Angleichung am Arbeitsmarkt: Geflüchtete holen auf, große Lücken bei Frauen bleiben
Die Integration von Geflüchteten in den deutschen Arbeitsmarkt zeigt vielversprechende Fortschritte. Laut einer aktuellen Studie des Nürnberger Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) erreicht die Beschäftigungsquote der 2015 nach Deutschland Geflüchteten zunehmend den Durchschnitt der Gesamtbevölkerung. Allerdings bestehen nach wie vor deutliche Unterschiede in Verdienst und Beschäftigung zwischen den Geschlechtern.
Mit einer Beschäftigungsquote von 64 Prozent im Jahr 2022 nähern sich die Geflüchteten der Gesamtbevölkerung an, die einen Durchschnitt von 70 Prozent aufweist. Besonders positiv ist der hohe Anteil an sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungen unter den Geflüchteten, der bei 90 Prozent liegt und damit nur knapp unter dem Bevölkerungsdurchschnitt von 92 Prozent.
Ein gravierendes Ungleichgewicht zeigt sich jedoch zwischen Männern und Frauen. Während geflüchtete Männer mit einer Quote von 76 Prozent den Durchschnitt der männlichen Bevölkerung sogar übertreffen, ist die Beteiligung geflüchteter Frauen am Arbeitsmarkt mit 35 Prozent deutlich geringer als die der weiblichen Gesamtbevölkerung, die bei 69 Prozent liegt. Häufig sind geflüchtete Frauen zudem in Teilzeitbeschäftigung zu finden.
IAB-Forschungsbereichsleiterin Yuliya Kosyakova hebt hervor, dass das größte Potenzial für mehr Erwerbstätigkeit unter geflüchteten Frauen liegt. Oftmals erschwert ein mangelnder Zugang zu Kinderbetreuungsmöglichkeiten die Arbeitsmarktintegration. Bei Frauen mit Kindern unter sechs Jahren beträgt die Beschäftigungsquote nur 21 Prozent, während sie bei kinderlosen Frauen mit 40 Prozent deutlich höher ist.
Trotz der Fortschritte hat sich der Einkommensunterschied bisher kaum verringert. Der mittlere Bruttomonatsverdienst vollzeitbeschäftigter Geflüchteter lag 2023 bei 2.675 Euro, was 70 Prozent des mittleren Verdienstes aller Vollzeitbeschäftigten in Deutschland entspricht. Erfreulicherweise ist der Anteil der Leistungsbeziehenden unter den 2015 Zugezogenen bis 2023 auf rund ein Drittel gesunken, bleibt jedoch weiterhin über dem Durchschnitt der Gesamtbevölkerung.

