diese führen an, dass sie nun weniger informiert über aktuelle Angebote seien, was sich prompt auf ihr Einkaufsverhalten auswirkt: 45 Prozent der Befragten kaufen weniger bei diesen Händlern ein. Interessant ist, dass funktionale Alternativen – wie Apps – bei vielen Nutzern auf Überraschung stößt: 45 Prozent finden die Nutzung zusätzlicher digitaler Kanäle als umständlich.
Im gleichen Atemzug gab fast die Hälfte der Befragten an, künftig häufiger die Prospekte anderer Ketten zu durchstöbern, die noch auf Print-Werbung setzen. Die Studie zeigt weiterhin eine ungebrochene Beliebtheit gedruckter Werbeträger.
Mit einer Nutzungsreichweite von 78 Prozent einmal wöchentlich übertreffen sie die digitalen Medien deutlich. Dabei genießen Print-Prospekte nicht nur alltagsorientierte Motive wie das Finden von Schnäppchen oder die gezielte Einkaufsplanung, sondern auch eine emotionale Komponente: 87 Prozent der Leser empfinden die Analyse gedruckter Angebote als entspannt und angenehm.
IFH-Experte Andreas Riekötter betont, dass die Verbraucher letztlich die Entscheidungsträger über die bevorzugten Medien seien. Die Umfrage offenbart, dass die Handhabung von Prospekten durch Gewöhnungseffekte und ihre Reichweite noch nicht so leicht ersetzbar ist.
Viele Haushalte erhalten und nutzen die gedruckten Prospekte weiterhin regelmäßig. Mit Blick auf die digitale Transformation ist offensichtlich, dass sowohl Print- als auch Online-Werbung ihre jeweilige Anhängerschaft behalten und sogar erweitern können.
Eine einseitige Ausrichtung, wie sie etwa von der Deutschen Post mit der Einstellung ihres Print-Werbegeschäfts verlautet wurde, könnte unter Umständen sowohl Händlern als auch Konsumenten nicht gerecht werden.

