Ziele festlegen, Probleme erkennen und ausräumen: Projektplanung
Die Duale Hochschule Baden-Württemberg beschreibt den Paradigmenwechsel in der IT-Engineering-Branche mit den folgenden Worten: Die Zeiten der Tüftler sind in einer globalisierten Welt, in der die Aufgaben immer komplexer werden, vorbei. Benötigt werden stattdessen weltoffene, kommunikative Macher, die sich im Team beweisen können. Mit den neuen Anforderungen an die in diesem Zweig Tätigen hat sich auch die Projektplanung gewandelt. Ging es in früheren Tagen vor allem darum, so schnell wie möglich Lösungen zu finden, ist es heute wichtig, dauerhafte, tragfähige Antworten anzubieten. Der "Scrum-Ansatz" in der Projektplanung rückt in den Mittelpunkt.
Über den "Scrum-Ansatz"
Scrum bedeutet zu Deutsch eigentlich "Gedränge" und ist eine Vorgehensweise aus der Verfahrenstechnik, die sich auf die Projektplanung übertragen lässt. Das Konzept fußt auf der Erkenntnis, dass moderne Projekte zumeist so kompliziert, vielschichtig und langwierig geworden sind, dass es eigentlich nicht mehr möglich ist, diese vom Anfang bis zum Ende mit vergleichbar seriösen Einschätzungen zu planen. Eine Reduktion auf wesentliche Prinzipien in der Projektplanung ist deshalb notwendig, um effizient zu arbeiten. Nach dem Ansatz von Scrum gibt es davon drei: Transparenz, Überprüfung und Anpassung. Diese fußen allerdings auf einer Zielbeschreibung oder "Vision".
Die Zielbeschreibung oder "Vision" und die Umsetzung
Die Zielbeschreibung wird in der angelsächsischen Fachliteratur, die den Scrum-Ansatz erschaffen hat, auch immer wieder als Vision bezeichnet. Zu Beginn eines Projekts geht es demnach darum, ein Ergebnis zu beschreiben, das schnell, kostengünstig und qualitativ hochwertig gefertigt werden kann. Anders als bei sonstigen Projektplanung wird in der Visionsphase allerdings keine Liste mit möglichst vielen Anforderungen an das neue Produkt niedergeschrieben. Stattdessen werden "User Stories" erstellt: Darunter sind Funktionalitäten zu verstehen, die für den Anwender besonders nützlich sind. In der Software-Entwicklung werden diese Funktionalitäten anschließend in zwei bis vier Wochen langen "Sprints" umgesetzt. Geht es nicht um eine Software-Entwicklung, so können die Zeiträume auch anders gewählt werden. Die Arbeitsweise bei Scrum wiederholt sich so und erfolgt schrittweise ("iterativ und inkrementell"). Sie endet vorläufig mit der Auslieferung bzw. Übergabe des Produkts.
Transparenz, Überprüfung, Anpassung
Während der Arbeit an dem Projekt werden alle "Sprints" transparent analysiert. Dies meint nicht, dass jeder Mitarbeiter versteht, welche Aufgaben derzeit genau zu bewältigen sind. Stattdessen werden täglich alle Fortschritte und insbesondere Hindernisse schriftlich fixiert und so zur Verfügung gestellt, dass sie von jedem Mitglied des Projektteams eingesehen werden können. Projektleiter sind angehalten, diese Einsicht ihren Mitarbeitern nicht nur anzubieten, sondern sie zu motivieren, sich jeden Tag aufs Neue mit den aufgetretenen Problemen zu beschäftigen. Immer wieder werden zudem alle erarbeiten Feature getestet. Dies gilt auch für die Arbeitsergebnisse älterer Sprints, die sich durch die neu hinzugekommenen Funktionen verändert haben könnten. Zu guter Letzt wird das Produkt an die sich verändernden Anforderungen angepasst. Dies bedeutet, mit der Auslieferung beginnt bereits die Arbeit an einer Update-Version, denn nur im täglichen Betrieb lernen die Projektteams, welche ihrer Ideen funktioniert, welche dies nicht tun und wo sie bislang "weiße Flecken" in ihren Überlegungen hatten, die noch gefüllt werden müssen.
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