Investmentweek

China zeigt die Zähne – und riskiert den Welthandel

21. April 2025, 17:00 Uhr · Quelle: InvestmentWeek
Mit gezielten Nadelstichen reagiert Peking auf Trumps Zollpolitik – Exportkontrollen, Kartellverfahren und Währungsdruck inklusive. Doch das strategische Arsenal birgt auch Risiken für Chinas eigene Wirtschaft.

Exportwaffe: Seltene Erden als Druckmittel

Peking setzt auf das, was der Westen am wenigsten selbst hat: Seltene Erden. Ohne sie funktionieren keine Windräder, keine E-Autos, keine Raketensysteme – und auch keine Smartphones. China kontrolliert rund 87 Prozent der globalen Aufbereitung dieser Metalle.

Statt pauschaler Embargos setzt die Regierung jetzt auf administrative Schikane: Wer exportieren will, braucht ab sofort Genehmigungen vom Handelsministerium – die mitunter Wochen dauern. Das reicht, um US-Konzerne ins Schwitzen zu bringen.

Die Signalwirkung ist klar: China kann liefern, muss aber nicht. Und wenn, dann nur zu seinen Bedingungen. Das verschafft Peking kurzfristige Macht – und dem Rest der Welt einen strategischen Weckruf.

Der Appell an Tim Cook

Apple und Tesla dürfen bisher durchatmen – noch. Zwar droht auch ihnen der chinesische Bannfluch, doch Xi Jinping setzt zunächst auf subtileren Druck: Er lässt die Unternehmen in Ruhe, in der Hoffnung, dass sie selbst in Washington intervenieren.

Eine Taktik mit System: Rund fünf Millionen Jobs in China hängen direkt oder indirekt an Apple. Allein in der Gigafactory Shanghai arbeiten 20.000 Menschen für Tesla.

Ein wirtschaftlicher Keulenschlag gegen US-Konzerne würde vor allem eines treffen: die eigene Konjunktur. In einem Jahr, in dem das Wachstum voraussichtlich nur noch bei 3,4 Prozent liegt, ist das ein Risiko, das man in Peking nicht leichtfertig eingehen will.

Strafzölle als Showdown – aber wer verliert mehr?

Trump hat die Eskalationsspirale in Gang gesetzt. 145 Prozent Zoll auf viele chinesische Produkte. Peking antwortete mit bis zu 125 Prozent auf US-Importe.

Der Unterschied: Die USA wollen abschotten, China trifft gezielt. Statt mit der Brechstange zu arbeiten, setzt Peking auf chirurgische Eingriffe – etwa bei bestimmten Chemikalien, Spezialverpackungen oder Magneten.

Statt pauschalen Strafmaßnahmen setzt China auf punktgenaue Eingriffe – etwa bei Spezialverpackungen, Chemikalien und kritischen Komponenten.

Der Schaden auf beiden Seiten ist enorm. Goldman Sachs schätzt, dass bis zu 20 Millionen chinesische Jobs an den Exporten in die USA hängen. Die US-Seite wiederum riskiert die Stabilität ganzer Lieferketten. Und wer nach Alternativen sucht, merkt schnell: ohne China ist vieles teurer, langsamer – oder gar nicht zu bekommen.

Währungswaffe und Anleihendrohung: Pekings stille Optionen

Die Angst, dass China den Yuan abwertet, geistert seit Jahren durch die Finanzwelt. Bisher bleibt es beim Schreckgespenst – aus gutem Grund. Eine schwächere Währung würde zwar Exporte verbilligen, aber auch Kapitalflucht auslösen und den Import verteuern. Der Preis wäre hoch – auch politisch.

Ähnliches gilt für das sogenannte „nukleare Szenario“: ein großflächiger Verkauf von US-Staatsanleihen. Mit rund 760 Milliarden Dollar ist China zweitgrößter Gläubiger der USA. Doch wer diese Papiere abstößt, schadet sich am Ende selbst – der Kurs fällt, der Bestand schrumpft im Wert, und der Yuan würde aufwerten. In Peking weiß man das.

Ein Tanz auf dem Drahtseil

Chinas Reaktion ist sorgfältig kalibriert. Zu hart, und man schreckt andere Partner ab. Zu weich, und man verliert an Glaubwürdigkeit. Jens Eskelund von der europäischen Handelskammer in China bringt es auf den Punkt: „Wer auf US-Zölle mit Überreaktionen antwortet, riskiert seinen Ruf als verlässlicher Partner.“

Peking steht vor einem strategischen Dilemma: Stärke zeigen, ohne wirtschaftlich Schaden zu nehmen. Gleichzeitig will es den USA klarmachen, dass China nicht mehr der passive Juniorpartner vergangener Jahrzehnte ist. Es ist eine neue Phase im globalen Machtspiel – und sie hat gerade erst begonnen.

Finanzen / Wirtschaft
[InvestmentWeek] · 21.04.2025 · 17:00 Uhr
[4 Kommentare]
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