Analyse: Warum Leerverkäufe am Pranger stehen

12. August 2011, 23:13 Uhr · Quelle: dpa

Frankfurt/Main (dpa) - Leerverkäufe gelten Kritikern als «Massenvernichtungswaffen», die die Finanzkrise 2008 beschleunigt haben sollen. Nach den rasanten Kursstürzen der letzten Tagen haben jetzt mehrere europäische Staaten die riskanten Geschäfte verboten. Die Nachrichtenagentur dpa beantwortet die wichtigsten Fragen:

Was sind Leerverkäufe ?

Bei Leerverkäufen (short-selling) setzen Investoren auf schwächelnde Kurse einer Aktie, die sie gegen eine Gebühr leihen und dann weiterverkaufen. Geht ihre Wette auf, können sie später die Papiere günstiger erwerben und dem Verleiher zurückgeben. Ihr Gewinn ist die Differenz zwischen Verkaufspreis und Rückkaufpreis. Bei «gedeckten» Leerverkäufen leihen sich Spekulanten die zu verkaufenden Aktien. Bei «ungedeckten» Leerverkäufen besitzen sie diese nicht einmal, sondern verkaufen Aktien, ohne sie ausgeliehen zu haben. Das ist möglich, weil es erst nach einigen Tagen eine Lieferpflicht für die Papiere gibt - bis dahin müssen die Händler den Rückkauf abgeschlossen haben.

Was ist das grundsätzliche Problem?

Wird der Markt durch massive Leerverkäufe überschwemmt, kann allein dadurch der Aktienkurs sinken. Falls dann weitere Aktionäre verkaufen, wird der erhoffte Kursverfall dadurch oft erst ausgelöst. Kritikern sind solche schwer durchschaubaren Produkte ein Dorn im Auge, denn sie sollen die Finanzkrise 2008 und die aktuellen Schuldenprobleme in der EU beschleunigt haben. SPD-Chef Sigmar Gabriel sagte am Freitag im Deutschlandradio Kultur, es sei skandalös, dass diese Geschäfte Hunderte Milliarden von Dollar gekostet hätten und trotzdem weiterliefen.

Kritiker bezeichnen Leerverkäufe als «Brandbeschleuniger». Warum?

In ihrer Mitteilung über die Verbote von Leerverkäufen betonte die Europäische Börsenaufsichtsbehörde ESMA angesichts «jüngster Entwicklungen an den Märkten» ausdrücklich, dass es untersagt ist, Gerüchte zu streuen, um damit Kurse zu beeinflussen. Nach Überzeugung von Professor Dirk Schiereck von der TU Darmstadt reagieren die Aufsichtsbehörden darauf, dass angesichts der Unsicherheiten ungedeckte Leerverkäufe aktuell genutzt werden können, um noch stärkere Schwankungen am Markt zu erzeugen: «Derzeit werden selbst die abenteuerlichsten Gerüchte nicht sofort verworfen. Das kann jemanden auf die Idee bringen, etwas leer zu verkaufen, dann irgendeinen Unsinn zu erzählen, der dann tatsächlich kurzfristig geglaubt wird, und aus der folgenden Kurzreaktion einen Gewinn zu erzielen.» Zuletzt hatten Gerüchte um eine mögliche Abwertung Frankreichs und die Stabilität des französischen Bankensektors die Kurse abstürzen lassen.

Wie reagieren die Aufsichtsbehörden ?

Auf dem Höhepunkt der Finanzkrise im Herbst 2008 hatten Aufsichtsbehörden weltweit ungedeckte Leerverkäufe zeitweise verboten. Danach waren die riskanten Geschäfte vielerorts wieder erlaubt. In Deutschland sind seit Mai 2010 ungedeckte Leerverkäufe mit Aktien der zehn größten deutschen Finanzkonzerne verboten. Jetzt reagierten die Aufsichtsbehörden in Frankreich, Italien, Spanien und Belgien, zuvor schon in Griechenland.

Warum werden Leerverkäufe etwa von elf am französischen Markt notierten Finanzkonzernen nur für 15 Tagen untersagt?

Zum einen besteht die Hoffnung, dass sich die Märkte bis dahin wieder beruhigen könnten. Zum anderen kommen dann viele Akteure aus der Sommerpause zurück: «Momentan sind viele Marktteilnehmer nicht am Arbeitsplatz und es geht relativ wenig Marktvolumen um. Gerade das macht die Märkte derzeit so anfällig, dass nämlich viele vernünftige Marktteilnehmer, die normalerweise das Korrektiv sind, im Moment nicht agieren», erläutert Schiereck.

Können sich Leerverkäufe auch positiv auswirken?

Leerverkäufe helfen Spekulanten, sich vor erwarteten Kurseinbrüchen zu schützen. Zudem ist das Instrument in Boomzeiten mit steigenden Kursen wichtig, um die Euphorie zu bremsen und so Übertreibungen zu vermeiden, betont Schiereck: «In Zeiten überzogener Euphorie sind Leerverkäufe sehr hilfreich, um exzessive Kursausschläge ein Stück weit zu begrenzen.» In Marktphasen mit starken Schwankungen wie aktuell könne ein Verbot vorrübergehend aber Sinn machen.

Finanzen / Börsen
12.08.2011 · 23:13 Uhr
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