Chad trennt sich von Frankreich: Ein neuer Kurs im Herzen Afrikas?
Chad kündigt sein Verteidigungsabkommen mit Frankreich, was den Abzug von 1.000 französischen Soldaten aus dem Land zur Folge haben könnte. Dieser Schritt stellt eine erhebliche Herausforderung für Präsident Emmanuel Macron dar, der versucht hat, die Beziehungen zu Afrika neu zu gestalten.
Das Außenministerium von Chad betonte die Beendigung eines Vertrags, der zuletzt 2019 überarbeitet wurde, um Chads "volle Souveränität" sowie eine Neudefinition strategischer Partnerschaften im Einklang mit nationalen Prioritäten zu stärken. Mehr als 60 Jahre nach der Unabhängigkeit von der ehemaligen Kolonialmacht zeigt das Land damit klare Unabhängigkeitsbestrebungen.
Unter der Führung des ehemaligen Präsidenten Idriss Déby Itno war Chad ein wichtiger Verbündeter im Kampf gegen islamistische Aufständische im Sahel. Nach seinem Tod übernahm sein Sohn Mahamat Idriss Déby Itno die Macht - auf verfassungswidrigem Wege. Der junge Präsident, dessen Herrschaft als schwach gilt, hat das Bestreben, Chads internationale Beziehungen zu diversifizieren.
Der Abbruch der militärischen Beziehungen mit Frankreich ist eine weitere Zurückweisung des europäischen Einflusses in der Region. In jüngster Zeit haben mehrere afrikanische Länder, vertreten durch militärische Führungen, europäische Truppen aus ihrer Region ausgeschlossen und verstärkt auf Russland und dessen Partner wie die Wagner-Gruppe gesetzt.
Das französische Außenministerium reagierte nicht sofort auf Anfragen. Will Brown vom Europäischen Rat für Außenbeziehungen sieht den Schritt als Teil von Macrons Bestreben, Truppen aus der Region abzuziehen.
Déby hat neue Allianzen geschmiedet, unter anderem mit den Vereinigten Arabischen Emiraten und Russland, sowie Kontakte zu Ungarns Premierminister Viktor Orbán. Ungarn plant, eine diplomatische Mission in N'Djamena zu errichten und Truppen zu entsenden. Auch die VAE haben Chad Unterstützung in Form von Hilfsgütern und militärischer Ausrüstung zukommen lassen.
In einem ähnlichen Zug äußerte Senegals Präsident Bassirou Diomaye Faye den Wunsch nach einem Abzug von 350 französischen Soldaten aus dem Land, um die Unabhängigkeit Senegals zu betonen. Er stellte in Frage, warum Frankreich weiterhin Militärbasen in Afrika betreiben muss.

