Bashar al-Assad in der Zwickmühle: Syrien zwischen Krisen und geopolitischen Spannungen
Inmitten der anhaltenden Konflikte im Nahen Osten und der Zersplitterung seines eigenen Landes hat der syrische Präsident Bashar al-Assad seine Stimme auffällig zurückgehalten. Mit einem Bürgerkrieg, der seit Jahren schwelt, und einem von Schulden und Sanktionen geplagten Staat, fand sich Assad in einem Dilemma wieder.
Die Mächte, die seine Regierung stützen – insbesondere Russland, Iran und die Hisbollah – sind selbst durch eigene Konflikte abgelenkt und geschwächt. Doch die jüngste Offensive islamistischer Rebellen, die innerhalb von 48 Stunden Aleppo, die zweitgrößte Stadt Syriens, eingenommen haben, offenbarte die Fragilität von Assads Herrschaft und die schwerwiegende Opposition gegen sein Regime.
Analysten beobachten gespannt, ob Assad in der Lage sein wird, seine Kräfte zur Verteidigung zu mobilisieren. Gleichzeitig mehren sich die Zeichen, dass Assad versuchte, mehr Eigenständigkeit von seinen ausländischen Unterstützern zu gewinnen. Dies verstärkte sich, da einige arabische und europäische Staaten begannen, die Möglichkeit zu erwägen, den autokratischen Führer zu rehabilitieren.
Eine Rückkehr zu stabileren Verhältnissen schien verlockend, um internationale Herausforderungen wie Flüchtlingsströme und Drogenhandel angehen zu können. Die überraschende Offensive der Rebellen durchkreuzte jedwede Bestrebungen Assads nach Unabhängigkeit. Die Streitkräfte des Regimes zogen sich zurück, während russische und syrische Kampfflugzeuge Angriffe auf Aleppo und Idlib starteten.
Die demotivierte syrische Armee, die nach Jahren des Bürgerkriegs zermürbt ist, zeigt kaum Überlebenswillen. Diese Form von Desillusionierung zieht sich durch viele Regierungsebenen und trifft auch die loyale Alawiten-Gemeinschaft, die zunehmend die Sinnhaftigkeit ihres anhaltenden Einsatzes hinterfragt.
Paradoxerweise führten diese Entwicklungen in diesem Jahr zu einer verstärkten diplomatischen Offensive einiger arabischer Staaten und europäischer Kräfte, um Assad wieder ins internationale Parkett zu integrieren, insbesondere nachdem das Erdbeben im Februar 2023 die Region erschütterte. Italien eröffnete kürzlich seine Botschaft in Damaskus, während Syrien unter saudischer Führung wieder in die Arabische Liga aufgenommen wurde.
Dennoch sind die Fortschritte enttäuschend: Weder in der Bekämpfung des Drogenhandels noch in der Schaffung sicherer Rückkehrbedingungen für Flüchtlinge gab es nennenswerte Fortschritte. Die Türkei, Hauptunterstützer der syrischen Opposition, suchte ebenfalls Annäherung, stieß jedoch auf Ablehnung durch Assad.
Mit der Offensive der HTS-Rebellen und der türkischen Einflussnahme sieht sich Assad mehr denn je auf internationale Hilfe angewiesen, während gleichzeitig der Druck steigt, eine politische Lösung zu finden.

