Analyse: Wenig Spenden für Pakistan

16. August 2010, 21:40 Uhr · Quelle: dpa

Köln (dpa) - Lässt das Leid in Pakistan die Deutschen kalt? Von der sonst großen und verlässlichen Spendenbereitschaft ist diesmal noch wenig zu sehen. «Nach ersten groben Schätzungen sind bisher ein bis zwei Millionen Euro für die Opfer in Pakistan gespendet worden.

Beim Tsunami 2004 waren da schon dreistellige Millionensummen zusammengekommen, ähnlich war es in Haiti», sagt Burkhard Wilke, Geschäftsführer des Deutschen Zentralinstituts für soziale Fragen (DZI), der Nachrichtenagentur dpa.

Verunsicherung spielt eine Rolle. Pakistan werde von vielen auch mit Terror, Taliban, Islamisten und Korruption verbunden, meinen Wilke und viele Hilfsorganisationen. «Wenn es Spendern auf den ersten Blick schwerfällt, Gut und Böse in einem Land zu unterscheiden, ist es grundsätzlich auch schwieriger mit der Spendenbereitschaft. Leichter ist es immer, wenn es sich um politisch unbelastete Gebiete handelt», sagt Wilke. Bei Unicef in Köln wird von wenigen Einzelstimmen gesprochen, die auf Vorurteile und Ablehnung hinweisen. «Ich helfe keinem Muslim», heißt es da einmal.

«Pakistan hat ein schwieriges Image», sagt Birte Steigert vom Bündnis Aktion Deutschland Hilft - kurz ADH. «Es gibt eben auch Leute, die sagen: "Für Pakistan keinen Cent". In den meisten Fällen bestehen aber Ängste und Sorgen, dass die Gelder in Pakistan nicht bei den Notleidenden ankommen, sondern in die Hände von Taliban oder korrupter Regierung gelangen.»

Bisher gingen beim ADH 600 000 Euro ein, beim Erdbeben in Haiti waren es zum gleichen Zeitpunkt 1,4 Millionen Euro. «Das reicht bei 20 Millionen Opfern natürlich hinten und vorne nicht, auch wenn es allmählich etwas besser wird. Die Deutschen sind sonst ganz große Spender», meint Steigert und hofft auf Zuwachs - auch die Ferienzeit geht schließlich zu Ende. Andere Organisationen wie Help oder Care befürchten ebenfalls, dass bei Pakistan viele an Terror und Gewalt denken und dass das die spontane Hilfsbereitschaft schmälert.

Erstaunlich wirkt aber, dass die Spendenbereitschaft beim Erdbeben in Pakistan 2005 riesig war. «Es muss also noch andere Gründe geben. Wir haben es diesmal mit einer schleichenden Katastrophe zu tun. Die Ausmaße und die Dramatik werden erst allmählich deutlich und damit auch darstellbar und bebilderbar», sagt Steigert. Ein Erdbeben mit vielen Toten auf einen Schlag gehe sofort unter die Haut und löse Mitgefühl aus, glaubt die Sprecherin des ADH, dem zehn Hilfsorganisationen wie Care, Malteser oder World Vision angehören.

Auch Wilke meint, es könne an vergleichsweise wenig eindringlich wirkenden Bildern liegen: «Private Spenden sind an das Gefühl der persönlichen Betroffenheit geknüpft, dafür braucht man Berichte und Bilder, die aufrütteln», betont der DZI-Geschäftsführer. «Beim Tsunami waren die Bilder ungewöhnlicher und aufrüttelnder. Und so tragisch es klingt: Hohe Zahlen von Todesopfern schockieren mehr als Bilder von Überlebenden aus Überschwemmungsgebieten, auch wenn gerade diese ja die Hilfe dringend brauchen.»

Laut den Vereinten Nationen die Katastrophe noch größer als das Beben in Haiti oder der Tsunami 2004. Die nationale Katastrophenschutzbehörde zählte bisher 1463 Tote und 2024 Verletzte. Rund 20 Millionen Menschen sind obdachlos - jeder achte Einwohner Pakistans.

