Bayer plant mögliche Aufspaltung des Konzerns – Details erst 2024
Die Aktionäre von Bayer müssen sich noch gedulden, um Details über den geplanten Konzernumbau zu erfahren. Laut Konzernchef Bill Anderson sollen die Pläne erst im März 2024 vorgestellt werden. Trotzdem werden bereits verschiedene Optionen in Betracht gezogen, darunter eine mögliche Trennung der Sparten Consumer Health und/oder Crop Science. Der Dax-Konzern, der bereits ein schwieriges Jahr hinter sich hat, zeigt sich jedoch vorsichtig optimistisch für 2024.
Die Wachstumsaussichten werden aufgrund der aktuellen Marktdynamik und erster Annahmen für 2024 eher schwach eingeschätzt. Es wird auch darauf hingewiesen, dass weiterhin Herausforderungen für die Profitabilität bestehen. Die Debatte um die künftige Konzernstruktur steht dabei im Mittelpunkt. Konzernchef Anderson betonte, dass eine gleichzeitige Aufspaltung in drei Teile ausgeschlossen sei, da dies einen komplexen Prozess erfordern würde. Eine komplette Zerlegung des Konzerns ist jedoch nicht ausgeschlossen.
Analysten sehen eine mögliche zweistufige Aufspaltung als realistische Option und ziehen dabei das Beispiel des Dax-Konzerns Siemens heran, der erfolgreich die Börsengänge von Siemens Healthineers und Siemens Energy durchgeführt hat. Einige Investoren fordern bereits seit längerem eine Aufspaltung von Bayer. Sie sehen die US-Rechtsprobleme im Zusammenhang mit dem Unkrautvernichter Glyphosat als Belastung und glauben, dass die Teile des Unternehmens getrennt mehr wert sind als der Konzern als Ganzes.
Die Äußerungen der Bayer-Führung führten jedoch nicht dauerhaft zu einer Erleichterung an der Börse. Nach anfänglichen Gewinnen verzeichnete die Bayer-Aktie zuletzt einen Verlust von mehr als drei Prozent. Der Aktienkurs hat in den letzten Monaten stark gelitten, allein 2023 gab es einen Kursverlust von 16,5 Prozent. Langfristig sieht die Situation sogar noch düsterer aus.
Besonders die Agrarsparte kämpft weiterhin mit den Rechtsstreitigkeiten rund um Glyphosat. Nach einer Serie von Niederlagen vor Gericht wurden hohe Entschädigungen an Personen ausgezahlt, die den Unkrautvernichter für ihre Krebserkrankungen verantwortlich machen. Obwohl die Summen von Richtern noch gesenkt werden können und Bayer gegen die Urteile vorgehen will, senden sie dennoch ein negatives Signal aus.
Immerhin gab es nun ein positives Urteil eines US-Berufungsgerichts, das entschied, dass Bayer und andere Unternehmen in Kalifornien weiterhin nicht auf mutmaßliche Krebsrisiken von Glyphosat hinweisen müssen. Eine entsprechende Vorschrift wurde als verfassungswidrig eingestuft.
Auch im Agrar-Tagesgeschäft sieht es nicht rosig aus, da die Glyphosatpreise im Vergleich zum Vorjahr gesunken sind. Das Wachstum im Geschäft mit Maissaat und Pilzschutzmittel konnte diese Entwicklung nicht ausgleichen. In der Crop-Science-Sparte gab es im dritten Quartal einen Verlust von 24 Millionen Euro vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) und vor Sondereffekten. Im Vergleich zum Vorjahr, als ein Plus von 629 Millionen Euro verzeichnet wurde, ist dies eine deutliche Verschlechterung.
Trotz des enttäuschenden Abschneidens betont Analyst Charlie Bentley vom Investmenthaus Jefferies, dass Bayer in lateinamerikanischen Märkten besser abschneidet als die US-Konkurrenz. Dennoch wurden sowohl die Erwartungen der Crop-Science-Sparte als auch des Segments Consumer Health im Geschäft mit rezeptfreien Medikamenten nicht erfüllt.
Insgesamt ist der bereinigte operative Gewinn auf Konzernebene um fast ein Drittel auf 1,7 Milliarden Euro eingebrochen, stärker als von Analysten erwartet. Unter dem Strich steht ein Verlust von 4,57 Milliarden Euro, der zum Teil auf erneute Wertminderungen im Agrargeschäft zurückzuführen ist.
Der Konzern bestätigte den im Sommer gesenkten Jahresausblick. Der Umsatz soll bereinigt um Wechselkursveränderungen zwischen 48,5 und 49,5 Milliarden Euro liegen. Im dritten Quartal fiel der Umsatz im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um etwas mehr als acht Prozent auf 10,3 Milliarden Euro. Negative Währungseffekte ausgeklammert entspricht dies einem Minus von nur noch 0,2 Prozent.
Der bereinigte operative Gewinn soll 2023 ohne Währungseffekte zwischen 11,3 und 11,8 Milliarden Euro liegen. (eulerpool-AFX)

