Investmentweek

Würths Welt – was wir von einem 90-jährigen Patriarchen noch lernen können

06. Mai 2025, 16:00 Uhr · Quelle: InvestmentWeek
Reinhold Würth feiert seinen Geburtstag und zugleich ein Wirtschaftswunder. Was Unternehmer, Manager und Politik aus der Geschichte des „Schraubenkönigs“ mitnehmen sollten – eine Lektion in Haltung, Hunger und Handschlagqualität.

Kein Börsengang, kein Stillstand, keine Ausreden

Reinhold Würth ist 90 – und sein Unternehmen steht da wie eine Festung. 9,4 Milliarden Euro Eigenkapital, 1,5 Milliarden Liquidität, stabile Bonität, 88.000 Mitarbeitende.

Was sich wie die Bilanz eines Konzerns liest, ist das Lebenswerk eines Mannes, der mit einem Handkarren voller Schrauben begann – und nie aufgehört hat, weiterzumachen.

In Künzelsau wurde der Geburtstag zur Wirtschaftsinszenierung. Aber auch zur Mahnung, dass Größe nichts mit Größe zu tun hat – sondern mit Disziplin.

Die Lektion: Leistung muss führen dürfen

Was Würth unterscheidet, ist nicht nur der Erfolg, sondern das Prinzip, mit dem er ihn verteidigt. Führung ist bei Würth keine Visitenkarte, sondern Verpflichtung. Wer dort Verantwortung trägt, hat täglich Leistung abzuliefern.

Zahlen zählen. Dienstwagen sind Bonus, nicht Status. Tanken soll man bitte nach Feierabend. Bei Würth ist das keine Gängelei – sondern Kultur.

Was von außen wie Kontrolle wirkt, ist innen eine präzise justierte Hochleistungsorganisation. Wer dort arbeitet, wird gemessen, aber auch ernst genommen. Es gibt klare Regeln – und klare Worte. Nullkundenjäger, Angriffsmappen, Verkaufsdruck: Ja. Aber auch Dank. Immer wieder Dank. Für Umsatz, für Einsatz, für Haltung. Klingt altmodisch? Funktioniert.

Ein Unternehmen wie ein Uhrwerk

Der Außendienst ist der Herzschlag von Würth. Auch heute, in Zeiten von KI-Routenplanung und digitalem Onlineshop mit 125.000 Produkten. Die Verkäufer sind nicht wegautomatisiert – sie sind ergänzt worden.

Durch Systeme, die helfen, nicht ersetzen. Der Mensch bleibt im Mittelpunkt, nicht weil das in der Imagebroschüre steht, sondern weil er der einzige ist, der verkaufen kann, wenn’s schwierig wird.

Verkaufen – das ist der Fixpunkt dieser Organisation. Kein Euphemismus, sondern täglicher Ernst. Ein Markt ist nie fertig. Ein Kunde nie vollständig bedient. Zellteilung als Geschäftsmodell – so hat es ein Manager einmal beschrieben. Und es stimmt: Wachstum bei Würth ist kein Ziel. Es ist ein Trieb.

Familie, Führung, Verantwortung – und kein Börsengang

Was Reinhold Würth auszeichnet, ist nicht nur das, was er aufgebaut hat. Sondern wie er es vererbt. Würth ist ein Familienunternehmen – in jedem Sinn. Tochter Bettina führt den Beirat.

Ein Gang aufs Parkett würde Milliarden bringen – aber auch Kontrolle abgeben. Für Würth steht fest: Kapital ja, Kapitalmarkt nein.

Die Enkel sitzen in den Kontrollgremien. Und auch wenn Reinhold Würth mit 90 noch täglich ins Büro fährt – die nächste Generation ist längst bereit. Nicht zufällig, sondern geplant.

Der Börsengang? Kein Thema. „Das bringt bloß Unruhe rein“, sagt Würth. Und meint: Kurzfristige Renditeinteressen zerstören langfristige Verantwortung. Deshalb liegt das Unternehmen in Stiftungen. Deshalb wird nicht geerbt, sondern geleistet. Ein Satz wie aus der Zeit gefallen. Und doch aktueller denn je.

Ein Festakt – und doch eine Standortbestimmung für die deutsche Wirtschaft

500 Gäste, Grußworte vom Bundespräsidenten, ein Ständchen von 88.000 Mitarbeitenden per Video – der Festakt war mehr als eine Jubiläumsfeier. Er war ein Statement.

Für Unternehmertum, das nicht ins Silicon Valley schielt, sondern in den Maschinenraum. Für Wachstum, das sich nicht feiern lässt, sondern verdient werden muss.

Während die Welt rauer wird und Märkte unberechenbarer, zeigt Würth: Resilienz ist keine Technik – sondern ein Charakterzug. Die Welt ändert sich. Würth auch. Aber das Prinzip bleibt: Machen statt Managen.

Ein Patriarch, der loslässt – und weiter anpackt

Der vielleicht bewegendste Moment des Abends kam leise. Als Reinhold Würth seinem Enkel durch die Haare strich. Als er sagte:

„Ich möchte Ihnen die Sicherheit mitgeben, dass Sie den Herrschaften meiner Jugend vertrauen können.“

Ein Satz, der mehr über Nachfolge sagt als jeder Managementratgeber. Und der zeigt, dass der Unternehmer auch das kann, was viele scheuen: abgeben.

Aber ganz geht er nicht. Er schwimmt morgens, geht dann ins Büro. Und antwortet auf SMS – zwei Tage lang. 189.000 Briefe hat er bis heute diktiert. Nummeriert. Dokumentiert. Was bleibt, ist mehr als ein Unternehmen. Es ist ein Vermächtnis. Und eine Erinnerung daran, dass Erfolg selten bequem ist. Und immer verdient werden muss.