Doch wenn nur wenig Spenden eingehen, könnte weitere Not- und Überlebenshilfe gefährdet sein, befürchten die Hilfsorganisationen.

Auch die Deutsche Welthungerhilfe ist in Sorge und ruft eindringlich zu Spenden auf. Erst 250 000 Euro sind zusammengekommen - viel zu wenig, wie Präsidentin Bärbel Dieckmann beklagt. Es sei eine «humanitäre Pflicht, Pakistan zu helfen», appelliert sie in der «Berliner Zeitung» und macht deutlich: «Die meisten Opfer haben keine Häuser mehr, keinen Acker, keine Lebensgrundlage. Jetzt drohen Krankheiten und Seuchen.»

Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zeigt Anteilnahme, ihr neuer Sprecher Steffen Seibert bedauert, dass die Spendenbereitschaft noch nicht so groß sei.

Zwar ist die Soforthilfe längst angelaufen, aber: «Es geht jetzt darum, diese Hilfe auszuweiten, da sind wir dringend auf mehr Spenden angewiesen. Allein 2,7 Millionen Mädchen und Jungen brauchen schnelle Hilfe zum Überleben, Zelte, sauberes Trinkwasser», betont Unicef- Sprecherin Helga Kuhn.

Nach ersten Schätzungen gingen nach einem schleppenden Start beim UN-Kinderhilfswerk in Deutschland nun gut 600 000 Euro ein. «Da kommt noch was», hofft Kuhn. «Wir können nur immer wieder deutlich machen, dass viele unschuldige Opfer dringend Hilfe brauchen und dass die Hilfsgüter - streng überwacht - wirklich und ausschließlich bei den Notleidenden ankommen.»

