Polizeieinsatz

16-Jähriger erschossen: Ermittlungen werden ausgeweitet

01. September 2022, 21:23 Uhr · Quelle: dpa
In Dortmund wird ein Jugendlicher von der Polizei erschossen. Nun ist ein Bericht mit Ermittlungsdetails bekanntgeworden, der einige Fragen aufwirft. Gegen den Schützen wird nun sogar der Vorwurf des Totschlags geprüft.

Dortmund (dpa) - Nach den tödlichen Polizeischüssen aus einer Maschinenpistole auf einen Jugendlichen in Dortmund wird gegen vier weitere am Einsatz beteiligte Beamte ermittelt.

Gegen den Schützen selbst, der sechs Kugeln aus einer Maschinenpistole abgefeuert hatte, werde inzwischen auch der Verdacht des Totschlags geprüft. Offiziell werde derzeit aber weiter wegen des Verdachts der Körperverletzung mit Todesfolge gegen ihn ermittelt. Das geht aus einem Bericht des Innenministeriums an den Landtag hervor, der der Deutschen Presse-Agentur vorliegt.

Bei den vier weiteren Beamten, gegen die nun ermittelt wird, handele es sich um alle, die während des umstritten Einsatzes Waffen oder andere Einsatzmittel gegen den Jugendlichen eingesetzt haben.

Die neuen Ermittlungen wegen Körperverletzung im Amt richten sich gegen eine Polizeibeamtin, die Pfefferspray eingesetzt hat sowie gegen eine Polizistin und einen Polizisten, die mit Tasern geschossen hatten. Außerdem gegen den Einsatzleiter wegen Anstiftung zur Körperverletzung. Er hatte den Einsatz von Pfefferspray und Tasern angeordnet. Neu ist auch, dass zwölf Beamtinnen und Beamte an dem Einsatz beteiligt waren, darunter vier in Zivil. Bisher ging man von elf Einsatzkräften aus.

Der Dortmunder Polizeipräsident teilte am Abend mit, dass gegen alle Beamte, gegen die strafrechtlich ermittelt werde, auch Disziplinarverfahren eingeleitet worden seien. Ein Beamter sei vom Dienst suspendiert worden, vier weitere seien versetzt worden. Für die fünf Beamten gelte weiter die Unschuldsvermutung, hieß es.

Pfefferspray als Reaktion auf Suizidversuch

Die Polizei war am 8. August zum Innenhof einer Jugendhilfeeinrichtung im Dortmunder Norden gerufen worden, in dem sich der 16-Jährige ein 15 bis 20 Zentimeter langes Messer an den Bauch hielt. Der Einsatz lief zunächst als Suizidversuch. Der unbegleitete minderjährige Flüchtling aus dem Senegal war im April nach Deutschland und erst Tage vor dem Einsatz nach Dortmund gekommen und soll nicht gut Deutsch gesprochen haben.

Der Jugendliche habe zunächst auf dem Boden gehockt und das Messer gegen sich selbst gerichtet. Erst als er mit Pfefferspray besprüht wurde, sei er aufgesprungen und habe sich auf die Polizisten zubewegt. Dann seien die Taser zum Einsatz gekommen, aber wirkungslos geblieben.

Gab es einen Messerangriff?

Während es bislang hieß, der Jugendliche habe sich danach weiter auf die Polizisten zubewegt, bevor die tödlichen Schüsse fielen, heißt es nun im neuen Bericht, dies sei wegen unterschiedlicher Zeugenaussagen nicht abschließend geklärt. Auch sei nicht geklärt, wie er das Messer führte, bevor geschossen wurde.

Der Polizist schoss mit seiner Maschinenpistole sechs Mal. Bisher hieß es, dass fünf Schüsse den Jugendlichen im Gesicht, am Unterarm, in den Bauch und zwei Mal in die Schulter trafen. Der Obduktion zufolge wurde er aber viermal getroffen. Eine Kugel habe einen Körperteil durchschlagen und sei in einen weiteren eingedrungen und habe damit zwei Verletzungen verursacht. Der 16-Jährige starb später im Krankenhaus.

