Brieflaufzeiten ohne Kontrolle: Die Deutsche Post genießt unerwartete Freiheit
Die Deutsche Post profitiert aktuell von einer unerwarteten Entschärfung des gesetzlichen Zeitdrucks im Briefgeschäft, denn die Einhaltung der vorgeschriebenen Zustellfristen kann von der Bundesnetzagentur derzeit nicht kontrolliert werden. Trotz einer Vorschrift, die seit 2024 verlangt, dass mindestens 95 Prozent der Briefe innerhalb von drei Werktagen ihr Ziel erreichen müssen, steht die Regulierungsbehörde in Sachen Kontrolle vor Herausforderungen. Ursache für die fehlende Überprüfung ist ein Rechtsstreit vor Gericht. Jahrzehntelang mussten die Zustellzeiten von einem Marktforschungsunternehmen gemessen werden, das von der Post selbst beauftragt wurde – eine Praxis, die viele Kritiker anzweifelten.
Eine Gesetzesnovelle beendete diese Regelung, doch die angestrebte Vergabe eines neuen, unabhängigen Auftrags zur Messung der Brieflaufzeiten stockt. Das Oberlandesgericht Düsseldorf verhängte ein „einstweiliges Zuschlagsverbot“, wodurch sich der Prozess bis mindestens 2027 verzögern könnte. Währenddessen führt die Post ihre eigenen Messungen durch, deren Ergebnisse zur eigenen Zufriedenheit ausfallen: 97 Prozent der Briefe sollen im vergangenen Jahr bis spätestens zum dritten Werktag zugestellt worden sein. Diese Zahlen genügen den gesetzlichen Anforderungen, sind jedoch irrelevant für staatliche Kontrollen, da deren Daten nicht herangezogen werden können.
Obwohl die Post bei den Zustellzeiten gute Ergebnisse verkündet, nimmt die Zahl der Beschwerden zu. Im Vergleich zu den Vorjahren verzeichnete die Bundesnetzagentur einen deutlichen Anstieg der Beschwerden - etwa 44.000 allein in den ersten drei Quartalen 2025. Viele davon richten sich gegen den Marktführer im deutschen Zustellgeschäft, DHL/Deutsche Post, und betreffen sowohl beschädigte Pakete als auch überlange Lieferzeiten.