Wetter / Unwetter / Pakistan
16.08.2010 · 21:40 Uhr
[15 Kommentare]
Iran-Krieg - Libanon
Tel Aviv/Beirut (dpa) - Bei den israelischen Luftangriffen im Libanon sind nach Angaben des libanesischen Gesundheitsministeriums mindestens 182 Menschen getötet worden. Knapp 900 weitere Menschen seien verletzt, hieß es in einer Mitteilung des Ministeriums. Viele Opfer werden noch unter Trümmern vermutet.  Die israelische Luftwaffe hatte in einem […] (00)
vor 1 Stunde
Karol G hat enthüllt, dass ihr geraten wurde, sich nicht gegen die US-Einwanderungsbehörden zu äußern
(BANG) - Karol G hat enthüllt, dass ihr geraten wurde, sich nicht gegen die US-Einwanderungsbehörden zu äußern, da sie sich sonst angeblich Probleme mit ihrem Visum einhandeln könnte. Der kolumbianische Superstar bereitet sich darauf vor, an beiden Sonntagen beim Coachella-Festival in Indio, Kalifornien, als Headliner aufzutreten. Neben ihr gehören auch […] (00)
vor 5 Stunden
Teufel MOTIV GO 2 – Klang, der überall dabei ist – zuhause und unterwegs
Teufel präsentiert den MOTIV GO 2, die aktualisierte Neuauflage des stylischen, portablen Bluetooth-Stereo-Speakers, der kraftvollen Sound mit alltagstauglicher Robustheit verbindet. Zwei präzise Vollbereichstreiber und zwei passive Bassmembranen sorgen für lebendigen, druckvollen Stereo-Klang. Mit Teufel Dynamore entsteht ein beeindruckend weites […] (00)
vor 4 Stunden
Warum Benzin in Deutschland so teuer ist – und wie sich der Preis wirklich zusammensetzt
Wer aktuell an die Tankstelle fährt, kennt das Gefühl: Der Blick auf die Zapfsäule sorgt oft für Stirnrunzeln. Preise von rund zwei Euro pro Liter sind längst keine Seltenheit mehr. Viele fragen sich deshalb völlig zurecht: Warum ist Benzin eigentlich so teuer – und wer verdient daran wirklich? Die Antwort darauf ist deutlich komplexer, als es auf den […] (01)
vor 4 Stunden
Paramount bestätigt Rückzug von Jeff Shell nach Vorwürfen
Der Präsident von Paramount zieht sich im Zuge eines Rechtsstreits aus seinen Ämtern zurück. Beim Medienkonzern Paramount kommt es zu einem personellen Einschnitt: Jeff Shell wird seine Funktionen als Präsident sowie als Mitglied des Verwaltungsrats niederlegen. Hintergrund ist eine zivilrechtliche Klage, in der ihm Verstöße gegen Offenlegungspflichten der US-Börsenaufsicht vorgeworfen werden. […] (00)
vor 4 Stunden
FC Barcelona - Atlético Madrid
Barcelona/Paris (dpa) - Hansi Flick droht mit dem FC Barcelona das Aus in der Champions League, auch der FC Liverpool mit Florian Wirtz steht nach dem nächsten Rückschlag vor dem K.o. im Viertelfinale. Nach langer Unterzahl unterlag Barça im Hinspiel Atlético Madrid mit 0: 2 (0: 1). Liverpool verlor bei Titelverteidiger Paris Saint-Germain ebenfalls mit […] (01)
vor 50 Minuten
stock, chart, apple, bitcoin, investing, trading, crypto, block chain, vpn, euro
Argentinische Behörden überprüfen Telefonprotokolle, die mit Präsident Javier Milei in Verbindung stehen, im Rahmen einer laufenden Untersuchung des LIBRA-Tokens. Diese Protokolle sind zentral für die Ermittlungen und könnten Aufschluss über Mileis Beteiligung bei der Einführung des Projekts geben. Mileis Anrufe mit Novelli Zu den Förderern des LIBRA- […] (00)
vor 40 Minuten
ClickRent-Datenleck: 2,5 Millionen Kunden des Autovermieters betroffen
Lahr, 08.04.2026 (lifePR) - Beim spanischen Autovermieter ClickRent ist es offenbar zu einem massiven Datenschutzvorfall gekommen, der für Millionen Kunden erhebliche Folgen haben kann. Nach Berichten spanischer Medien vom 31. März 2026 und 1. April 2026 sollen rund 2,5 Millionen Datensätze betroffen sein; abgeflossen sein sollen unter anderem Ausweisdokumente, […] (00)
vor 6 Stunden
 
Tankstelle (Archiv)
Berlin - Die drei ostdeutschen Ministerpräsidenten Mario Voigt (Thüringen), Sven […] (05)
Monika Schnitzer (Archiv)
Berlin - Die Vorsitzende des Sachverständigenrats zur Beurteilung der […] (05)
Alexander Schweitzer und Gordon Schnieder (Archiv)
Berlin - Knapp zweieinhalb Wochen nach der Landtagswahl in Rheinland-Pfalz haben CDU […] (00)
Birkenpollen
Offenbach/Augsburg (dpa) - Die Deutschlandkarte ist feuerrot. Nahezu im gesamten Land […] (00)
Adler Mannheim - EHC Red Bull München
Berlin/Mannheim (dpa) - Titelverteidiger Eisbären Berlin ist mit einem spektakulären […] (00)
Meryl Streep
(BANG) - Meryl Streep hat ihre Figur in 'Der Teufel trägt Prada' auf zwei Hollywood- […] (00)
bitcoin, coin, icon, symbol, logo, bitcoin logo, currency, cryptocurrency
Sechs Banken in der Schweiz haben sich zusammengeschlossen, um mögliche […] (00)
QNAP stellt QSW-M7230-2X4F24T L3 Lite 100GbE Managed Switch vor
QNAP Systems, Inc., ein führender Innovator für Computer-, Netzwerk und Speicher- […] (01)
 
 
Suchbegriff