Zalando schließt Erfurter Logistikzentrum: Aufbruch oder Abbruch?
Der Berliner Mode-Versandhändler Zalando zieht einen Schlussstrich unter sein Logistikzentrum in Erfurt, das zum Ende des Monats seine Pforten schließen wird. Diese Entscheidung betrifft 2.700 Mitarbeitende, die derzeit über die neuen Entwicklungen informiert werden. Der Schritt ist Teil einer strategischen Neuausrichtung des Unternehmens nach der Akquisition von About You im letzten Jahr und markiert das Ende der Tochtergesellschaft, die diesen Standort betreibt. Bis zur endgültigen Schließung bleibt der Betrieb jedoch unverändert.
Im Vordergrund stehen nun die Gespräche mit dem Betriebsrat, um einen fairen Interessenausgleich und Sozialplan für die betroffenen Mitarbeitenden zu finden. Ziel dieser Verhandlungen ist es, den Beschäftigten neue Perspektiven zu bieten. Dazu signalisierte Zalando-Co-Chef David Schröter finanzielle Unterstützung und stellte fest, dass der Konzern bereit sei, einen signifikanten Beitrag zu leisten. Eine Option für die Mitarbeitenden könnte der neue Standort in Gießen sein, der sich derzeit noch im Aufbau befindet.
Die Gewerkschaft Verdi zeigt sich weniger begeistert und schlägt Alarm. Matthias Adorf, Verdi-Gewerkschaftssekretär Handel in Thüringen, kritisiert die Informationspolitik des Unternehmens als verschleiernd und bezeichnet das Vorgehen als strategisch perfide. Er vermutet, dass die Schließungspläne bereits vor dem Weihnachtsgeschäft feststanden, um die Geschäftszahlen nicht zu gefährden. Laut Adorf wurden die Mitarbeitenden bewusst im Unklaren gelassen.
Zalando betreibt derzeit noch große Logistikzentren in Gießen, Lahr im Schwarzwald und Mönchengladbach. Künftig sollen europaweit 14 Logistikzentren in sieben Ländern den Betrieb sicherstellen. Der Standort Erfurt, 2012 mit großem Interesse eröffnet, wird als einstiger Leuchtturmprojekt in Ostdeutschland, nunmehr Geschichte schreiben.

