Zu viel Salz schwächt die Immunabwehr
Schon länger ist bekannt, dass ein hoher Kochsalz-Konsum Herz und Kreislauf angreifen. Jetzt berichten Mediziner aus Bonn, dass auch die Immunabwehr durch salzreiche Kost geschwächt werden kann.
Tatsächlich scheint ein hoher Salzkonsum zumindest für das Herz-Kreislauf-System weniger gefährlich zu sein, als bisher angenommen wurde. So erklärt Ernährungsberater und Inhaber der Website HappyHealthy.de, Richard Hartmann, dass bei erhöhtem Blutdruck vor allem die Kaliumaufnahme eine wichtige Rolle spielt. Dennoch sollte deshalb nicht unbedingt mehr Salz konsumiert werden. Denn eine Studie des Universitätsklinikums Bonn zeigt jetzt, dass ein übermäßiger Kochsalzkonsum die Immunabwehr bei bakteriellen Infektionen schwächen kann.
Denn damit das überschüssige Salz über den Urin ausgeschieden werden kann, wird die Produktion eines Hormons herabgefahren, welches an der Regulation des Wasserhaushaltes beteiligt ist. Aus diesem Grund kommt es zu einem Anstieg an Kortikosteroidhormonen, wodurch die Aktivität der Immunzellen gehemmt und bakterielle Infektionserreger nicht mehr effektiv bekämpft werden. Versuchsreihen mit Mäusen zeigten, dass sich Erreger von Harnwegsinfektionen ebenso wie andere Bakterien schneller vermehrten, wenn das Futter der Tiere mit Kochsalz versetzt war. Auch Versuchspersonen, deren Salzkonsum für eine Woche erhöht wurden, wiesen im Labortest eine geringere Abwehrkraft von Immunzellen gegen Bakterien auf, berichten die Wissenschaftler im Fachblatt „Science Translational Medicine“.
Erhöhte Salzaufnahme verschlimmert Harnwegsinfektionen
In dem Experiment, in dem den gesunden Testpersonen täglich eine Extraportion von sechs Gramm Kochsalz verabreicht wurde (entspricht ungefähr dem Salzgehalt von zwei Portionen Pommes), zeigte sich in der anschließenden Blutuntersuchung der Probanden, dass diese einen erhöhten Spiegel an Kortikosteroidhormonen aufwiesen. Auch eine verringerte Aktivität der Granulozyten, die bei der Bekämpfung von E. coli eine Rolle spielen, wurde im Labortest nachgewiesen. Inwiefern diese Ergebnisse von klinischer Bedeutung sind, müsse nun Studien mit Patienten getestet werden, welche von Harnwegsinfektionen oder weiteren Infektionen betroffen sind. Besonders interessant wäre, ob ein Zusammenhang zwischen den üblichen Essgewohnheiten eines Erkrankten und dem Verlauf seiner Infektion besteht.
Christian Kurts vom Universitätsklinikum Bonn betrachtet die Studie als vollen Erfolg: „Wir konnten erstmals zeigen, dass übermäßiger Salzkonsum einen wichtigen Teil des Immunsystems schwächt“, so der Wissenschaftler. Denn bisher wurde davon ausgegangen, dass der hohe Salzgehalt vieler Speisen in Europa eine eher entzündungsfördernde Wirkung hat. Dieser Irrtum könnte auf lange Sicht die Entwicklung von Autoimmunerkrankungen und überschießende Immunreaktionen begünstigen.


