Bayer setzt Hoffnung auf den US Supreme Court: Glyphosat-Streitigkeiten vor möglichem Wendepunkt
Bayer hat sich entschlossen, in seinem anhaltenden Kampf gegen die Rechtsstreitigkeiten um Glyphosat einen wichtigen Schritt zu machen und den Fall "Durnell" vor den US Supreme Court zu bringen. Der Leverkusener Konzern strebt ein Grundsatzurteil an, das die langanhaltenden Konflikte um mögliche Krebsrisiken glyphosathaltiger Unkrautvernichter beenden könnte. Die Entscheidung, die Überprüfung beim höchsten Gericht der USA zu beantragen, folgte nach einer Klageabweisung durch das Berufungsgericht in Missouri.
In den Vereinigten Staaten stehen uneinheitliche Gerichtsurteile im Raum, die das Spannungsverhältnis zwischen Bundesrecht und dem Recht der einzelnen Bundesstaaten thematisieren. Dies betrifft die Frage, ob Warnhinweise, die bundesstaatlich gefordert werden, gegenüber der Einschätzung der US-Umweltbehörde EPA Vorrang haben, welche Glyphosat bei korrekter Anwendung als unbedenklich einstuft. Ein für Bayer positives Urteil des Supreme Court könnte potenziell wegweisende Klarheit schaffen und dem Konzern in den noch offenen Klageverfahren erheblichen Rückenwind verleihen.
Expertenmeinungen zu den Erfolgsaussichten sind jedoch gespalten. Während JPMorgan-Analyst Richard Vosser in dem Schritt eine vorsichtige Chance für Bayer sieht, bleibt Jefferies-Experte Charlie Bentley skeptisch. Letzterer betont, dass bei einem positiven Urteil Bayer erhebliche Rückstellungen auflösen könnte, was den Aktienwert des Unternehmens um ein Drittel steigen lassen könnte.
Der Glyphosat-Komplex hat Bayer seit der Übernahme des US-Agrarchemiekonzerns Monsanto im Jahr 2018 in einen finanziellen und rechtlichen Strudel versetzt. Obwohl Bayer bereits einen Großteil der rund 181.000 Anspruchsfälle durch Vergleiche geregelt hat, bleiben viele ungelöst. Bayer intensiviert daher seine Anstrengungen, nicht nur vor den Gerichten, sondern auch auf legislativem Wege, indem es in Bundesstaaten für Gesetzesänderungen wirbt.
Trotz der Kursrückgänge und der Belastung durch die ongoing Klagewelle notierten Bayer-Aktien zuletzt stabiler als der Dax. Der Aktienkurs ist dennoch stark gesunken, was mit den durchaus volatilen geopolitischen Entwicklungen einhergeht und den ohnehin von den Glyphosat-Streitigkeiten belasteten Konzern zusätzlich unter Druck setzt.

