Bundesamt: Atommüll soll raus aus der Asse

15. Januar 2010, 18:28 Uhr · Quelle: dpa
Hannover (dpa) - Das einsturzgefährdete Atommülllager Asse in Niedersachsen gilt als eines der größen Umweltprobleme in Deutschland.

Nach mehreren Gutachten steht nun fest, dass die 126 000 Fässer mit radioaktivem Abfall, die hunderte Meter tief in dem alten Salzbergwerk liegen, herausgeholt werden sollen. Experten sprechen von einem weltweit einmaligen Vorhaben.

Ein Projekt dieser Dimension habe es noch nicht gegeben, berichtete das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) am Freitag in Hannover. Die Behörde hatte drei Wege zur endgültigen Stilllegung des Atommülllagers bei Wolfenbüttel (Niedersachsen) geprüft. Der Abtransport der Abfälle sei «die beste Variante», sagte BfS- Präsident Wolfram König. Vor einer endgültigen Entscheidung aber sollen Experten zunächst einige Lagerkammern unter Tage öffnen und den Zustand von rund 1000 bis 3000 Fässern untersuchen.

Bürgerinitiativen und Umweltschützer nahmen die Pläne zur Schließung der Asse überwiegend positiv auf. Unterdessen wächst der Druck auf die Energiekonzerne und Atomkraftwerk-Betreiber, sich an den Kosten der Umlagerung zu beteiligen.

Die Zeit für die Stilllegung des maroden Salzbergwerks drängt, da die Grube nach einem Gutachten nur noch bis zum Jahr 2020 standsicher ist. «Wir sind gefordert, sofort loszulegen», sagte BfS-Chef König, der von einer großen wissenschaftlich-technischen Herausforderung sprach.

Ein Herausholen des gesamten Abfalls - größtenteils demolierte Fässer mit schwach- und mittelradioaktiven Stoffen - wird nach Einschätzung der Behörde rund zehn Jahre dauern. Zudem bestehe jederzeit die Gefahr, dass der Wassereinbruch in die Grube deutlich ansteigt und sich die Sicherheitslage verschlechtert. Täglich dringen rund 12 000 Liter Wasser von außen ein.

Die Bergung der Fässer ist aus Sicht der Experten die beste Lösung. Bei den beiden anderen Varianten - Umlagerung der Fässer in andere Teile der Grube oder Verfüllen der Schachtanlage mit den Abfällen - ist fraglich, ob die notwendige Sicherheit für die Bevölkerung für viele Jahre und Generationen nachgewiesen werden kann. Unklar ist, was in den Fässern genau steckt. Es muss verhindert werden, dass Arsen, Blei und andere wassergefährdende Stoffe ins Grundwasser gelangen. «Keine der drei Varianten ist optimal, alle bergen Unsicherheiten», sagte König.

Die zunächst anstehenden Untersuchungen in einigen Kammern der Schachtanlage könnten den Weg der Bergung aber noch verbauen. Wenn der Zustand der Abfälle deutlich schlechter sei als erwartet, will das BfS die «Präferenz der Rückholung neu bewerten». «Wir werden immer wieder prüfen: Sind wir auf dem richtigen Weg?», sagte König. Zu den Kosten für die Schließung der Asse machte er keine Angaben. Es sei einst von rund zwei Milliarden Euro die Rede gewesen, sagte er.

Die teils stark zerdrückten Fässer sollen nach den Planungen mit Hilfe von ferngesteuerten Geräten herausgeholt werden. Die Strahlenbelastung für die Mitarbeiter bleibe weit niedriger als der Grenzwert für eine medizinische Computertomografie-Aufnahme, versicherte König.

Laut Bundesumweltministerium soll der Atommüll dann in das bereits genehmigte Endlager Schacht Konrad gebracht und dort dauerhaft entsorgt werden. «Die Planungen sollen so ausgerichtet werden, dass der Atommüll in Konrad gelagert werden kann», sagte eine Sprecherin in Berlin der dpa. Möglicherweise reiche dort aber die Kapazität nicht aus, sagte BfS-Chef König in Hannover.

Die Vorbereitungen für die Räumung der Asse müssen nach Ansicht des SPD-Vorsitzenden und früheren Bundesumweltministers Sigmar Gabriel unverzüglich beginnen. Es komme auch darauf an, dass die Atomwirtschaft und nicht die Steuerzahler die mehrere Milliarden Euro teure Auslagerung bezahle. Auch Greenpeace forderte eine finanzielle Beteiligung der Energiekonzerne - darüber will die Bundesregierung mit der Atomindustrie auch sprechen. [Pressekonferenz]: Landtag, Hinrich-Wilhelm-Kopf-Platz 1, Hannover [Atommülllager Asse]: Am Walde, Remlingen

Atom / Asse
15.01.2010 · 18:28 Uhr
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