Am Tacheles, Berlin
Highlight in der Quartiersmitte: der verspiegelte WÖHR Bikesafe mit knapp 100 Fahrradstellplätzen / Das Neue Stadtquartier

13. Oktober 2025, 12:05 Uhr · Quelle: Pressebox
Das Stadtquartier Am Tacheles in Berlin verbindet historische Elemente mit moderner Architektur. Ein verspielter verspiegelter Zylinder dient als Fahrradparksystem und macht den Platz zu einem zentralen Highlight.

Friolzheim, 13.10.2025 (PresseBox) - Im Vergleich zu ähnlichen Berliner Neubauquartieren hat der Platzraum im neuen Stadtquartier Am Tacheles eine eigene Qualität durch Form, Öffnung, Fassadengestaltung und Bepflanzung. Als kleines Highlight steht in der Mitte ein verspiegelter Zylinder, der knapp 100 Fahrrädern Platz bietet.

Es bleibt für viele nach dem Fall der Mauer das große Symbol künstlerischer Freiheit an einem inspirierenden Ort Berlins: das ehemalige Kunsthaus Tacheles, ein offenes, ursprünglich in den 1990er Jahren besetztes und dann selbstverwaltetes Haus der Kunstszene in prominenter Lage an der Oranienburger Straße mit dahinter liegender Brachlandschaft, die bis zur Friedrichstraße reicht. Dort standen verspielte Stahlgebilde, große Schrottskulpturen, liegen gebliebene Autos, ein Bus und sogar ein sowjetisches MiG-Kampfflugzeug. Das teilweise ruinöse Haus mit riesigem Torbogen, das von den Künstlern und Künstlerinnen vor dem geplanten Abriss gerettet wurde, entwickelte sich schnell zu einem Berliner Tourismusmagneten. Es handelte sich um einen Rest der Friedrichstadtpassage, alle weiteren nach dem Zweiten Weltkrieg noch vorhandenen Teile wurden schon zuvor abgerissen.

Vom Künstlerhaus zur stummen Ruine

Ende der 1990er Jahre verlor das Haus der Kunstszene seine Anziehungskraft und die Brachfläche weckte immer größere Begehrlichkeiten. Das Land Berlin verkaufte schließlich das gesamte Areal 2002 an das Immobilienunternehmen Fundus-Gruppe mit der Auflage, dass erst nach zehn Jahren eine Räumung erfolgen könnte. Als es so weit war, stand das Tacheles tatsächlich ganz leer und wurde zu einer stummen Ruine ohne Inhalt.

Für die Neuplanung orientierte man sich, Auflagen der Stadt folgend, an der Geschichte mit der von dem Architekten Franz Ahrens erbauten und 1909 eröffneten Passage, die von der Oranienburger Straße bis zur Friedrichstraße führte. Von besonderer Pracht war die Mittelhalle mit Kuppel, die eine Höhe von 48 Metern erreichte, in der die Passagenteile von den beiden Straßen zusammentrafen. Die vollmundig angekündigte Größe und Bedeutung erlangte die Einkaufspassage aber nie. Sie war zwar zu der Zeit die zweitgrößte der Stadt, lag jedoch trotz ihrer imposanten Erscheinung zu abseits von der Kundschaft, musste Konkurs anmelden und wurde nur fünf Jahre nach der Eröffnung wieder aufgegeben und zwangsversteigert. Es folgten bis zur teilweisen Zerstörung im Krieg mehrere Nutzungen, zu denen die Passage in ihrer Größe nicht passte, darunter als „Haus der Technik“ von AEG. Eine ganz andere Größe, sogar mit weltweiter Ausstrahlung, erfuhr der Ort dann erst wieder viel später in den 1990er Jahren: als Haus der freien Kunstszene.

2014 wechselte der Eigentümer und der Projektentwickler pwr development GmbH übernahm das Vorhaben. Herzog & de Meuron wurden beauftragt, einen Masterplan für die Neukonzeption und Wiederbelebung des gesamten Areals zu entwickeln, der mit deutlichen Veränderungen auf einem ersten Masterplan von 2003 basierte. Schon in den ersten Ideen des Stadtquartiers, das einer alten Wegeführung folgt, wurde das klare Gesamtkonzept drum herum deutlich. Die Architekten aus Basel wollten den Block zunächst vollständig auffüllen und dann „eine Folge von unterschiedlich proportionierten Plätzen, Höfen und Wegen wieder ausschneiden“.

