Crimson Desert: Pearl Abyss erklärt, warum das Spiel kein klassisches RPG ist, und was es stattdessen sein will
Es gibt Spiele, die sich jeder Schublade widersetzen – und genau das scheint Pearl Abyss mit Crimson Desert anzustreben. Während viele das kommende Open-World-Spektakel mit bekannten Rollenspielen vergleichen oder es als geistigen Nachfolger von Black Desert Online betrachten, zieht das Studio nun eine klare Linie und stellt klar, was Crimson Desert wirklich ist. Und was es bewusst nicht sein will.
Kein RPG – sondern ein Open-World-Action-Abenteuer
Will Powers, Director of PR and Marketing bei Pearl Abyss, hat in einem ausführlichen Gespräch die Positionierung des Spiels unmissverständlich auf den Punkt gebracht. Crimson Desert ist kein Rollenspiel – zumindest nicht in dem Sinne, wie der Begriff üblicherweise verstanden wird. Die offizielle Einordnung lautet: Open-World-Action-Adventure. Das klingt zunächst wie eine semantische Haarspalterei, steckt aber ein reales Problem an. RPG-Erwartungen bringen Gepäck mit: Charakterentwicklung nach bestimmten Mustern, umfangreiche Stat-Systeme, eine ganz bestimmte Spielstruktur. Pearl Abyss hat Black Desert Online bereits als vollwertiges Rollenspiel im Portfolio und möchte nicht, dass Crimson Desert damit in denselben Topf geworfen wird. Die Entscheidung zur Neupositionierung ist demnach keine Marketing-Spiegelfechterei, sondern der Versuch, dem Spiel und seinem Protagonist Kliff gerecht zu werden, ohne falsche Erwartungen zu schüren.
Inspiration ja – blinde Imitation nein
Powers war in dem Gespräch bemerkenswert offen, was die Einflüsse des Spiels betrifft. Er betonte, es wäre schlicht anmaßend zu behaupten, die besten Open-World-Spiele der vergangenen zehn Jahre hätten keinerlei Eindruck hinterlassen. Welche Titel gemeint sind, lässt sich leicht erahnen, auch wenn er keine Namen nannte. Entscheidend ist jedoch der nächste Schritt: Pearl Abyss ist an einem Punkt angelangt, an dem direkte Vergleiche mit einzelnen Spielen dem eigenen Werk nicht mehr gerecht werden – weil Crimson Desert nach Überzeugung des Studios über die Systeme jedes einzelnen Referenztitels hinausgeht. Das ist ein hohes Versprechen. Aber es ist auch das Fundament, auf dem das gesamte Projekt steht: Nicht ein weiteres Spiel im Strom der Open-World-Welle zu sein, sondern etwas, das rückblickend selbst zum Referenzpunkt werden könnte.
Kliff und die Welt Pywel – ein Erlebnis jenseits der Genregrenzen
Im Mittelpunkt von Crimson Desert steht Kliff, ein rauer, aber im Kern gutmütiger Protagonist, der die weitläufige Welt Pywel durchstreift. Kampf, Erkundung und Erzählung sollen laut Powers gleichermaßen im Mittelpunkt stehen – eine Kombination, die der Genrebezeichnung Open-World-Action-Adventure tatsächlich gerecht wird. Was das Spiel darüber hinaus auszeichnet, bleibt vorerst der eigenen Erfahrung vorbehalten. Pearl Abyss ist überzeugt, dass Crimson Desert ein Erlebnis bietet, das sich nirgendwo anders in dieser Form finden lässt. Ob das eine begründete Selbsteinschätzung ist oder ambitionierte Wunschvorstellung, wird der Release zeigen. Eines steht aber schon jetzt fest: Das Studio hat Crimson Desert über Jahre hinweg weiterentwickelt, mehrfach neu ausgerichtet und dabei offenbar nicht aufgehört, an einem klaren Anspruch festzuhalten. Das allein ist bemerkenswert.
Release steht kurz bevor
Crimson Desert erscheint am 19. März für PlayStation 5, Xbox Series X|S und PC. Die Wartezeit ist überschaubar, und die Neugier, ob Pearl Abyss die eigenen Versprechen einlösen kann, dürfte in den nächsten Wochen deutlich wachsen. Klar ist: Mit einer derart selbstbewussten Haltung setzt sich das Studio unter Zugzwang – und das ist in der Spieleindustrie oft ein gutes Zeichen.