Wie aus dem Bericht an den Landtag hervorgeht, hatten die Beamten den Jugendlichen aus dem Senegal auf Deutsch und Spanisch angesprochen. Offenbar hatten sie ihm aber nicht gesagt, dass er das Messer weglegen soll, so der Bericht.

Wie es weiter heißt, hatten beide Taser-Schüsse nicht gewirkt. Der erste traf nicht richtig, der zweite hatte den Jugendlichen unter anderem am Glied getroffen, sei vermutlich schmerzhaft gewesen, habe aber nicht zur erhofften kurzzeitigen Körperstarre geführt.

Bodycams waren nicht eingeschaltet

Mehrere Punkte des Einsatzes hatten für Kritik gesorgt. Dabei ging es etwa um die Tatsache, dass die Bodycams der Polizisten nicht eingeschaltet waren. Eine Überprüfung ergab, dass sich auf ihnen keine Aufnahmen befunden hätten. Zudem werte das Bundeskriminalamt noch den Notruf aus.

Der tödliche Polizeieinsatz hatte für Bestürzung gesorgt. In Dortmund kam es zu Demonstrationen des linken Spektrums und der afrikanischen Community. Laut Staatsanwaltschaft gibt es aber keine Hinweise, dass die schwarze Hautfarbe des Jugendlichen bei dem Einsatz eine Rolle gespielt hätte.

NRW-Innenminister Reul: «Neue Lage»

NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) sieht nach der Ausweitung der Ermittlungen «eine neue Lage». Das zeige aber auch, dass in dem Fall genau hingeschaut werde, sagte Reul am Donnerstag. Er betonte, dass es sich bei allen Verfahren um einen Anfangsverdacht handele.

«Durch diesen Bericht sind jetzt zahlreiche neue Details ans Licht gekommen. Damit ergibt sich eine neue Lage in diesem ohnehin schon dramatischen Fall», kommentierte die innenpolitische Sprecherin der SPD-Fraktion, Christina Kampmann. Es sei gut, dass eine unabhängige Behörde für Aufklärung sorge.

