Angst vor Trump-Zöllen spült Millionen in die Kirchenkasse
Aktienverkäufe treiben Kirchensteuer in die Höhe
Als US-Präsident Donald Trump im vergangenen Jahr mit neuen Zöllen auf Importe drohte, reagierten viele Investoren nervös. Im Februar und März 2025 wurden in großem Stil Aktien verkauft, um Risiken zu reduzieren. Auf die dabei realisierten Kursgewinne fällt Kirchensteuer an – automatisch einbehalten von Banken und Sparkassen.
Für die Evangelische Kirche im Rheinland bedeutete das ein überraschendes Plus: Mehr als 30 Millionen Euro zusätzliche Einnahmen flossen allein aus der Kirchensteuer auf Kapitalerträge in die Kasse, wie Finanzdezernent Henning Böker vor der Landessynode in Bonn erklärte.
Einmaliger Effekt mit regionalem Schwerpunk t
Insgesamt stiegen die Kirchensteuereinnahmen der rheinischen Landeskirche 2025 auf 802 Millionen Euro – ein Zuwachs von 7,5 Prozent oder rund 50 Millionen Euro. Nach Angaben des Finanzdezernats entfiel der Löwenanteil des Plus auf nur wenige Regionen: Vor allem in den Kirchenkreisen Düsseldorf, Leverkusen und Koblenz seien große Aktienbestände veräußert worden.
Böker machte zugleich klar, dass es sich um einen Ausnahmefall handelt. Eine derart starke Zunahme durch Kapitalertragsteuern sei nicht planbar und werde sich kaum wiederholen.
Weitere Sondereffekte durch Steuer-Ausgleich
Neben den Börsenturbulenzen sorgte ein zweiter Faktor für zusätzliche Einnahmen: sogenannte Clearing-Zahlungen. Dabei werden Kirchensteuern zwischen den Landeskirchen nach dem Wohnsitzprinzip ausgeglichen. Für die Rheinische Kirche ergab sich daraus ein Plus von gut zehn Millionen Euro.
Die klassischen Einnahmequellen – Lohn- und Einkommensteuer – wuchsen dagegen deutlich moderater, wie prognostiziert um knapp zwei Prozent.
Trotz Geldregen bleibt der Sparkurs
So erfreulich die Mehreinnahmen auch sind: Sie ändern nichts an der strukturellen Finanzlage. Für die kommenden Jahre rechnet die Kirchenleitung lediglich mit stabilen, nicht weiter wachsenden Einnahmen. Gleichzeitig steigen Kosten, während die Zahl der Mitglieder weiter sinkt.
Die Landessynode berät deshalb über ein umfassendes Sparprogramm. Bis 2030 sollen rund 33 Millionen Euro eingespart werden. Geplant sind unter anderem:
- der Abbau von Pfarrstellen,
- Kürzungen bei der Diakonie und bei Missionswerken,
- Einschnitte bei den evangelischen Studierendengemeinden.
Der unerwartete Geldsegen aus der Angst vor Trump-Zöllen verschafft der Kirche damit zwar kurzfristig Luft – an der Notwendigkeit harter Strukturentscheidungen ändert er jedoch nichts.


