Legendäre Tanz-Truppe

100 Jahre Showtanzgruppe «Rockettes» - noch zeitgemäß?

19. Mai 2025, 08:51 Uhr · Quelle: dpa
Die «Rockettes» gehören zu New York wie die Freiheitsstatue und werden jetzt 100 Jahre alt. Die Tanztruppe ist vor allem für synchron geschwungene Beine berühmt. Warum fasziniert das nach wie vor?

New York (dpa) - Die ersten jungen Frauen kommen schon bei Sonnenaufgang, und dann scheint die Schlange vor der berühmten New Yorker Radio City Music Hall den ganzen Tag über nicht kürzer zu werden. «Audition today to join the Rockettes» steht auf dem Schild über ihren Köpfen - tanze heute vor, um Teil der «Rockettes» zu werden. 

Das alljährliche Vortanzen steht fest im Kalender von angehenden Tänzerinnen weltweit. 2024 waren mehr als 800 aus 24 Ländern gekommen, in diesem Jahr sogar mehr als 1.000. Sie alle hoffen auf einen der rund ein Dutzend Plätze in der legendären und ausschließlich weiblichen Tanztruppe, die in diesem Jahr ihren 100. Geburtstag feiert.

Gegründet 1925 als «Missouri Rockets»

Irgendwann im Jahr 1925 sei das Ensemble gegründet worden, heißt es vom Sprecherteam, damals noch in St. Louis als «Missouri Rockets». Seit den 1930er Jahren tritt die Truppe in der Radio City Music Hall in Manhattan auf, vor allem mit einer Weihnachtsshow, die bislang von mehr als 70 Millionen Zuschauern gesehen wurde - und auch bei Touristen nach wie vor sehr beliebt ist. Berühmt sind die «Rockettes» vor allem dafür, dass sie ihre Beine minutenlang immer wieder synchron bis auf Augenhöhe schwingen, die sogenannte Kickline.

«Es ist so verrückt, hier zu sein», sagt die 21-jährige Madelynn, die wie fast alle in eng anliegendem Tanz-Outfit, stark geschminkt und mit fest nach hinten gebundenen Haaren in der Schlange steht. Die US-Amerikanerin ist erst vor wenigen Monaten nach New York gezogen. «Ich bin damit aufgewachsen, die Rockettes im Fernsehen tanzen zu sehen - und jetzt hier sein zu können und für etwas vortanzen zu können, zu dem man immer aufgeschaut hat, das ist Wahnsinn.»

«Alles ziemlich aufregend»

Sie tanze seit 13 Jahren, sagt die 20-jährige Laura aus dem US-Bundesstaat West Virginia, die vor einigen Monaten nach New York gezogen ist. «Ich bin hier für die Erfahrung. So viele Familienmitglieder und Freunde haben mir immer wieder gesagt, dass ich eine Rockette sein sollte - und irgendwann habe ich dann gedacht: warum eigentlich nicht? Ich setze mich nicht unter Druck, aber zu wissen, dass es das 100. Jahr ist, das ist schon alles ziemlich aufregend.»

Das Vortanzen verlangt viel ab: Innerhalb kürzester Zeit müssen die Frauen sich dehnen und aufwärmen, dann eine kurze Choreographie einstudieren - natürlich mit Beine-Schwingen - und diese dann vor einer Jury vortanzen. Für die meisten Vortänzerinnen ist es dann schon wieder vorbei. Viele der Abgelehnten aber probieren es im kommenden Jahr erneut.

Aus dem Friedrichstadtpalast in die Radio City Music Hall

Sie habe schon fünf Jahre lang im Berliner Friedrichstadtpalast getanzt, sagt eine in London geborene junge Frau, die anonym bleiben will. «Ich habe es geliebt, dort zu tanzen, denn Frauen werden dort wirklich gefeiert und es war sehr bewegend, ein Teil davon zu sein. Die Rockettes sehe ich jetzt als nächsten Schritt nach vorne - in einer anderen legendären Stadt, einem anderen legendären Theater und einem anderen legendären Ensemble.» 

Wie sie die Kicklines durchhalte? «Man muss immer denken: Hoch, hoch, hoch! Die Augen hochhalten, damit die Füße höher gehen. Und man bekommt so viel Stärke dadurch, dass man mit anderen Frauen und Freundinnen zusammen ist und sich festhält. Das ist überhaupt eine wunderbare Metapher für so viele Dinge im Leben - zusammen ist man stärker und besser.»

Tradition und «Sisterhood»

Das sei auch eine Erklärung für die anhaltende Anziehungskraft der «Rockettes», vermutet die Tänzerin. Schließlich haben sich Kultur, Entertainment und Geschlechterbilder weltweit im vergangenen Jahrhundert radikal verändert - und knapp bekleidete Beine schwingende junge Frauen scheinen da auf den ersten Blick nicht mehr wirklich zeitgemäß zu sein. «Es ist großartig, wenn es Dinge aus der Vergangenheit gibt, die wir in die Zukunft bringen können, und dabei jede so sein lassen können, wie sie sein will.»

Auch viele andere Vortänzerinnen schwärmen von der Tradition und der «Sisterhood», also der Schwesternschaft und dem festen Frauen-Bund, bei den «Rockettes». «All diese Frauen, die schon Rockettes waren in 100 Jahren und wie unterschiedlich sie alle waren - das ist einfach cool und inspirierend», sagt Laura. «Manche Leute sagen, alles müsste jetzt ein bisschen liberaler sein, aber ich finde das cool so», ergänzt ihre Vortanz-Kollegin Madelynn. «Starke, aber auch traditionelle Frauen, gemeinsam bei den Rockettes. So etwas gibt es nicht mehr so oft.»

Gesellschaft / Tanz / Geschichte / USA
19.05.2025 · 08:51 Uhr
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