Bahnchef Lutz muss vorzeitig gehen – Verkehrsminister kündigt Ablösung und Strategiewechsel an
Die Ära von Richard Lutz an der Spitze der Deutschen Bahn endet früher als geplant. Verkehrsminister Patrick Schnieder gab auf einer Pressekonferenz bekannt, dass der 61-Jährige den Vorstandsvorsitz abgibt, sobald ein Nachfolger bestimmt ist. Lutz, seit 2017 CEO und zuvor sieben Jahre Finanzvorstand, sollte eigentlich bis 2027 bleiben. Die Entscheidung folgt anhaltender Kritik aus der Politik und schwacher Geschäftszahlen.
Unter Lutz verschlechterte sich die Pünktlichkeit im Fernverkehr von 78,5 Prozent (2017) auf 62,5 Prozent (2023). Marode Infrastruktur, überlastete Strecken und ein hoher Investitionsstau prägten das Bild. Zwar präsentierte Lutz 2024 ein Sanierungspaket mit 40 Generalsanierungen und Stellenabbau, doch intern wuchs der Frust. Ein eingeführtes „Ampelsystem“ zur Projektkontrolle wurde als realitätsfern verspottet.
Die Suche nach einem Nachfolger läuft, konkrete Namen gibt es bislang nicht. Diskutiert werden interne Kräfte wie Infrastrukturchef Berthold Huber, Güterverkehrsvorständin Sigrid Nikutta oder DB-Regio-Chefin Evelyn Palla – alle mit eigenen Stärken, aber auch deutlichen Schwächen. Politisch kursiert zudem der Name René Obermann, ehemaliger Telekom-Chef und aktueller Aufsichtsratsvorsitzender von Airbus, als mögliches Signal für einen Neuanfang.
Schnieder kündigte für den Spätsommer eine umfassende Strategie zur Zukunft der Bahn an. Ursprünglich für Ende August geplant, soll die Präsentation nun im Laufe des Septembers erfolgen.

