Unglück

Aus Pipeline schießen 200.000 Liter Öl – Sorge um die Umwelt

11. Dezember 2025, 15:19 Uhr · Quelle: dpa
Ein Leck in der Ölpipeline bei Gramzow führte zu einem Ausströmen von 200.000 Litern Öl auf Ackerflächen. Umweltschützer befürchten Schäden am Grundwasser und in Naturschutzgebieten, was die Region langfristig belastet.

Gramzow (dpa) - Es ist einer der größten Öl-Unfälle der vergangenen Jahre: Mindestens 200.000 Liter sind aus einer Pipeline im Nordosten Brandenburgs in einer bis zu 20 Meter hohen Fontäne herausgeschossen. Erst nach Stunden konnte das Leck nahe Gramzow in der Uckermark abgeriegelt werden. Mehr als zwei Hektar Acker wurden mit Öl bespritzt, wie Landesumweltministerin Hanka Mittelstädt (SPD) am Mittag am Unglücksort berichtete. Das entspricht ungefähr zwei Fußballfeldern. Die Versorgung von Berlin und Brandenburg mit Kraftstoffen und Heizöl ist jedoch nicht gefährdet.

Die 200 Kilometer lange Leitung vom Hafen Rostock nach Schwedt ist seit 2023 eine zentrale Versorgungsader für die Raffinerie PCK, die weite Teile des Nordostens und Berlins mit Sprit, Heizöl und Kerosin versorgt. Die Firma versicherte, die Produktion sei gesichert, weil es ausreichend eingelagerte Ölvorräte gebe. Auch kommt auf anderen Wegen Öl zur Raffinerie.

Pumpwagen und Ölsperren

Am Abend und Morgen waren Pumpwagen im Einsatz, die Öl absaugten, das teilweise in Pfützen auf dem Boden stand. Etwa 100 Feuerwehrleute und 25 Mitarbeiter der Raffinerie PCK waren zwischenzeitlich im Einsatz. Zudem legte die Feuerwehr Öl-Sperren aus, um ein Abfließen in die Welse zu verhindern, einen Nebenfluss der Oder. Als Nächstes soll noch verschmutztes Erdreich abgetragen werden. 

Der Unglücksort liegt nur 30 Kilometer entfernt vom Nationalpark Unteres Odertal, der auf 10.000 Hektar Lebensraum bietet für viele seltene und geschützte Pflanzen und Tiere – unter anderem Fischotter, Trauerseeschwalbe, Rohrdommel oder Wachtelkönig. Auch viele Touristen sind in dem dünn besiedelten Gebiet unterwegs. 

Pipeline-Unfall geschah vor geplantem Test

Die PCK-Raffinerie nannte als Ursache «vorbereitende Arbeiten für einen geplanten Sicherheitstest». Eine absichtliche Fremdeinwirkung könne ausgeschlossen werden. PCK stelle «alle notwendigen Mittel und Ressourcen bereit» und habe Fachfirmen zur Unterstützung angefordert. 

Der Sprecher der Geschäftsführung, Ralf Schairer, äußerte sein Bedauern und sagte am Unglücksort, man komme für den Schaden auf. Die Pipeline an sich sei nicht kaputt. Er erwarte, dass sie in den nächsten ein, zwei Tagen wieder in Betrieb genommen werde. 

Das Umweltministerium von Mecklenburg-Vorpommern berichtete, konkret hätten sich zwei Sicherungsbolzen an der Schieberstation in Gramzow, wo der Durchfluss geregelt werden kann, aus bislang ungeklärter Ursache gelöst.

Umweltschützer warnen vor Folgen fürs Wasser

Die Umweltorganisation WWF äußerte sich besorgt. «Öl enthält lösliche Stoffe, die sich in sandigen Böden wie der Uckermark schnell und unkontrolliert ausbreiten und letztendlich in die gebeutelte Oder beziehungsweise Ostsee gelangen», sagte Finn Viehberg, Leiter des WWF-Ostseebüros. Er warnte: «Die Grundwasser- und Bodenbelastung wird uns noch Jahre beschäftigen – mit Folgen für Landwirtschaft und Trinkwasser.» Jeder Tropfen, der unkontrolliert in die Umwelt gelangt, sei ein Tropfen zu viel. «Es ist Zeit, aus der Logik der Risikobereitschaft auszubrechen», forderte er.

Zu einer möglichen Verunreinigung des Bodens und des Grundwassers sagte der Schwedter Feuerwehr-Abteilungsleiter Alexander Trenn noch am Abend, glücklicherweise sei der umliegende Ackerboden sehr nass vom Regen, sodass das Öl, das leichter als Wasser sei, quasi darauf schwimme und wohl nicht tief ins Erdreich eingedrungen sei. Daher sei eine weitgehende Verunreinigung des Grundwassers zunächst unwahrscheinlich.

Unter Treuhandverwaltung des Bundes

PCK gehört zu 54 Prozent deutschen Töchtern des russischen Staatskonzerns Rosneft. Nach dem Angriff Russlands auf die Ukraine entschied die damalige Bundesregierung aber, die Töchter unter Treuhandverwaltung zu stellen.

Die Raffinerie in der Uckermark hatte fast 60 Jahre lang nur russisches Öl über die «Druschba»-Pipeline bezogen. Doch damit ist wegen der Sanktionen gegen Russland seit Anfang 2023 Schluss. Andere Bezugsquellen für Öl wurden gefunden, um die Auslastung der Raffinerie stabil zu halten. Von da an wurde auch der Betrieb der nun vom Unfall betroffenen Öl-Pipeline von Rostock nach Schwedt hochgefahren. Vor 2023 lief sie nicht unter Volllast.

Offen ist seit langem, ob und wann die Pipeline vom Hafen Rostock nach Schwedt mit Millionen des Bundes ausgebaut werden kann. Bislang fehlt das Einverständnis der EU, von einer Hängepartie war oft die Rede. Die Bundesregierung will die Ertüchtigung der Pipeline nach bisherigem Stand mit 400 Millionen Euro fördern.

Umwelt / Unternehmen / Rohstoff / Öl / Notfall / Brandenburg / Deutschland
11.12.2025 · 15:19 Uhr
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