Alte Menschen oft in alarmierendem Pflegezustand

08. Juli 2009, 20:08 Uhr · Quelle: dpa
Hamburg (dpa) - Viele ältere Menschen sind laut einer Studie von Hamburger Rechtsmedizinern vor ihrem Tod in einem teils alarmierenden Pflege- und Gesundheitszustand.

So hatten 3,3 Prozent der mehr als 8500 untersuchten Menschen schwere Druckliegegeschwüre (Dekubitus), wie Prof. Klaus Püschel, der Leiter der Rechtsmedizin am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE), berichtete. Manche waren unterernährt oder hatten ein «desolates» Gebiss. «Viele alte Menschen haben keine Zähne mehr, und sie haben keinen hochwertigen Zahnersatz», sagte Püschel - dabei sei ein gutes Gebiss zum Essen und Sprechen unerlässlich. «Die Situation ist sehr bedrückend, wir müssen eine Menge tun.»

Für die Studie untersuchten die Rechtsmediziner 8518 Tote aus Norddeutschland vor der Einäscherung im Krematorium. Im Schnitt waren sie 81 Jahre alt. 65 Prozent hatten zuletzt in Hamburg gewohnt, 31 Prozent in Schleswig- Holstein und vier Prozent in Niedersachsen. Sie waren zu Hause, in einem Krankenhaus, einem Pflegeheim oder einem Hospiz gestorben.

Die Studie habe gezeigt, dass manche Tote erst nach mehr als drei Tagen entdeckt wurden, berichtete Püschel. «Sie sterben vermehrt einsam und allein, keinesfalls im Schoß der Familie.» Auch viele Wohnungen seien völlig verwahrlost. Im Alter steige die Zahl der Selbstmorde deutlich - etwa wegen schwerer Krankheiten oder Einsamkeit. Kommen ältere Menschen gewaltsam ums Leben, werde dies häufig nicht erkannt, sagte Püschel. «Viele alte Menschen sind sehr zufrieden, aber die nichteigenständigen, von der Öffentlichkeit nicht bewusst wahrgenommenen älteren Menschen stehen zum Teil im tiefen Schatten.»

Etwa die Hälfte der untersuchten Menschen hatte der Studie zufolge Normalgewicht, rund 15 Prozent waren untergewichtig, 35 Prozent eher übergewichtig. Fast sieben Prozent wurden mit einer Magensonde durch die Bauchdecke künstlich ernährt - bei einem Drittel dieser Fälle war die Haut um die Eintrittsstelle entzündet und nicht gut gepflegt. Die Zahl der Knochenbrüche und der künstlichen Knie- oder Hüftgelenke nimmt bei älteren Menschen ebenfalls zu, wie Püschel betonte: «Wir brauchen Ersatzteile, je älter wir werden, und zwar immer mehr.»

Hamburger Rechtsmediziner hatten bereits 1998 in einer Studie schwere Pflegemängel bei älteren Menschen festgestellt. Die Zahlen der beiden Untersuchungen seien allerdings nicht vergleichbar, hieß es - unter anderem, weil in der jetzigen Studie nur Tote über 60 Jahren untersucht wurden. Dennoch sagte Püschel: «Der allgemeine Trend ist: Es ist besser geworden.» Auch im Vergleich zu anderen Städten in Deutschland stehe Hamburg vergleichsweise gut da. «In anderen deutschen Großstädten sieht es trauriger aus.»

Ärztekammer, Hausärzteverband und Krankenhausgesellschaft in der Hansestadt kündigten an, die Versorgung älterer Menschen zu verbessern. Mit einem bundesweit einzigartigen «Maßnahmenpool» wollen sie gravierende Dekubitalgeschwüre künftig erfassen, verhindern und behandeln - indem etwa Einrichtungen wie Pflegeheimen sogenannte Wundmanager empfohlen werden.

Medizin / Gesellschaft
08.07.2009 · 20:08 Uhr
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