Die Lage im Überblick

USA loben Gespräche mit Ukraine und Russland als konstruktiv

22. Dezember 2025, 09:44 Uhr · Quelle: dpa
Ukraine-Krieg - Witkoff spricht mit Russen und Ukrainern
Foto: Kristina Kormilitsyna/Sputnik, Kremlin Pool via AP/dpa
Vor wenigen Wochen war er erneut im Kreml: der Sondergesandte Witkoff. (Archivbild)
Verhandlungen in Miami fördern mögliche Friedenslösung, mit Fokus auf Sicherheit und Erholung der Ukraine.

Miami/Kiew/Moskau (dpa) - Die dreitägigen Verhandlungen in Miami über ein Ende des Ukraine-Kriegs sind aus Sicht der Chefunterhändler der USA, der Ukraine und Russlands positiv verlaufen. Der US-Sondergesandte Steve Witkoff und der Sekretär des ukrainischen Sicherheitsrats Rustem Umjerow teilten jeweils wortgleich auf der Plattform X mit, ihre Gespräche seien «produktiv und konstruktiv» gewesen. Thema waren demnach unter anderem Sicherheitsgarantien der USA sowie ein Plan, wie das von Russland seit vier Jahren angegriffene Land wirtschaftlich wieder auf die Beine kommen kann. 

Witkoff schrieb später auf X, auch der Aggressor Russland setze sich weiterhin für eine Friedenslösung ein. Parallel zu den Gesprächen hinter verschlossenen Türen in Florida gingen die Gefechte in der Ukraine weiter. 

USA und Ukraine: Priorität, das Töten zu beenden

Witkoff und der Ukrainer Umjerow erklärten: «Unsere gemeinsame Priorität ist es, das Töten zu beenden, eine garantierte Sicherheit zu gewährleisten und die Voraussetzungen für die Erholung, Stabilität und den langfristigen Wohlstand der Ukraine zu schaffen.». Frieden bedeute nicht nur das Ende der Feindseligkeiten, sondern auch eine «würdevolle Grundlage für eine stabile Zukunft». 

In Miami sprach auch eine russische Delegation, geleitet von Kirill Dmitrijew, mit den amerikanischen Unterhändlern, darunter erneut der Schwiegersohn von US-Präsident Donald Trump, Jared Kushner. 

Auch die Gespräche mit Dmitrijew seien «produktiv und konstruktiv» gewesen, schrieb Witkoff auf X. «Russland schätzt die Bemühungen und die Unterstützung der Vereinigten Staaten zur Lösung des Ukraine-Konflikts und zur Wiederherstellung der globalen Sicherheit sehr», schrieb Witkoff weiter. Nähere Angaben zum Inhalt der Gespräche oder zu Ergebnissen machte er nicht. Dmitrijew teilte Witkoffs Post seinerseits auf X. 

«Nächstes Mal in Moskau»

Später postete der russische Unterhändler eine weitere Nachricht mit einem Selfie vor einer Strandkulisse: «Danke, Miami. Nächstes Mal: Moskau.» Auf dem Foto trägt Dmitrijew ein T-Shirt mit der Aufschrift: «Next time in Moscow» (Nächstes Mal in Moskau). Diesen Satz hatte Putin im August bei seinem Gipfeltreffen mit US-Präsident Donald Trump in Alaska zu dessen offenkundigem Erstaunen gesagt. Trump hatte damals geantwortet: «Das ist interessant. Das wird mir wohl etwas Ärger einbringen». Dennoch fügte er hinzu: «Ich könnte mir vorstellen, dass das passiert.» Witkoff war schon öfter zu Verhandlungen in Russland und hat sich mehrfach mit Putin getroffen. 

Ein direktes Treffen der beiden Kriegsparteien, Russland und Ukraine, gab es zumindest nach offiziellen Angaben in Miami nicht. 

