Arbeitsmarktreformen: Potenzial für 170.000 neue Vollzeitstellen
Der Ausbau des Arbeitsmarktes in Deutschland könnte durch gezielte Anpassungen bei den Hinzuverdienstregeln deutlichen Auftrieb erfahren. Eine Analyse des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) zeigt, dass durch Reformen im System des Bürgergeldes, Wohngeldes und Kinderzuschlags zwischen 70.000 und 170.000 zusätzliche Vollzeitäquivalente aktiviert werden könnten.
Aktuelle Regelungen bieten nur begrenzte Anreize für Arbeitssuchende, eine Beschäftigung aufzunehmen oder ihre Arbeitszeit zu erhöhen, so das IAB. Die Bundesregierung, die eine Verbesserung dieser Anreize bereits im Koalitionsvertrag festgehalten hat, untersucht derzeit 54 verschiedene Reformansätze. Vor allem Varianten mit einer umfassenden Entlastung für alle Einkommensgruppen könnten, trotz bis zu fünf Milliarden Euro an jährlichen Mehrkosten, Beschäftigungszuwächse bewirken.
Die strukturellen Auswirkungen solcher Reformen sind tiefgreifend. Während die Zahl der Bürgergeldhaushalte in bestimmten Szenarien um 390.000 sinken könnte, würde die Zahl der Wohngeld- und Kinderzuschlagsempfänger um 1,2 Millionen steigen. "Reformen der Hinzuverdienstregelungen können höhere Arbeitsanreize schaffen", erläutert IAB-Forscher Jürgen Wiemers, hebt allerdings die Notwendigkeit einer sorgfältigen Abwägung der damit verbundenen Zielkonflikte hervor.

