Chemiebranche in der Krise: Evonik senkt Jahresprognose deutlich
Die anhaltende Unsicherheit in der Chemiebranche zwingt Evonik Industries dazu, die Prognosen für das laufende Geschäftsjahr nach unten zu korrigieren. Der Essener Konzern rechnet für das dritte Quartal mit einem signifikanten Rückgang bei Umsatz und Gewinn. Noch Anfang August hatte Evonik eine leichte wirtschaftliche Erholung für die zweite Jahreshälfte prognostiziert, doch diese lässt weiter auf sich warten, da die Kunden in allen Bereichen zurückhaltend bleiben. Die Nachfrage wird voraussichtlich bis zum Jahresende schwach bleiben.
Für das Jahr 2025 erwartet Evonik ein bereinigtes EBITDA von etwa 1,9 Milliarden Euro, was im Vergleich zu den knapp 2,1 Milliarden Euro des Vorjahres eine deutliche Reduzierung bedeutet. Bereits nach dem zweiten Quartal hatte das Unternehmen vorsichtiger agiert und die untere Grenze einer erwarteten Bandbreite von 2,0 bis 2,3 Milliarden Euro in Aussicht gestellt. Analysten hatten diesen Schritt bereits erwartet und prognostizieren im Konsens ein EBITDA von 1,96 Milliarden Euro.
Am Aktienmarkt verlor die im MDax gelistete Evonik-Aktie zunächst fast drei Prozent, bevor das Minus auf rund 1,8 Prozent eingegrenzt werden konnte. Laut Jefferies-Analyst Chris Counihan blieb die erhoffte Sommererholung aus. Die neue Zielsetzung des Unternehmens fällt etwas unter die bereits angepassten Markterwartungen. Die Daten für das dritte Quartal zeigen einen Rückgang des operativen Ergebnisses um zwölf Prozent unter dem Konsens und acht Prozent unter den Erwartungen von Counihan. Experte Counihan sieht in den Zielen allerdings auch eine mögliche positive Entwicklung für das vierte Quartal.
Citigroup-Analyst Sebastian Satz zeigte sich wenig überrascht über Evoniks Entwicklung. Das Unternehmen hatte als eines der wenigen in der Branche nach dem zweiten Quartal optimistische Erwartungen gehalten, obwohl das Ausmaß der Korrektur größer ausfällt als erwartet.
Im dritten Quartal geht Evonik von einem Rückgang des bereinigten EBITDA von 577 Millionen auf 420 bis 460 Millionen Euro aus, erheblich weniger als die Analystenschätzungen von durchschnittlich 501 Millionen Euro. Der Umsatz wird vorläufig auf knapp 3,4 Milliarden Euro geschätzt, nach mehr als 3,8 Milliarden im Vorjahr. Detaillierte Zahlen sollen am 4. November veröffentlicht werden.
Die europäische Chemiebranche kämpft gegen eine schwere Krise. Schwache Konjunktur, sinkende Preise und Unsicherheiten durch die US-Zollpolitik sorgen für Kundenzurückhaltung. Deutsche Chemiefirmen klagen über hohe Energiekosten. Unternehmen wie BASF, Lanxess, Wacker Chemie und Covestro haben ihre Prognosen nach unten korrigiert und führen Sparprogramme durch, um den Ergebnissen entgegenzuwirken.

