Auftragseingang der deutschen Industrie stottert im Mai - Ein Blick hinter die Zahlen
Der im Mai verzeichnete Rückgang des Auftragseingangs der deutschen Industrie hat eine Welle der Überraschung ausgelöst, obwohl die gute Entwicklung im April Anlass zur Hoffnung gegeben hatte. Mit einem unerwartet deutlichen Minus von 1,4 Prozent im Vergleich zu April, das ursprünglich auf nur minus 0,2 Prozent geschätzt wurde, zeigt sich die volatile Natur der Branche. Dieser Rückgang geht jedoch auf eine nachträgliche Aufwärtsrevision des Aprilwertes zurück, der nun mit einem Plus von 1,6 Prozent beziffert wird – ein Anstieg, der von einer Nachmeldung in der Automobilindustrie profitierte, so das Statistische Bundesamt.
Jens-Oliver Niklasch, Experte von der Landesbank Baden-Württemberg, sieht in den jüngsten Zahlen keinen Grund zur Panik und spricht von einer leichten Enttäuschung, die jedoch nicht überbewertet werden sollte. Trotz gelegentlicher Rückschläge bleibt die Lage stabil, was auf eine gewisse Konsolidierung der Konjunktur hindeutet. Nichtsdestotrotz bleibt die Bedrohung durch die unberechenbare US-Zollpolitik gegenwärtig und sorgt für Spannung.
Besonders betroffen von den Rückgängen im Mai war die Herstellung von Datenverarbeitungsgeräten sowie elektronischen und optischen Erzeugnissen, die nach einigen Großaufträgen nun schwächeln. Hingegen verzeichneten Metallerzeugnisse und der Sonstige Fahrzeugbau positive Entwicklungen. Interessanterweise konnten auch die Auslandsaufträge zulegen und stiegen um 2,9 Prozent. Während die Nachfrage aus der Eurozone um 6,5 Prozent zurückging, profitierten deutsche Hersteller von einem bemerkenswerten Zuwachs von 9,0 Prozent aus Ländern außerhalb der Eurozone. Innerdeutsch schrumpften die Bestellungen um 7,8 Prozent.
Jahresvergleichend fiel der Anstieg der Industrieaufträge mit 5,3 Prozent ebenfalls schwächer aus als vielerorts erwartet, was die kurzfristigen Herausforderungen in der Industrie widerspiegelt. Experten waren von einem Plus von 5,7 Prozent ausgegangen und beäugen nun mit Spannung die nächsten Monate.

