Alzheimer-Medikament Lecanemab: Präzisionsangriff ohne Mehrwert?
Das Ringen um das Alzheimer-Medikament Lecanemab spitzt sich zu, da ein Expertengremium des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) dem Wirkstoff keinen belegten Zusatznutzen zuspricht im Vergleich zu etablierten Therapien. Lecanemab, das erste Mittel in Deutschland, das sich spezifisch gegen Eiweißablagerungen im Gehirn richtet, weist keine signifikanten Vorteile hinsichtlich Symptomlinderung oder Lebensqualität im Vergleich zu symptomatischen Behandlungsansätzen auf. Trotz dieser Einschätzung bleibt das Mittel vorerst verschreibungsfähig, eine langfristige Verschreibungssicherheit steht jedoch auf der Kippe.
Die Bewertung des G-BA könnte maßgeblich die Preisverhandlungen zwischen dem Hersteller und dem GKV-Spitzenverband beeinflussen, da ein fehlender Zusatznutzen die Zahlungsbereitschaft drücken könnte. Sollten sich Hersteller und Kassen nicht einigen, droht womöglich der Rückzug des Medikaments vom deutschen Markt, was Lecanemabs Zukunft hierzulande unsicher macht.
Dass kein Zusatznutzen nachgewiesen sei, bedeute keineswegs, dass Lecanemab wirkungslos sei, stellte G-BA-Vorsitzender Josef Hecken klar. Er sieht Potenzial in neuen Studien, die einen Mehrwert gegenüber bestehenden Therapieansätzen noch belegen könnten.
Besonders der Preisunterschied stellt eine Herausforderung dar: Während Acetylcholinesterase-Hemmer für die Behandlung von Alzheimer-Symptomen mit etwa 20 bis 30 Euro pro Monat zu Buche schlagen, liegt Lecanemab aktuell fast beim Hundertfachen. Seit dem 1. September 2025 ist Lecanemab, auch bekannt als Leqembi, in Deutschland erhältlich. Das von den Unternehmen Eisai aus Japan und Biogen aus den USA entwickelte Präparat verspricht eine Verzögerung des Krankheitsverlaufs in der frühen Phase, eine Heilung stellen sie jedoch nicht in Aussicht.

