Berkshire Hathaway und das Paradoxon des Wachstums: Warren Buffetts weise Warnung
Warren Buffett, der legendäre CEO von Berkshire Hathaway, hat sich im Laufe der Jahre einen Namen für seine Fähigkeit gemacht, komplexe ökonomische Wahrheiten in einfache und einprägsame Worte zu verpacken. Eine seiner bemerkenswertesten Beobachtungen ist die „eiserne Regel der Wirtschaft“, dass Wachstum irgendwann die außergewöhnlichen Wirtschaftsergebnisse verwässert. Dieses Prinzip, das erstmals in seinem Aktionärsbrief von 1985 auftauchte, hat er im Lauf der Jahrzehnte immer wieder betont. Zuletzt griff er dieses Thema bei der Aktionärsversammlung 2025 auf und unterstrich dabei seine Bedenken.
Während seiner letzten Hauptversammlung als „Orakel von Omaha“ drückte Buffett Bedauern über die schiere Größe von Berkshire aus. Obwohl Berkshire Hathaway mit einem Investment von 20 Milliarden Dollar in japanische Handelskonglomerate eine beachtliche Position aufgebaut hat, sei dies für ein Unternehmen mit einem Wert von 1 Billion Dollar nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Er stellte fest, dass die Größe von Berkshire ihre Leistung bremse, und die Herausforderung bestehe darin, massive Investitionen zu tätigen, ohne zum Mehrheitseigner zu werden.
Dieses Dilemma illustriert, wie sich Berkshire durch seine Größe limitiert sieht, insbesondere bei der Suche nach Unternehmen, die sowohl Wertsteigerungspotenzial als auch angemessene Bewertungsmöglichkeiten bieten. Die Auswahl an geeigneten Zielunternehmen ist äußerst begrenzt, und die attraktiven Gelegenheiten ergeben sich meist nur durch spezielle Ereignisse. Ein Beispiel ist die jüngste Investition von Berkshire in United Healthcare, deren Aktien angesichts von Kontroversen eingebrochen sind.
Buffett erkennt ein universelles wirtschaftliches Prinzip an: Unternehmen, die in ihren Anfangsjahren außergewöhnliche Renditen erzielen, finden es zunehmend schwieriger, diese aufrechtzuerhalten, da Expansion meist zu einem Abflachen der Spitzenleistungen führt. Trotz seiner warnenden Worte vor 40 Jahren hat Berkshire bemerkenswert gut abgeschnitten – ein Beweis für Buffetts unnachgiebigen Pragmatismus und seine Fähigkeit, die Herausforderungen der Expansion zu meistern.
Der Einblick in dieses Problem speist sich aus Buffetts eigener Erfahrung bei der Führung von Berkshire Hathaway, das sich von einem strauchelnden Textilhersteller zu einem der größten Konglomerate der Welt entwickelt hat. Selbst Unternehmen mit starken Wettbewerbsvorteilen stehen vor Wachstumsgrenzen, wenn Expansion immer größer werdende Kapitalmengen erfordert. Die Äußerung von Buffett ist ein Aufruf für Manager und Investoren, bei der Expansion auch Qualität und Effizienz im Auge zu behalten.
Buffetts Erkenntnisse sind nicht pessimistisch, sondern erkennen Wachstum als zweischneidiges Schwert an. Seine Worte unterstreichen die erforderliche Disziplin bei der Kapitalallokation und mahnen in einer Geschäftswelt, die oft Expansion um jeden Preis verfolgt, dass Wachstum zwangsläufig die überragende Leistungsfähigkeit mindert.