Selenskyj: «Jeder Punkt wird detailliert durchgesprochen»

Auch der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj äußerte sich nur knapp zum Stand der Gespräche in Miami, die er ebenfalls als «konstruktiv» einstufte. «Die Arbeit an den Dokumenten über die Beendigung des Kriegs, über Sicherheitsgarantien und den Wiederaufbau geht weiter – jeder Punkt wird detailliert durchgesprochen», sagte er in seiner abendlichen Videoansprache. Die Zusammenarbeit mit den US-Vertretern sei konstruktiv. «Das ist wichtig», betonte Selenskyj. Bei den Verhandlungen in Miami sei auch über einen Zeitplan gesprochen worden. «Über den möglichen Zeitrahmen für bestimmte Entscheidungen», präzisierte Selenskyj.

Sowohl Kiew als auch Moskau warteten auf die ausführlichen Berichte ihrer Delegationen. Dmitrijew wurde am Montag in der russischen Hauptstadt erwartet. Erst dann werde Moskau prüfen, welche Vorschläge zum Plan für eine Lösung der Ukraine-Krise angenommen werden können und welche nicht, teilte Putins Berater Juri Uschakow mit. Dmitrijew werde «einige Signale mitbringen», die die Amerikaner von den Europäern und Ukrainern erhalten haben. «Wir werden das alles hier besprechen und sehen, was akzeptiert werden kann und was kategorisch abgelehnt werden muss», sagte er am Abend im Staatsfernsehen.

Selenskyj sprach sich für ein neues Treffen mit den Europäern aus. Es gebe Einigkeit darüber, dass die Ukraine nach der Arbeit ihres diplomatischen Teams in den USA mit ihren europäischen Partnern im größeren Kreis beraten sollte, schrieb er nach einem Gespräch mit dem norwegischen Ministerpräsidenten Jonas Gahr Støre in sozialen Medien.

CDU-Außenpolitiker Hardt sieht Chancen für Kiew

Der CDU-Außenpolitiker Jürgen Hardt zeigt sich verhalten optimistisch über die Chancen Kiews bei den Friedensverhandlungen in Miami. «Ein zu großes Entgegenkommen gegenüber Putin schadet dem Ansehen Trumps im Kongress und im amerikanischen Volk. Außerdem haben die Ukrainer die Rückendeckung der Europäer», sagte Hardt der «Rheinischen Post». Der zugesagte 90-Milliarden-Euro-Kredit der EU sei eine enorme Summe. «Die Erfolge der Russen in 2025 bei der Eroberung von Territorium waren mit nicht einmal einem Prozent des ukrainischen Staatsgebiets mager, die Verluste mit rund 250.000 Soldaten enorm», sagte er. «Das sind doch einige Trümpfe in den Händen der Ukrainer.»

Moskau greift Süden der Ukraine an

Ungeachtet der Verhandlungen in den USA setzte Moskau seine massiven Luftangriffe gegen Ziele in der Ukraine fort. Im Visier der russischen Militärs lagen die drei ukrainischen Häfen in der Region Odessa. Kampfdrohnen und ballistische Raketen forderten mehrere Menschenleben und sorgten für neue Zerstörungen.

Mit Blick auf diese zunehmenden russischen Angriffe warf Selenskyj Russland vor, keine Bereitschaft zur Beendigung des Kriegs zu zeigen. «Jeder muss sehen, dass Russland ohne Druck nicht bereit ist, seine Aggression wirklich zu beenden. Der Druck muss erhöht werden», sagte er. Es sei klar, dass Moskau versuche, der Ukraine den Zugang zur Seelogistik zu sperren.

Die Ukraine schickte ihrerseits Kampfdrohnen zu diversen Zielen in Russland. Dabei wurde unter anderem eine Pipeline in der Region Krasnodar getroffen und in Brand gesetzt. Nach russischer Darstellung war die Pipeline von Trümmern einer abgeschossenen Drohne getroffen worden.

Konflikte / Krieg / Diplomatie / Ukraine / Russland / USA / Friedensverhandlungen
22.12.2025 · 09:44 Uhr
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