Wirtschaft rüstet sich für Erholung – Deutsche Börse und Autowerte im Fokus
Nach zähen Tagen der Unsicherheit am deutschen Aktienmarkt zeichnet sich nun eine Wende ab. Die Ankündigung neuer US-Zölle auf europäische Länder wurde nach einem Treffen zwischen US-Präsident Donald Trump und Nato-Generalsekretär Mark Rutte abgewendet und hat den Weg für eine Erholung geebnet. Der Dax konnte am Vormittag um bis zu 1,5 Prozent auf 24.937 Punkte zulegen. Am Vortag hatte der Index eine kritische Phase erlebt und war auf fast 24.349 Punkte abgestürzt. Verglichen mit dem Rekordhoch der Vorwoche bei 25.507 Punkten hatte der Dax damit 4,5 Prozent eingebüßt. Zum Donnerstagnachmittag stabilisierte sich der Dax bei 24.838 Punkten.
Auch andere Indizes verzeichneten erfreuliche Entwicklungen. So stieg der MDax der mittelgroßen Werte um 2,1 Prozent auf 31.585 Punkte. Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 legte um 1,2 Prozent zu, nachdem er zuvor ebenfalls eine Korrektur erfahren hatte.
Die Gespräche zwischen Trump und Rutte hatten einen Rahmen für zukünftige Vereinbarungen rund um Grönland und die Arktisregion geschaffen, was die Zollpläne wieder rückgängig machte. Das EU-Parlament hatte zuvor auf Trumps Drohung reagiert, indem es die Ratifizierung eines Handelsdeals mit den USA auf Eis legte. Die überraschend positive Entwicklung auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos hat laut Analyst Alexander Krämer einen möglichen Handelskonflikt zumindest vorübergehend entschärft. Die Details bleiben allerdings unklar, und die Spannungen sind weiterhin spürbar, warnte Krämer.
Besonders Automobilkonzerne wie VW, BMW und Mercedes reagierten auf die positiven Nachrichten mit deutlichen Kursgewinnen. Der europäische Auto-Branchenindex war zuvor auf ein Rekordtief seit Oktober gefallen. VW überzeugte mit einer starken Kassenlage und führte die Dax-Gewinnerliste mit einem Plus von bis zu 6 Prozent an. BMW und Mercedes hingegen mussten ihre anfänglichen Gewinne größtenteils wieder abgeben und standen zuletzt nur leicht im Plus.
Unterdessen profitierte die Deutsche Börse von einem milliardenschweren Angebot für die Übernahme der Allfunds-Fondsplattform. Die Aktien des Unternehmens stiegen um bis zu 4,5 Prozent, da Anleger auf die versprochenen Synergien setzen.
Infolge der geopolitischen Entspannung zogen sich einige Anleger aus Rüstungswerten zurück. Aktien von Rheinmetall, Hensoldt und Renk befanden sich unter den schwächsten im Dax und MDax. Auch SAP geriet unter Druck und fiel auf den tiefsten Stand seit Sommer 2024, da die fortschreitende KI-Entwicklung Unsicherheiten für das zukünftige Wachstum schafft.
Carl Zeiss Meditec musste einen zweistelligen Kurseinbruch hinnehmen, bedingt durch schwache Prognosen für das laufende Geschäftsjahr. Die Ziele werden vermutlich nicht erreicht, so die Einschätzung der Jenaer. Gleichzeitig verzeichneten Ionos-Aktien im SDax ein Plus von gut 8 Prozent, da der Umbruch des Internets, vorangetrieben durch KI-Technologien, als Wachstumschance gesehen wird, erklärte der Analyst Stephane Beyazian von Oddo BHF.

