Gerodeter Regenwald regeneriert sich überraschend schnell
Etwa die Hälfte der ursprünglichen Regenwälder ist abgeholzt und womöglich für sehr lange Zeit verloren – so schien bislang der Stand der Dinge. Kakaoplantagen und Weideflächen lassen nun einmal keine besondere Artenvielfalt zu, ihre Renaturierung ist komplex und zeitintensiv. Eine neue Studie der Technischen Universität Darmstadt liefert neue Nachrichten, die deutlich hoffnungsvoller stimmen. Die Forscher beobachteten live die Regenerierung verschiedenster Landwirtschaftsflächen und stellten fest: Die Natur ist bereit, ihren Platz zurückzuerobern.

Versuchsfeld: ein Schutzgebiet mit verschiedensten Zuständen
Kein anderes Landökosystem unseres Planeten nimmt es mit dem tropischen Regenwald auf: Rund drei Viertel aller unserer Baumarten sind dort angesiedelt, dazu zwei Drittel der Wirbeltierarten. Doch die Fläche ist über die Jahrzehnte schon enorm geschrumpft, während gleichzeitig Bemühungen zur Renaturierung laufen. Die Umweltorganisation Jocotoco erwarb in der Region Chocó in Ecuador eine Landfläche, die aus Regenwaldgebiet, Sekundärwäldern, Plantagen und Weideflächen besteht, um alles zusammen in ein Schutzgebiet einzubinden. Sämtliche Zustände von Regenwald und ehemaligem Regenwald sind hier enthalten: ein El Dorado für die Darmstädter Forscher, die wissen wollten, wie lange gerodete Regenwaldflächen sich nach der landwirtschaftlichen Nutzung erholen.
Nach 30 Jahren hat sich die Artenvielfalt fast komplett erholt
Die Überraschung: Schon nach 30 Jahren lag die Artenvielfalt bei 90 Prozent des Vorzustandes! Allerdings nur dann, wenn sich die betreffende Fläche in der Nähe aktiver Urwälder befindet, von wo aus zuerst mobile Tiere zurückkehren und dabei Pflanzensamen verteilen. Wirbellose Tiere brauchen zuerst ihre Laubverstecke am Boden, sie sind deshalb weniger mobil und folgen Affe, Vogel und Co. erst später. Kakaoplantagen bieten bessere Ausgangsbedingungen als reine Weideflächen ohne Schatten oder Laub. Aber auch die Rinderweiden sind schneller neu besiedelt als gedacht. Riesige Urwaldbäume lassen natürlich noch auf sich warten, sie brauchen Zeit zum Wachsen. Das Ökosystem funktioniert auch schon, bevor sie ihre volle Wuchshöhe erreichen.
Die Forscher sprechen sich für den umfassenden Schutz noch bestehenden Regenwaldes aus. Er ist der Same, aus dem die Renaturierung erwächst.
Quelle: tu-darmstadt.de