Kriminalität / Polizei / Maschinenpistole / Jugendlicher / Ermittlungen / Dortmund / Nordrhein-Westfalen / Deutschland
01.09.2022 · 21:23 Uhr
[12 Kommentare]
Planstadt Xiong'an in China
Peking (dpa) - Angesichts hoher Kosten für Bestattungen schreitet Chinas Regierung gegen eine nunmehr illegale Alternativlösung ein. Eine kürzlich in Kraft getretene Regelung verbietet in der Volksrepublik Wohnungen für die Aufbewahrung von Asche Verstorbener zu nutzen, wie aus der Verordnung für das Bestattungswesen hervorgeht.  Hintergrund sind stark […] (00)
vor 19 Minuten
Johnny Depp, Alice Cooper und Joe Perry werden von einem slowakischen Veranstalter verklagt.
(BANG) - Die Band Hollywood Vampires wird von einem slowakischen Veranstalter verklagt, der behauptet, nach der kurzfristigen Absage eines Konzerts im Jahr 2023 keine Rückerstattung erhalten zu haben. Johnny Depp, Alice Cooper und Joe Perry sehen sich mit einem neuen Rechtsstreit konfrontiert, nachdem ein europäischer Konzertveranstalter eine Klage […] (00)
vor 10 Stunden
Apple iPad Air 3 WLAN landet auf der Vintage-Liste
Apple hat nun auch die WLAN-Version des iPad Air 3 offiziell in seine sogenannte Vintage-Liste aufgenommen. Damit folgt das Tablet den Mobilfunk-Modellen, die diesen Status bereits zuvor erreicht hatten. Das beliebte Gerät feierte vor gut sieben Jahren, im März 2019, seine Markteinführung. Augmented Reality auf dem iPad, Quelle: Patrick […] (00)
vor 11 Stunden
Assassin’s Creed – Xbox Free Play Days und zusätzlich Rabatte im Store
Während der Xbox Free Play Days können vom 2. bis 6. April alle Xbox-Spieler: innen kostenlos auf die folgenden Titel der  Assassin’s Creed -Reihe zugreifen, ohne dass eine Xbox Game Pass-Mitgliedschaft erforderlich ist: Assassin’s Creed Unity Assassin’s Creed Syndicate Assassin’s Creed Origins Assassin’s Creed Odyssey […] (00)
vor 5 Stunden
Histoire TV setzt auf die Arktis
Der Spartensender widmet sich Ende April den geopolitischen Konflikten rund um die Arktis und ergänzt den Abend mit weiteren historischen Dokumentationen. Der Dokumentationssender Histoire TV stellt am Mittwoch, den 29. April, einen Themenabend unter dem Titel «L’Arctique et ses enjeux» ins Programm. Im Mittelpunkt steht die neue Produktion L’Arctique, un territoire sous tension, die um 20: 50 […] (00)
vor 4 Stunden
Bayern München - Manchester United
München (dpa) - Nach der kleinen Sternstunde für die Fußballerinnen des FC Bayern in der Champions League schnappte sich Nationalspielerin Linda Dallmann ein Megafon und heizte in der Münchner Fankurve ausgelassen den eigenen Anhang an. Der deutsche Doublesieger zog vor der Vereinsrekordkulisse von 25.000 Zuschauern in der Königinnenklasse erstmals seit […] (01)
vor 7 Stunden
btc, bitcoin, cryptocurrency, crypto, money, currency, coin, finance, mining, payment
Ein bekannter Krypto-Analyst zieht Parallelen zwischen der aktuellen Marktsituation von Cardano und den frühen Jahren von Bitcoin. Während einige Cardano als kämpfenden Altcoin betrachten, der weit von seinen Glanzzeiten entfernt ist, sehen andere in der aktuellen Marktlage Parallelen zu den frühen Phasen großer Ausbrüche in früheren Zyklen. Der Krypto-Analyst Crypto Patel, […] (00)
vor 33 Minuten
Wenn der Vorplatz zum Showroom wird
Sinsheim, 02.04.2026 (lifePR) - Wenn sich am ersten Sonntag im Monat von 9 bis 14 Uhr der Vorplatz des Technik Museum Speyer mit automobilen Raritäten füllt, ist wieder Benzingespräch-Zeit. Von April bis September 2026 (ausgenommen Mai) lädt das Museum zum beliebten Treffpunkt für Old- und Youngtimerfans ein – im Jubiläumsjahr erstmals mit zusätzlichen […] (00)
vor 10 Stunden
 
Jacques Tilly
Düsseldorf/Moskau (dpa) - Karnevalswagenbauer Jacques Tilly hat mit bissigem Spott […] (13)
Frauen-Union (Archiv)
Hannover - Die Frauen Union in Niedersachsen zeigt sich alarmiert über einen […] (00)
Büroflächen zu vermieten (Archiv)
Berlin - Die Bundesregierung plant keine Regulierung von Gewerbemieten. Das geht aus […] (00)
Julia Klöckner (Archiv)
Berlin - Bundestagspräsidentin Julia Klöckner (CDU) wird vom 8. bis 10. April Estland […] (00)
Ed Stafford wird Host von «7 vs. Wild»
Für die sechste Staffel und die neue Wildcard-Ausgabe holt sich Prime Video eine internationale […] (00)
Capcom – Vier Klassiker erscheinen heute auf Steam
Macht euch bereit, drei wegweisende Survival-Horror-Klassiker zu erleben:   Resident […] (00)
Noah Schnapp ist offenbar von seiner Aussage über eine neue Beziehung zurückgerudert.
(BANG) - Noah Schnapp ist offenbar von seiner Aussage über eine neue Beziehung […] (00)
Die digitale Landschaft und ihre Herausforderungen Da die globale Wirtschaft […] (00)
 
 
Suchbegriff