Analyse: Radikale Salafisten geben sich harmlos

14. April 2012, 20:48 Uhr · Quelle: dpa

Berlin/Mainz (dpa) - Gefährliche Propaganda - das hatten Politiker und Behörden den Salafisten vorgeworfen. Wie in Berlin verteilen die radikalen Islamisten am Samstag in mehreren deutschen Städten kostenlose Korane.

Am Potsdamer Platz stehen - umringt von etlichen Kameraleuten und Reportern - etwa zehn bärtige Männer an einem Stand. In ihren weißen T-Shirts mit dem aufgedruckten Aktionstitel «Lies!» wirken sie auf dem weitläufigen Platz sehr verloren. Eine Frau, die sich das Treiben aus einiger Entfernung anschaut, bringt es auf den Punkt: «Das alles kommt mir ziemlich aufgebauscht vor.»

War die ganze Aufregung um die kostenlose Koranverteilung zuvor übertrieben? Politiker hatten Alarm geschlagen. Sie befürchten, dass Anhänger des salafistischen Netzwerkes «Die wahre Religion» die Aktion für extremistische Ziele missbrauchen könnten. Die Chefin des Berliner Verfassungsschutzes, Claudia Schmid, hatte gewarnt: «Der Koran ist nur ein Mittel zum Zweck.» Eigentlich ginge es um die Anwerbung junger Muslime. Diese könnten sich dann radikalisieren.

Solche sind am Samstag aber nicht zu sehen. In der Mainzer Fußgängerzone kommen immer wieder Passanten zu dem Stand, der erst mittags aufgestellt wurde. Die meisten der Passanten fragen kurz, ob sie ein Gratis-Exemplar des schwarz eingebundenen Korans mitnehmen dürfen und gehen dann wieder. Nur wenige Passanten bleiben länger an dem Stand und diskutieren mit den zwei Männern und einer Frau über den Islam. Einer der beiden Männer mit Glatze und kurzem Vollbart sagt: «Ich möchte lediglich aufklären über die Inhalte des Korans.» Der etwa 50-Jährige weist weit von sich, ein Salafist zu sein. Mit Extremisten habe er nichts zu tun.

Auch in der Innenstadt von Hannover nehmen einige Passanten einen Koran an. «Die Bibel habe ich gelesen, den Koran noch nicht», sagt Maria Amaya (42). Sie interessiere vor allem, wo die Unterschiede zwischen den Religionen liegen.

In Berlin schauen sich Passanten, vor allem Touristen, neugierig den Medienauflauf an. Eine 65 Jahre alte Frau aus Chemnitz drängt sich an einem Kameramann vorbei und sagt: «Ich will mir selber ein Bild machen.» Dass sie sich den Salafisten anschließen könnte, ist eher unwahrscheinlich.

Abseits stehen rund 20 Polizisten, um Konflikte zu verhindern. Bis zum Nachmittag kommen nur eine Hand voll Protestler, die Plakate hochhalten. Auf einem ist in Anspielung auf den Aktionstitel «Lies!» zu lesen: «We don't need your lies!» (Wir brauchen eure Lügen nicht). Die Gruppe «Muslime für Frieden» verteilt Flyer, in denen sie sich zu Staat und Demokratie bekennt.

Dann kommt es doch noch zu einem kurzen Konflikt. Ein muslimischer Passant beginnt lauthals zu schimpfen, als er den Plakatspruch «Die Menschenverachtung des Islams erklärt sich, wenn man den Koran gelesen hat» liest. Ein 40-jähriger Iraner weist den Mann zurecht: «Hier herrscht Meinungsfreiheit. So wie die Männer hier Korane verteilen dürfen, darf jeder auch dagegen friedlich protestieren.»

Die Salafisten bleiben verschlossen. Fragen von Passanten beantworten sie höchstens mit einem Lächeln. Mit der Presse wollen sie nicht reden. «Kein Kommentar», antworten sie auf Fragen zur Anzahl der verteilten Exemplare. Auch was es bedeute, wenn Passanten das Buch fortwerfen, lassen sie offen.

Experten sehen in Salafisten potenzielle Wegbereiter islamistischen Terrors. Nach Einschätzung des Verfassungsschutzes streben sie eine Gesellschaft nach den Regeln der islamischen Rechtsordnung Scharia an. Diese widerspricht weitgehend demokratischen Grundregeln.

Die Koran-Aktion können die radikalen Islamisten wohl als Erfolg verbuchen. Soviel öffentliche Aufmerksamkeit wird ihnen sonst selten zuteil.

Extremismus / Islamismus / Religion
14.04.2012 · 20:48 Uhr
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