Asien erholt sich – Märkte hoffen auf Verhandlungsspielraum bei US-Zöllen
Japans Börsen führten am Dienstag die Erholung der asiatischen Märkte an. Der Nikkei legte mehr als fünf Prozent zu, nachdem US-Präsident Donald Trump Japan offenbar Priorität bei den kommenden bilateralen Handelsgesprächen eingeräumt hatte. Auch Futures auf US- und europäische Indizes drehten ins Plus – ein erstes Zeichen von Stabilisierung nach einem Ausverkauf, der weltweit zehn Billionen Dollar an Börsenwert vernichtet hatte.
Gleichzeitig zog der MSCI Asia Pacific Index um bis zu 2,6 Prozent an, nachdem er am Montag mit einem Minus von 8,7 Prozent den größten Tagesverlust seiner Geschichte hinnehmen musste. In China und Hongkong stützten staatlich gesteuerte Fonds die Kurse, während die Zentralbank zusätzliche Liquidität versprach und ein Absinken des Yuan über den Referenzkurs zuließ.
Die Marktstimmung bleibt jedoch fragil. „Ein Wendepunkt ist das noch nicht“, sagte Tim Waterer, Chefanalyst bei KCM Trade. Trump halte die Drohung zusätzlicher Zölle auf chinesische Waren weiter aufrecht, was das Rezessionsrisiko hoch halte. Die chinesische Regierung reagierte mit deutlicher Rhetorik und kündigte erneut Gegenmaßnahmen an, sollte Washington die Zölle weiter erhöhen.
Besonders unter Druck blieb der taiwanesische Aktienmarkt: Der Leitindex fiel zwischenzeitlich um 5,5 Prozent auf ein 14-Monats-Tief, nachdem am Vortag über 900 Aktien ihren maximal zulässigen Tagesverlust erreicht hatten. Damit entkoppelte sich Taiwan von der regionalen Erholung.
Auch an den Anleihemärkten zeigten sich erste Gegenbewegungen. Nach dem starken Ausverkauf am Montag zogen US-Treasuries wieder leicht an. Investoren blicken auf die bevorstehenden Auktionen von drei-, zehn- und 30-jährigen US-Staatsanleihen, um Hinweise auf die Risikoneigung zu erhalten.
Die Federal Reserve steht derweil unter wachsendem Druck: Laut Zinsderivaten preist der Markt mittlerweile mindestens drei Zinssenkungen bis Jahresende ein, die erste davon bereits im Juni. Sorgen über Angebotsengpässe und Inflationsrisiken durch Zölle nehmen unter Unternehmensführern zu, wie auch Fed-Chicago-Präsident Austan Goolsbee bestätigte.
Parallel verzeichneten einzelne asiatische Unternehmen kräftige Kursgewinne: BYD Co. sprang in Hongkong um mehr als sieben Prozent nach einer Gewinnprognose für das erste Quartal. Samsung Electronics legte um vier Prozent zu, nachdem überraschend starke Zahlen für das Smartphone Galaxy S25 und den Absatz älterer DRAM-Chips vermeldet wurden.
Doch Marktteilnehmer bleiben vorsichtig. Rajeev De Mello von Gama Asset Management spricht von einer „temporären Bodenbildung“, die erneut nach unten getestet werden könnte. Viele Anleger warteten nur noch darauf, dass Trump blinzele – doch sein Spiel auf Zeit hält die Unsicherheit hoch.

