BP kündigt erneuten Strategiewechsel an – Investoren drängen auf höhere Rendite
Nach einem bereinigten Quartalsgewinn von 2,4 Mrd. US-Dollar will BP erneut tiefgreifende Änderungen in seinem Geschäft vornehmen. Vorstandschef Murray Auchincloss kündigte zusammen mit dem designierten Verwaltungsratsvorsitzenden Albert Manifold eine umfassende Überprüfung der Geschäftsbereiche und Kosten an. Ziel sei es, die Kapitalrendite zu maximieren und operativ effizienter zu werden, so Auchincloss im Gespräch mit der Financial Times.
Der Gewinn lag ein Drittel über den Analystenschätzungen – trotz eines um 10 Prozent niedrigeren Ölpreises gegenüber dem ersten Quartal. Die Dividende wurde um 4 Prozent angehoben, das Aktienrückkaufprogramm von 750 Mio. Dollar beibehalten. Die BP-Aktie reagierte mit einem Anstieg von 2 Prozent und notiert nun 24 Prozent über dem Jahrestief im April.
BP betont die operative Stärke des Upstream-Geschäfts. Zu den Highlights zählt Auchincloss zehn kommerzielle Explorationsfunde, darunter signifikante in Namibia und Brasilien. Der größte Fund seit 25 Jahren, das Bumerangue-Feld vor Brasilien, soll helfen, den fossilen Fokus auszubauen. Gleichzeitig will das Unternehmen mit Hilfe von Nvidia und KI-gestützter Seismik die Entwicklungszyklen drastisch verkürzen.
Das angekündigte Review kommt nur wenige Monate nach der strategischen Neuausrichtung vom Februar. Damals hatte BP Investitionen von jährlich 10 Mrd. Dollar in Öl und Gas zugesagt und eine Ausweitung der Produktion um 20 Prozent bis 2030 in Aussicht gestellt. Außerdem wurde ein Sparkurs angekündigt, der bis 2027 zwischen 4 und 5 Mrd. Dollar einsparen soll. Bislang wurden davon 1,7 Mrd. realisiert; Asset-Verkäufe summieren sich aktuell auf 3 Mrd. Dollar.
Trotz der Maßnahmen hatte der Aktienkurs bis vor Kurzem stagniert. Der aktivistische Investor Elliott Management, mit 5 Prozent an BP beteiligt, fordert inzwischen deutlich tiefere Einschnitte – konkret weitere 5 Mrd. Dollar an Kostenreduktionen zusätzlich zum bisherigen Programm.
Ein Knackpunkt dürfte der geplante Verkauf der margenträchtigen Tochter Castrol sein. Auchincloss ließ offen, ob BP die Transaktion noch weiterverfolgt: Man werde „alles tun, was den maximalen Shareholder Value schafft“.
Parallel veröffentlichte Saudi Aramco Zahlen zum zweiten Quartal: Der weltgrößte Ölkonzern meldete einen Gewinn von 24,5 Mrd. Dollar – 15 Prozent weniger als im Vorjahr, aber über den Erwartungen der Analysten.


