Analyse: Körperscanner kein Allheilmittel

04. Januar 2010, 22:42 Uhr · Quelle: dpa
Berlin (dpa) - Müssen sich Passagiere schon in diesem Jahr oder erst später auf Körperscanner auf deutschen Flughäfen einstellen? Leidenschaftlich diskutieren Politiker vornehmlich aus Unionsreihen diese Frage.

Doch so mancher Oppositionspolitiker und Sicherheitsexperte hält diese Debatte für reichlich verfehlt. Zwar sprechen sich auch viele von ihnen für Körperscannern aus, die die Intimsphäre der Fluggäste wahren, aber gefährliche Stoffe aufspüren. Sie mahnen aber, das Thema nicht auf ein Gerät zu verengen und sich dem Wunschgedanken einer hundertprozentigen Sicherheit hinzugeben. Denn Schwachpunkte gibt es nach wie vor an mehreren Stellen.

«Luftsicherheit ist ein komplexes Geschäft», sagt der Vorsitzende der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Bezirk Bundespolizei, Josef Scheuring. Zuletzt waren es die Duty Free Shops, die in die Kritik gerieten. Nach den Sicherheitsschleusen könne man sich wieder mit Rasierklingen oder Parfüm (ein potenzieller Brandbeschleuniger) eindecken. Dem Chef der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG), Rainer Wendt, sind selbst die Reinigungsmittel der Putzfrauen verdächtig.

Grünen-Chefin Claudia Roth erinnert daran, dass bei dem kürzlich vereitelten Anschlag eines Nigerianers in einem Flugzeug über Detroit (USA) nicht etwa fehlende Kontrollen, sondern eine fehlende Kommunikation der Sicherheitsbehörden das Problem war. US-Präsident Barack Obama sprach von menschlichen und organisatorischen Fehlern. Der SPD-Innenexperte Dieter Wiefelspütz bemerkte kürzlich im Deutschlandradio, dass die Amerikaner nach der massiven Datensammlung offenbar nicht in der Lage sind, die ihnen auf den Tisch gelegten Verdachtsmomente wahrzunehmen und zu begreifen.

Technik kann dabei nicht alles richten. «Technik ist immer nur ein Hilfsmittel», sagt Wendt. Gerade in Deutschland konzentrierten sich die Sicherheitskräfte aber vor allem auf technische Hilfsmittel. «Wir glauben, wir müssen nur eine Maschine anschaffen und schon haben wir ein Problem gelöst.» Oft seien jedoch Menschen die Schwachstellen.

Sicherheitsexperten halten daher das in Israel praktizierte Profiling, bei dem der Blick vor allem auf den potenziellen Täter und nicht primär auf sein Werkzeug gerichtet wird, für einen vielversprechenden Ansatz. «Die Israelis sind uns da deutlich voraus», meint Scheuring. 99,9 Prozent der reisenden Menschen seien schließlich harmlos. Die Frage sei, wie man die Kontrollen zielgerichteter auf die beziehen könne, von denen Gefahr drohe. Auch deshalb setzten sich die Gewerkschaften dafür ein, das Personal im Flugsicherheitsbereich besser auszubilden und zu bezahlen.

Denn wenn die Sicherheitsbehörden technisch aufrüsten, tun dies auch die Kriminellen und Terroristen. Scheuring spricht von einem ähnlichen Wettbewerb wie beim Doping, wo die Tester zwar immer bessere Nachweisverfahren an die Hand bekommen, die Sportler aber im Gegenzug auf immer schwieriger nachzuweisende Substanzen ausweichen. «Wenn wir mit neuen Generationen von Technik kontrollieren, wird sich das terroristische Gegenüber darauf einstellen», meint Scheuring.

Nach Einschätzung des Deutschen Flugangst-Zentrums in Ratingen sind die Erwartungen der Menschen an die Sicherheit beim Flugzeug so hoch wie bei keinem anderen Verkehrsmittel. Kein Passagier werde daher ein Höchstmaß an Schutz vor Terror und Kriminalität oder mehr Sicherheit ablehnen. Dies dürfte auch den Politikern bewusst sein, die derzeit auf die Einführung von Körperscannern in Deutschland drängen. Scheuring erinnert jedoch daran, dass beispielsweise das Fahren mit dem Auto deutlich gefährlicher ist und auch über Sicherheit beim Bahn- oder Skifahren weniger geredet wird: «Aber es wäre naiv anzunehmen, man wäre irgendwo hundertprozentig sicher.»

Terrorismus / Luftverkehr / USA / Deutschland
04.01.2010 · 22:42 Uhr
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