Finanzen / Unternehmen
[InvestmentWeek] · 06.05.2025 · 16:00 Uhr
[0 Kommentare]
Alibaba-Aktie im Fokus: Wird das chinesische Technologie-Schwergewicht zum Comeback-Kandidaten?
Das chinesische Tech-Imperium unter Druck Alibaba steht als einer der weltgrößten E-Commerce- und Cloud-Computing-Konzerne vor einer kritischen Phase. Die Aktie des chinesischen Giganten hat in den vergangenen Monaten erhebliche Kursverluste erlitten, was Investoren verunsichert und Fragen zur langfristigen Rentabilität aufwirft. Die Gründe für diese […] (00)
vor 33 Minuten
Fahrradergometer für Belastungs-EKG (Archiv)
München - Deutschlands wohl bekanntester Sportmediziner Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt denkt auch im hohen Alter nicht ans Aufhören. "Ich arbeite so lange, bis mir der Himmel signalisiert: Es ist genug", sagte der langjährige Teamarzt des FC Bayern München dem "Spiegel". Im Sommer wird er 84 Jahre alt. Über Jahrzehnte behandelte Müller-Wohlfahrt einige […] (00)
vor 9 Minuten
Kelly Osbourne teilte dieses Foto von Kiinicki auf Instagram
(BANG) - Kelly Osbourne hat neue Liebesspekulationen ausgelöst, nachdem sie einige Schnappschüsse in den sozialen Medien geteilt hat. Wenige Wochen nach ihrer Trennung von ihrem Verlobten Sid Wilson veröffentlichte die Reality-TV-Bekanntheit mehrere Instagram-Schnappschüsse von Kiinicki, einer in Los Angeles ansässigen nichtbinären Person, die als […] (01)
vor 24 Stunden
Review: Timekettle W4 Pro AI Interpreter Earbuds im Test
Die Zukunft der Sprachkommunikation ist da! Timekettle W4 Pro AI Interpreter Earbuds 2026 – Mein neuer täglicher Begleiter für Business, Reisen und internationale Gespräche. Nachdem ich die Timekettle W4 Pro AI Interpreter Earbuds 2026 seit Mitte Februar 2026 intensiv im Alltag getestet habe – auf Geschäftsreisen in Spanien und Frankreich, bei mehreren […] (00)
vor 13 Stunden
Ghost Master: Resurrection im Test: Spuken wie früher?
Ghost Master: Resurrection ist ein Remake des Originals aus 2003. Ich habe als Kind das Spiel gesuchtet und es war einfach großartig, die CD besitze ich heute noch. 2021 wurde es dann auch auf Steam veröffentlicht und war ohne Probleme spielbar. Jetzt wurde aber mit Ghost Master: Resurrection eine erweiterte Neuauflage des Spiels veröffentlicht. Es […] (00)
vor 12 Stunden
BritBox zeigt «The Other Bennet Sister» ab Mai
Der Streamingdienst präsentiert eine neue Serienadaption aus dem «Pride & Prejudice»-Universum und rückt dabei eine bislang übersehene Figur in den Mittelpunkt. Der Streaminganbieter BritBox hat den Starttermin für seine neue Serie The Other Bennet Sister bekannt gegeben. Die zehnteilige Produktion feiert am 6. Mai Premiere in den USA und Kanada, […] (00)
vor 1 Stunde
SC Freiburg - Bayern München
Freiburg (dpa) - Mit einem gewaltigen Energieschub reisen der FC Bayern München und seine jungen Matchwinner zum Königsklassen-Knaller bei Real Madrid. «Ich freue mich brutal darauf», sagte Doppeltorschütze Tom Bischof nach dem dramatischen Last-Minute-Sieg beim SC Freiburg (3: 2) in der Fußball-Bundesliga. Das sei das «perfekteste Spiel» als […] (00)
vor 4 Stunden
Diabetes: Wenn der Blutzucker aus dem Gleichgewicht gerät
Höchst i. Odw., 05.04.2026 (lifePR) - Diabetes mellitus gehört zu den großen Volkskrankheiten unserer Zeit. Millionen Menschen in Deutschland und weltweit leben mit der Diagnose Typ-1- oder Typ-2-Diabetes. Die Erkrankung ist gekennzeichnet durch einen gestörten Zuckerstoffwechsel, bei dem der Körper entweder zu wenig Insulin produziert oder die Zellen […] (00)
vor 2 Stunden
 
Wirecard-Skandal: Wie ein Fintech-Darling zum Milliarden-Betrugfall wurde
Der Aufstieg und Fall eines Fintech-Giganten Wirecard war lange Zeit das […] (00)
Zinslandschaft in Norddeutschland Eine aktuelle Auswertung des Vergleichsportals […] (00)
Eine Hommage an wirtschaftliche Innovatoren Der diesjährige Nobelpreis für […] (00)
Dönerbude (Archiv)
Berlin - Obwohl Ex-Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) sich selbst nur von […] (02)
Olivia Rodrigo
(BANG) - Olivia Rodrigo hat Details zu ihrem dritten Studioalbum 'You Seem Pretty Sad […] (03)
Ein Foto, ein Rätsel – deutet Naughty Dog eine Rückkehr von Uncharted an?
Manchmal braucht es kein offizielles Ankündigungsvideo, keinen Trailer und keine […] (00)
SC Freiburg - Bayern München
Berlin (dpa) - Der FC Bayern hat sich bei der Generalprobe für den Champions-League- […] (02)
Politische Unsicherheiten und ihre Auswirkungen Die Chemieindustrie in […] (00)
 
 
Suchbegriff