Zinsen im Fokus: USA und Europa in unterschiedlichen Fahrwassern
Die jüngsten Entwicklungen der Zinspolitik in den USA und Europa legen einmal mehr den Finger auf die volatilitätsanfälligen Kapitalmärkte. In den Vereinigten Staaten entzündete die kürzliche Rede von Fed-Chef Jerome Powell auf der Notenbankkonferenz in Jackson Hole rege Spekulationen über eine bevorstehende Zinssenkung. Powell betonte Risiken, die der Arbeitsmarkt für die amerikanische Wirtschaft bereithält. Die Folge: ein starker Anstieg der US-Anleihekurse, begleitet von einem Rückgang der Renditen von 4,35 auf 4,20 Prozent für zehnjährige Treasurys. Diese Entwicklungen wurden jedoch durch die Entlassung von Lisa Cook aus dem Fed-Direktorium durch Präsident Trump kurzzeitig ins Wanken gebracht, was die Sorgen um die Unabhängigkeit der US-Notenbank neu entfachte.
Die Marktbeobachter richten ihr Augenmerk nun auf den Arbeitsmarktbericht für August, dessen Veröffentlichung am kommenden Freitag erwartet wird. Der Bericht gilt als potenzieller Stolperstein für die Fed, die am 17. September über eine Zinssenkung entscheiden könnte. Analysten wie Elmar Völker sehen eine fundierte Abmilderung der schwachen Arbeitsmarktdaten aus dem Juli als ausschlaggebend, um die Fed zur Rate und einer möglichen Leitzinssenkung um 0,25 Prozentpunkte zu bewegen. Fed-Gouverneur Christopher Waller deutet an, dass bei weiterer wirtschaftlicher Eintrübung auch größere Zinsschritte nicht ausgeschlossen sind.
In Frankreich herrscht hingegen Unruhe auf den Rentenmärkten. Politische Unsicherheiten, angefacht durch die bevorstehende Vertrauensabstimmung des Premierministers Bayrou, haben die Risikoaufschläge französischer Anleihen erhöht. Diese Dynamik trieb die Renditen von 3,41 auf 3,54 Prozent, während deutsche Bundesanleihen von erhöhter Nachfrage nach Sicherheit profitierten, was deren Renditen auf 2,71 Prozent sinken ließ.
Besondere Aufmerksamkeit im Unternehmensanleihesegment fanden die Anleihen der Karlsberg Brauerei und LR Health & Beauty, die aufgrund wirtschaftlicher Herausforderungen deutliche Kursverluste hinnehmen mussten. E.ON hingegen nutzt den Aufschwung am Primärmarkt und sichert sich durch zwei neue Anleihen frisches Kapital. Der Markt zeigt insgesamt positive Reaktionen und setzt auf eine Erholung des Anleihehandels mit dem Ende der Sommerpause.

