Amazon und die FTC erzielen Rekordvergleich im Rechtsstreit um irreführende Praktiken
Die Federal Trade Commission (FTC) hat sich in einem spektakulären Vergleich mit dem Technologieriesen Amazon geeinigt. Nur wenige Tage nach Prozessbeginn einigten sich beide Parteien auf eine Zahlung von 2,5 Milliarden US-Dollar. Grund des Streits war die angebliche Verwendung irreführender Praktiken seitens Amazon, wodurch Millionen von Verbrauchern unwissentlich Mitglied im Prime-Programm wurden und Schwierigkeiten hatten, sich wieder davon abzumelden.
Der Fall wurde erstmals unter der Leitung von Lina Khan bei der FTC im Jahr 2023 eingereicht. Die Anklage warf Amazon vor, durch sogenannte „Dark Patterns“ – manipulative Designelemente – die Verbraucher in die Irre zu führen. Besonders kritisch war der komplexe Kündigungsprozess, der als "Iliad" bekannt war, ein vierseitiger, sechs-Klick, fünfzehn-Optionen Prozess, der Kunden davon abhielt, ihre Mitgliedschaft einfach zu beenden.
Die Entscheidung für den Vergleich fiel höchstwahrscheinlich aufgrund der jüngsten günstigen Gerichtsentscheidungen für die FTC, die die rechtliche Angreifbarkeit von Amazon und seiner Führungskräfte verschärften. Während die Vergleichssumme von 2,5 Milliarden US-Dollar auf die ersten Blicke beeindruckend erscheint, entspricht sie für Amazon lediglich etwa 13 Tagen Gewinn, basierend auf den finanziellen Ergebnissen der letzten zwölf Monate.
Wichtig ist, dass das Unternehmen keinerlei Fehlverhalten zugab, obwohl es viele strittige Praktiken nach Beginn der FTC-Untersuchung änderte. Auch die benannten Führungskräfte behielten eine weiße Weste.
Im Lichte der rechtlichen und medialen Entwicklungen fragt sich, warum die FTC bei dem positives Prozessverlauf so schnell einem Vergleich zustimmte. Die Öffentlichkeit könnte dem Konflikt bald wenig Beachtung schenken, was für Amazon ein positives Ende des Kapitels bedeutet.
Die Verbraucher wurden zumindest teilweise durch den beachtlichen Rückzahlungsbetrag von 1,5 Milliarden US-Dollar entschädigt, auch wenn die volle Tragweite der Verbrauchervertrauensverluste nicht ohne weiteres wiedergutgemacht werden kann. Abseits dieses Falls erwartet Amazon ein weiterer rechtlicher Showdown: die historische kartellrechtliche Klage der FTC, die 2027 vor Gericht verhandelt wird.
Diese könnte die Struktur des Unternehmens grundlegend verändern. Es bleibt spannend zu beobachten, ob die Einigung im aktuellen Fall dem Unternehmen oder der FTC bei zukünftigen Verhandlungen Vorteile verschafft.