Neukonzeption und Wiederbelebung

Das größte Neubau-Gebäude verbindet die Friedrichstraße mit dem Altbau an der Oranienburger Straße. Es erhielt den Namen Scape. Seine markanten Rasterfassaden, die ab dem 5. Obergeschoss nach hinten abknicken, werden bestimmt von immer gleichen vertikalen, leicht sich nach oben verjüngenden Bändern aus gebrochenen grauen Tonziegeln, die als größere Fertigteile geliefert und montiert wurden. Drei Brücken verbinden in luftiger Höhe, mit viel Efeu und Wildem Wein begrünt, beide Seiten der Passage. Auf eine Überdachung des Durchgangs wurde verzichtet. Im Erd- und Untergeschoss befinden sich Flächen für Einzelhandel und Gastronomie, in den Obergeschossen Büros. Im ehemaligen Kunsthaus Tacheles, das nach Sanierung und Umbau noch etwas von seiner Patina als Haus der freien Kunstszene bewahrt hat, ist auf drei Geschossen eine Dependance des zeitgenössischen Museums für Fotografie, Kunst & Kultur, Fotografiska eingezogen. Das Interieur stammt von Werner Aisslinger. Unter dem von Herzog & de Meuron aufgesetzten Pyramidendach des Torbogens ist Berlins zurzeit angesagteste Bar Clara.

Die Neubauten mit den Wohnungen und Büros stehen an der Oranienburger Straße und umgeben einen öffentlich zugänglichen Platz, der den Namen Aaron Bernsteins erhielt. Das markanteste Gebäude, ORO, mit Rundbogenfenstern und -Loggien stammt, neben dem Neubau Scale ebenfalls von Herzog & de Meuron. Die Nachbarbauten am Platz wurden von verschiedenen Architekten realisiert, darunter Brandlhuber+, Muck Petzet Architekten und Grüntuch Ernst Architekten. Dadurch entstand die sehr heterogene Gestalt der Fassaden mit großzügigen Loggien und Balkonen. Entlang der schmalen, ruhigen Johannisstraße im Süden wird das Projekt mit weiteren Wohnungsbauten komplettiert.

Am Tacheles überzeugt als Stadtquartier

Im Vergleich zu vielen Berliner Neubauquartieren in dieser Kategorie hat der Platzraum im neuen Stadtquartier Am Tacheles seine eigene Qualität durch seine Form, die weite Öffnung zur Oranienburger Straße, die Gestaltung der unterschiedlichen Fassaden und eine gelungene Bepflanzung mit Gleditschien. Die Bäume werden schon bald ein grünes, Schatten spendendes Dach bilden. Für Herzog & de Meuron ist dieser Platz das Herzstück des Stadtquartiers.

In seiner Mitte steht ein verspiegelter Zylinder, der zunächst wenig ins Auge fällt, aber dann doch als Kostbarkeit zwischen den Bäumen deutlich Präsenz zeigt und Neugier weckt. Der Rundbau ist ein WÖHR Bikesafe, ein vollautomatisches Fahrradparksystem, von besonderer Eleganz. Es bietet Platz für 96 Fahrräder, die im Verborgenen unter dem Platz sicher und wetterfest untergebracht werden. Der Parkvorgang wird neben dem Einfahrtstor im Übergabebereich per Chip oder QR-Code gestartet. Nach Öffnung des Tores wird das Vorderrad auf eine Schiene gesetzt und das Fahrrad in den Zylinder eingezogen. Das Tor schließt wieder automatisch und der Einparkvorgang ist nach circa 20 Sekunden beendet. Das neue Stadtquartier hat mit dem in der Sonne glitzernden Zylinder ein weiteres, kleines Highlight.

„Das neue Stadtquartier Am Tacheles hat mit dem in der Sonne glitzernden Zylinder für das kompakte Parken von Fahrrädern ein kleines Highlight bekommen.“

Sebastian Redecke, Bauwelt

Produktinformationen

Bikesafe Schachtvariante:
96 Stellplätze, je 16 Stellplätze auf 6 Ebenen, Lenkerbreite max. 76 cm, Fahrradlänge max. 2 m, Fahrradgewicht max. 30 kg, Bedienung über Buchungsplattform oder RFID-Chip

Autor:Sebastian Redecke

Fahrzeugbau / Automotive / Architektur / Berlin / Städtisches Quartier
[pressebox.de] · 13.10.2025 · 12:05 Uhr
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