Börse Frankfurt kämpft gegen die Flucht der Privatanleger
Im Mai 2011 hatte die Börse den maklergestützten Präsenzhandel weitgehend eingestellt. Aktien und Renten werden seither nur noch über das elektronische Handelssystem Xetra gehandelt. Die Makler wurden als sogenannte Xetra-Spezialisten weiterbeschäftigt, um vor allem Privatanlegern als persönliche Ansprechpartner zur Verfügung zu stehen und den Handelsplatz in Frankfurt damit gegenüber den Regionalbörsen zu stärken. Doch scheinbar brachte diese Maßnahme nicht den gewünschten Erfolg.
Denn der Marktanteil der Börse Frankfurt im Aktienhandel von Privatanlegern sei in den vergangenen vier bis fünf Jahren um gut die Hälfte eingebrochen, gesteht Martin Reck ein, der verantwortlich ist für den Kassamarkt in Frankfurt. Mittlerweile wird nur noch ein Viertel aller Aktiengeschäfte von Privatanlegern in Frankfurt abgewickelt; vorher waren es noch rund die Hälfte aller Aktiengeschäfte.
Immer mehr Privatanleger suchen Alternativen zu Frankfurt. Während sich das Handelsvolumen etwa an der Börse Stuttgart in den ersten neun Monaten des Jahres auf 57 Milliarden Euro belief, waren es bei der Deutschen Börse im gleich Zeitraum 40,3 Milliarden Euro im Segment mit Privatanlegern. Das neue Versprechen der Börse, sagt Reck, solle den Anlegern "Anlass zum Nachdenken" geben und "präzisieren, was in Frankfurt an Qualität geliefert wird".
Konkret bietet die Börse Frankfurt ab 1. November ein Garantierversprechen für Handelsaufträge in Höhe von bis zu 7.500 Euro. Der Betrag ist nicht zufällig gewählt: Zum einen definiert die EU-Finanzmarktrichtlinie Mifid alle Orders bis zu diesem Niveau als Aufträge von Privatanlegern; und zum anderen, so Kai Jordan, Vorstand des Maklerhauses Steubing, decke dieser Betrag rund 80 Prozent der relevanten Aufträge ab.
Für deutsche Aktien aus den gängigen Indices DAX, MDAX und TecDAX, für internationale Titel aus dem Euro-Stoxx-50 und dem S&P-100 sowie für Indesfonds garantieren die Spezialisten, dass der Ausführungspreis "mindestens so gut" ist wie am jeweiligen Referenzmarkt, also den Heimatbörsen bei ausländischen Aktien und Xetra bei deutschen Werten und den Indexfonds. "Ohne weitere Aufschläge oder sonstige Kosten", sagt Jordan.
Diese Qualität lasse sich über die Frankfurter Portale für Privatanleger überprüfen. Sollte ein Anleger feststellen, dass der von ihm gezahlte Preis schlechter war als jener am Referenzmarkt, kann er diese Differenz reklamieren und bekommt sie erstattet.
Neu ist dieses Frankfurter Prinzip allerdings nicht. Auch an der Stuttgarter Börse besteht das Prinzip des besten Preises. Ebenso wie in Frankfurt werden dort auch Teilausführungen, die Anleger doppelt kosten, vermieden. Die Börsengebühren sind für viele Wertpapiere nach oben begrenzt.
Nach wie vor können Privatanleger auch über Xetra handeln. Dort sparen sie sich die Handelsentgelte für die Spezialisten. Allerdings, so Reck, habe der Handel über die Spezialisten der Börse Frankfurt den Vorteil, dass er mehr Produkte biete und zudem längere Handelszeiten. Während auf Xetra von 9.00 Uhr bis 17.30 Uhr gehandelt wird, sind die Präsenzhändler von 8.00 Uhr bis 20.000 Uhr für Anleger da.
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