«Boston-Bomber» droht die Todesstrafe

05. Januar 2015, 21:47 Uhr · Quelle: dpa

Boston (dpa) - Es war der schwerste Terroranschlag in den USA seit dem 11. September 2001. Drei Menschen starben, andere wurden schwer verstümmelt. Jetzt muss sich der mutmaßliche «Boston Bomber» vor Gericht verantworten.

Fast zwei Jahre nach dem blutigen Anschlag beim Boston Marathon steht in der US-Stadt der mutmaßliche Täter vor Gericht. Die Anklage wirft dem 21-jährigen Dschochar Zarnajew vor, gemeinsam mit seinem älteren Bruder Tamerlan Zarnajew auf der Zielgeraden zwei Bomben zur Explosion gebracht zu haben. Bei dem schwersten Terroranschlag in den USA seit dem 11. September 2001 waren drei Zuschauer getötet und 260 verletzt worden.

Zarnajew muss sich zudem wegen Mordes an einem Polizisten während seiner anschließenden Flucht verantworten. Im Fall eines Schuldspruchs droht ihm die Todesstrafe. Ein Versuch der Verteidiger, mit den Anklägern lebenslange Haft im Gegenzug zu einem Schuldbekenntnis auszuhandeln, war zuvor gescheitert.

Der Prozess begann am Montag mit der Geschworenenauswahl aus einer Gruppe von 1200 Kandidaten. Zarnajew war anwesend, als sich Richter George O'Toole an die erste Gruppe von potenziellen Geschworenen wandte. Er erhob sich auf Aufforderung, als der Richter ihn und seine fünf Verteidiger vorstellte, sein Gesicht blieb dabei ausdruckslos. Während der kurzen ersten Auftaktprozedur vermied Zarnajew Augenkontakt mit den Geschworenen und fuhr sich wiederholt durch seinen dunklen Bart.

Bestimmt werden müssen 12 Juroren und sechs Ersatzgeschworene. Allein diese Prozedur dürfte wegen der Bedeutung des Falles und der möglichen Todesstrafe für den Angeklagten mehrere Wochen dauern. So erwartet der Richter den Beginn der Hauptverhandlung frühestens für den 26. Januar. Die gesamte Prozessdauer schätzte er auf drei bis vier Monate.

Vor den Jury-Kandidaten wies O'Toole auf die besondere Verantwortung der Geschworenen in einem Prozess mit möglicher Todesstrafe hin. Er wolle einen Prozess mit einer «ehrlichen, fairen und unparteiischen» Jury, sagte der Richter. «Wir brauchen Ihre Hilfe, wir brauchen Ihr ehrliches Verhalten bei der Ausführung dieser wichtigen Bürgerpflicht.»

Zarnajew hatte sich bereits im vergangenen Jahr nicht schuldig bekannt. Er ist insgesamt in 30 Punkten angeklagt, so wegen des Einsatzes von Massenvernichtungswaffen an einem öffentlichen Ort. 17 der Punkte wiegen so schwer, dass sie ihm die Todesstrafe eintragen könnten.

Zarnajews älterer Bruder Tarmalan war bei einer Verfolgungsjagd der Polizei nach dem Bombenanschlag erschossen worden. Dschochar wurde mit schweren Verletzungen versteckt in einem auf einem Grundstück geparkten Boot gefunden.

Experten erwarten, dass die Verteidiger Zarnajew als einen leicht beeinflussbaren jungen Mann porträtieren werden. Dschochar sei von seinem älteren Bruder dominiert worden, der zunehmend radikale muslimische Sichtweisen entwickelt habe.

Massachusetts hatte die Todesstrafe in den frühen 1980-er Jahren abgeschafft. Die bisher letzte Hinrichtung fand 1947 statt. Zarnajew muss sich jedoch nicht in einem staatlichen, sondern in einem Bundesverfahren verantworten, und das Bundesrecht erlaubt generell die Todesstrafe - also auch in Massachusetts.

Terrorismus / Prozesse / USA
05.01.2015 · 21:47 Uhr
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