Lage in der Taiwanstraße

Bedrohung China: Taiwan will Verteidigungsausgaben erhöhen

26. November 2025, 09:38 Uhr · Quelle: dpa
Taiwan will seine Verteidigungsausgaben massiv steigern, um der Bedrohung durch China zu begegnen. Präsident Lai kündigt historische Investitionen an, während diplomatische Spannungen mit Japan eskalieren.

Taipeh (dpa) - Der Inselstaat Taiwan will als Reaktion auf die militärische Bedrohung durch den großen Nachbarn China seine Verteidigungsausgaben deutlich erhöhen. Präsident Lai Ching-te erklärte, dass Taipeh einen «historischen» Zusatz-Etat für die Verteidigung von 1,25 Billionen Taiwan-Dollar (rund 34,4 Milliarden Euro) plane. Die Ausgaben seien für 2026 bis 2033 geplant, sagte er in der Hauptstadt. 

Taiwan wolle damit neue Waffenkäufe aus den USA finanzieren und seine asymmetrischen Verteidigungsfähigkeiten ausbauen, schrieb Lai in einem Gastbeitrag für die «Washington Post». Der Schritt sei eine Reaktion auf den wachsenden Druck Pekings. China zählt den seit Jahrzehnten demokratisch regierten Inselstaat zu seinem Staatsgebiet und will Taiwan an sich binden - falls nötig auch mit militärischen Mitteln. Das Außenministerium in Peking erklärte, sich militärisch der «Vereinigung» zu widersetzen, werde keinen Erfolg haben. 

Wachsende Militärmacht Chinas 

Taiwans Verteidigungsausgaben sollen Lai zufolge damit 2026 auf 3,3 Prozent der Wirtschaftsleistung steigen. «Ich bin entschlossen, diese Vergleichslinie bis 2030 auf 5 Prozent anzuheben, was die größte anhaltende Militär-Investition in der modernen Geschichte Taiwans darstellt», schrieb er. Die Verteidigungsausgaben muss aber noch das Parlament genehmigen, in dem derzeit die Opposition, vor allem die chinafreundlichen Kuomintang, dominiert.

Lai verwies auf Chinas Militärübungen in der Region, die eine zunehmende Bereitschaft Pekings signalisierten, den Status quo in der Meerenge zwischen China und Taiwan mit Gewalt zu verändern. Taiwan habe sich unerschütterlich dem Frieden und der Stabilität verschrieben, schrieb er in der Zeitung weiter. 

US-Präsident Donald Trumps Regierung hat Taiwan aufgefordert, mehr in das eigene Militär zu investieren. Der Artikel folgt zudem auf eine diplomatische Eskalation zwischen Peking und Tokio. Ausgelöst wurde diese durch Äußerungen der japanischen Ministerpräsidentin Sanae Takaichi am 7. November im Parlament, wonach ein Angriff Chinas auf Taiwan eine «existenzbedrohende Situation» darstelle, die dazu führen könne, dass Japan sein Recht auf Selbstverteidigung ausübe. Heute erklärte sie der Nachrichtenagentur Kyodo zufolge, sie habe damals «ehrlich» auf eine konkrete Frage zu Japans möglicher Antwort auf einen Notfall, der Taiwan involviere, geantwortet. 

Konflikt zwischen China und Japan: Solidarität mit Sushi

Peking fordert, dass Takaichi ihre Aussagen zurücknimmt und erhöhte den Druck unter anderem mit Reisewarnungen, gestrichenen Flugverbindungen und einem Importverbot für japanische Meeresfrüchte. Lai und andere Politiker in Taiwan zeigten sich solidarisch mit Tokio und posteten online zum Beispiel, wie sie Sushi aßen oder japanische Meeresfrüchte kauften.

Neuen Zündstoff lieferte Japans Verteidigungsminister Shinjiro Koizumi mit einem Plan, Raketen auf der in Japans äußerstem Südwesten liegenden Insel Yonaguni zu stationieren. Die Insel befindet sich knapp 110 Kilometer von Taiwan entfernt. Chinas Außenamt kritisierte, Japan erzeuge damit bewusst Spannungen in der Region.

Diplomatie / Konflikte / Verteidigung / Militär / Taiwan / China / Japan
26.11.2025 · 09:38 Uhr
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