Capcoms Neugier treibt Resident Evil Requiem zurück nach Raccoon City
Nach unzähligen Abenteuern, die uns von den sumpfigen Backwaters Louisianas bis hin zu globalen Verschwörungen führten, kehrt die Resident Evil-Saga mit dem vielversprechenden Titel Requiem nun an den Ursprung allen Übels zurück. Sie wagt den Schritt zurück nach Raccoon City, jener vernarbten und ausradierten Metropole, die im kollektiven Gedächtnis der Spielerschaft als Synonym für den Ausbruch des T-Virus eingebrannt ist. Viele Handlungsstränge nahmen hier ihren Anfang, doch die eigentlichen Konsequenzen und das menschliche Leid im Nachhall der atomaren Auslöschung blieben stets ein im Dunkeln liegendes Mysterium. Capcom öffnet nun bewusst diese seit Jahrzehnten versiegelte Büchse der Pandora, angetrieben von einer ganz besonderen Art von Neugier, um die Nachbeben der Katastrophe zu ergründen.
Die morbide Neugier des Vergessens
Die Beweggründe für diese unerwartete Rückbesinnung sind vielschichtiger als reiner Fanservice. Game Director Koshi Nakanishi verknüpft die Entscheidung eng mit der Reise der neuen Protagonistin Grace und dem erzählerischen Verlangen, die tiefgreifenden Auswirkungen des Ausbruchs auf die Überlebenden zu beleuchten. Produzent Masato Kumazawa griff zu einer ebenso bizarren wie treffenden Metapher, um dieses Gefühl zu beschreiben. Er verglich die Untersuchung der Nachwirkungen mit „Reis, der eine Woche lang in einem Reiskocher vergessen wurde – etwas, das man wahrscheinlich nicht öffnen möchte, aber die Neugierde lässt einen schließlich doch den Deckel heben“. Es ist diese makabre Faszination für das Verdrängte, die den erzählerischen Kern von Requiem ausmacht: die Konfrontation mit einem Trauma, das viel zu lange unter der Oberfläche gebrodelt hat.
Ein Klagelied zum Jubiläum
Diese thematische Ausrichtung fügt sich nahtlos in einen größeren Kontext ein, denn Resident Evil Requiem soll pünktlich zum 30-jährigen Jubiläum der ikonischen Reihe erscheinen. Kumazawa bezeichnete die Rückkehr daher bereits als den „passendsten Schauplatz“ für diesen Meilenstein. Der Titel selbst ist Programm: Capcom deutete an, dass dies das „Requiem sein könnte, das die Erinnerungen an diese abscheuliche Katastrophe endlich zur Ruhe bettet“. Nakanishi ergänzt jedoch eine entscheidende Facette dieser Aussage. Es gehe nicht nur um das Abschließen, sondern auch darum, wie das Andenken an die unzähligen Opfer, einschließlich Charaktere wie Alyssa, für die Nachwelt bewahrt wird. Das Spiel scheint somit eine duale Rolle als Klagelied und gleichzeitig als Chronik des Überlebens einzunehmen.
Neue Perspektiven auf alten Schrecken
Auch spielmechanisch betritt Capcom mit diesem Titel Neuland. Erstmals in der Geschichte der Hauptreihe wird es möglich sein, fließend zwischen der First-Person- und der Third-Person-Perspektive zu wechseln, was völlig neue spielerische Ansätze im Umgang mit dem Grauen verspricht. Die Entwickler versprechen eine „süchtig machende Angst“, wollen den Horror jedoch sorgfältig dosieren, um einer Ermüdung der Spielenden vorzubeugen. Am Ende steht die Aussicht auf ein Werk, das weit mehr ist als eine nostalgische Reise. Resident Evil Requiem positioniert sich als ein mutiger, fast schon philosophischer Versuch, die eigene Vergangenheit zu sezieren und dem unaussprechlichen Schrecken von Raccoon City eine neue, vielleicht sogar versöhnliche Dimension abzugewinnen.

