Bitcoin und die große Bewährungsprobe: Wendepunkt für Krypto-Markt?
In dieser Woche steht die Kryptowelt vor einer entscheidenden Herausforderung, da der Ablauf von Quartals-Optionen auf eine wichtige Inflationsveröffentlichung in den USA trifft. Diese Konstellation könnte maßgeblich über den Fortgang der jüngsten Rallye entscheiden.
Am Freitag laufen Kryptowährungsoptionen im Wert von rund 22,3 Milliarden US-Dollar aus, so Deribit, ein bedeutender Optionsbörsenbetreiber. Der Anteil von Bitcoin-Optionen beträgt dabei beeindruckende 17,06 Milliarden US-Dollar. Greg Magadini, Leiter der Derivate-Abteilung bei Amberdata, betont, dass der aktuelle Verfall der Bitcoin-Optionen "der größte im Portfolio" sei. Händlerrollen deuten darauf hin, dass kritische Kursmarken bei 109.000 und 108.000 US-Dollar gehalten werden müssen, um einen drastischen Kursrutsch zu vermeiden.
Die kurzfristigen Bitcoin-Bewegungen sind stark von Optionshändlern und großen Institutionen beeinflusst, die ihre Positionen in Echtzeit absichern. Ihre Gamma-Exposition, also die Geschwindigkeit der Anpassungen ihrer Absicherungen, kann die Preisschwankungen entweder verstärken oder dämpfen. Ein "Short-Gamma" könnte jedoch dazu führen, dass Händler in einem fallenden Markt gezwungen sind, zu verkaufen, was den Preisverfall verschärfen könnte.
Die Daten zeigen, dass 108.000 US-Dollar zu einem kritischen Punkt für Bitcoin-Händler geworden sind. Ein Unterschreiten dieser Marke könnte unabhängig von der kommenden Inflationsveröffentlichung eine automatische Verkaufswelle auslösen. Angesichts der Händlerpositionen und einer Volatilität von rund 35 % erwartet Magadini, dass ein Unterschreiten der Marke von 108.000 US-Dollar zu einem drastischen Rückgang auf 96.000 US-Dollar führen könnte, insbesondere wenn die Märkte schwach sind.
Alle Augen richten sich jetzt auf die bevorstehende Veröffentlichung der Kern-PCE-Inflationsdaten, die um 8:30 Uhr ET erwartet wird. Ein heißerer als erwarteter Bericht könnte den Dollar weiter beflügeln und die derzeitige Korrektur von Bitcoin verschärfen, so Experten. Allerdings könnte ein leichterer Bericht eine Entlastung am Optionsmarkt bringen und Raum für einen deutlichen Kursanstieg schaffen, wie Maja Vujinovic von FG Nexus erklärt.
Trotz der kurzfristigen Volatilität sieht Vujinovic eine konstruktive Entwicklung im vierten Quartal, getrieben durch die Nachfrage nach Spot-ETFs und verbesserte Liquidität. Magadini teilt diese langfristig optimistische Sicht und meint, dass bei einem Ende der Inflationsbekämpfung durch die Fed die Bitcoin-Preise auf über 250.000 US-Dollar steigen könnten. Auch Optionsdaten spiegeln diesen optimistischen Ausblick wider, was sich in einem regen Kauf von Call-Optionen mit Verfallsdatum Ende des Jahres bei 120.000 und 140.000 US-Dollar zeigt.

