Cyberpunk 2077: VR Mod fliegt nach DMCA Streit – und es geht um ein brisantes Prinzip
Die Modding-Szene lebt von Leidenschaft, doch was passiert, wenn Passion auf knallharte Konzernlogik trifft? Luke Ross, jener VR-Modder, der mit seinen spektakulären Umbauten von Blockbustern wie GTA 5 und Red Dead Redemption 2 für Schlagzeilen sorgte, hat erneut Post von einem Publisher bekommen – diesmal von CD Projekt. Der polnische Entwickler forderte die Entfernung seiner Cyberpunk 2077 VR-Mod, die über Patreon zugänglich war. Der Grund? Monetarisierung. Ross weigerte sich, die Mod kostenlos anzubieten, und zog sie stattdessen komplett zurück. Nun brodelt die Debatte: Dürfen Modder für ihre Arbeit Geld verlangen, oder müssen sie ihre Kreativität gratis zur Verfügung stellen? Die Antwort könnte die Zukunft der Modding-Community prägen.
CD Projekt folgt dem Take-Two-Playbook: DMCA als Druckmittel
Luke Ross ist kein Unbekannter in der VR-Modding-Szene. Seine R.E.A.L. VR-Mods verwandeln AAA-Titel ohne offizielle VR-Unterstützung in immersive Virtual-Reality-Erlebnisse – eine technische Meisterleistung, die ihm laut einem Bericht von The Verge aus dem Jahr 2022 rund 20.000 Dollar monatlich über Patreon einbringt. Doch genau dieses Geschäftsmodell macht ihn zur Zielscheibe. CD Projekt folgte dem Beispiel von Take-Two Interactive, die 2022 bereits DMCA-Takedowns gegen Ross‘ GTA 5– und Red Dead Redemption 2-Mods sowie gegen seine Mafia: Definitive Edition-Umsetzung aussprachen. In seinem Patreon-Post schreibt Ross verbittert: „CD PROJEKT S.A. hat beschlossen, in die Fußstapfen von Take-Two Interactive zu treten und einen DMCA-Hinweis gegen mich für die Entfernung der Cyberpunk 2077 VR-Mod ausgestellt.“ Die Kommunikation mit dem Unternehmen verlief zwar anfangs offen – Ross konnte mit der Rechtsabteilung und dem VP of Business Development sprechen –, endete aber mit einem Ultimatum: Entweder die Mod kostenlos anbieten oder sie löschen. Ross entschied sich für Letzteres und klagte über die „eisenharte Konzernlogik: Jede Handlung eines Unternehmens erfolgt im Namen des Geldes, aber alles, was Modder tun, muss absolut kostenlos sein.“
Jan Rosner verteidigt CD Projekts Position: Fan-Content-Richtlinien verletzt
Jan Rosner, VP of Business Development bei CD Projekt, meldete sich auf Social Media zu Wort und präzisierte die Sichtweise des Unternehmens. Die Cyberpunk 2077 VR-Mod verstoße gegen die Fan-Content-Richtlinien des Studios, die eine Monetarisierung ohne direkte Genehmigung oder vertragliche Vereinbarung kategorisch ausschließen. „Wir erlauben niemals die Monetarisierung unseres geistigen Eigentums ohne unsere direkte Zustimmung und/oder eine Vereinbarung“, so Rosner. Man habe Ross kontaktiert und ihm zwei Optionen gegeben: Die Mod für alle kostenlos zugänglich machen (mit optionalen Spenden) oder sie entfernen. Aus Sicht von CD Projekt ist die Sache klar – aus Ross‘ Perspektive jedoch eine Frage der Wertschätzung für hunderte Stunden Arbeit. Die Debatte wirft eine grundsätzliche Frage auf: Schützen solche Richtlinien die Integrität der Marke, oder ersticken sie kreative Arbeit durch unrealistische Erwartungen?
Ross kündigt Baldur’s Gate 3 VR-Mod an – und schießt gegen Konzernpolitik
Trotz des Rückschlags bleibt Ross nicht untätig. In demselben Patreon-Post kündigte er an, dass sein nächstes Projekt eine VR-Umsetzung von Larian Studios‘ preisgekröntem RPG Baldur’s Gate 3 sein wird. Um seine Frustration zu kanalisieren und ein Zeichen zu setzen, veröffentlichte er eine frühe, ungetestete Version der Mod sofort – ein ungewöhnlicher Schritt, den er mit den Worten kommentierte: „Trotz allem möchte ich wirklich positiv enden, also überspringe ich die normale Testphase und veröffentliche heute die neue Conversion, an der ich gearbeitet habe. Vielleicht ist sie etwas rau an den Kanten, aber wir kümmern uns darum, wie immer.“ Der Zeitpunkt könnte symbolischer kaum sein: Nur Tage zuvor hatte Meta die Schließung mehrerer Entwicklerstudios unter seiner Reality Labs-Division angekündigt, darunter Armature Studios, Twisted Pixel und Sanzaru Games. Camouflaj, Entwickler von Batman: Arkham Shadow, wurde durch Entlassungen ausgedünnt, die verbliebenen Mitarbeiter arbeiten nun an Projekten, die besser zu Metas aktuellen Geschäftsplänen passen. Die VR-Branche wankt – und Ross‘ Fall wirft die Frage auf, ob unabhängige Modder die Lücke füllen dürfen, die Studios hinterlassen.
Die zentrale Frage: Dürfen Modder für ihre Arbeit Geld verlangen?
Im Kern geht es um ein Grundsatzproblem: Modding existiert seit Jahrzehnten in einer rechtlichen Grauzone. Die meisten Publisher tolerieren Mods stillschweigend, solange sie kostenlos bleiben und keine offiziellen Inhalte verkaufen. Doch Ross‘ Fall zeigt die Spannung zwischen idealistischer Community-Arbeit und dem legitimen Wunsch, für hunderte Stunden technischer Expertise entlohnt zu werden. Seine VR-Mods sind keine simplen Texture-Packs, sondern tiefgreifende Eingriffe in Game-Engines, die spezialisiertes Wissen erfordern. Kritiker argumentieren, dass Ross fremdes IP nutzt und daher kein Recht auf Monetarisierung hat. Befürworter halten dagegen, dass seine Arbeit Spiele zugänglicher macht und Nischen bedient, die Publisher ignorieren – und dass Patreon-Abos lediglich Entwicklungskosten decken. CD Projekt steht nun in der Kritik, trotz des „gamer-freundlichen“ Images gegen einen Creator vorzugehen, der ihr Spiel attraktiver machte. Die Ironie: Cyberpunk 2077 thematisiert Konzernmacht und individuelle Freiheit – und genau diese Dynamik spiegelt sich im Streit wider.


