Strafen und KI-Technik

Wie Handysündern Einhalt geboten werden könnte

26. Januar 2026, 05:30 Uhr · Quelle: dpa
Illustration - Smartphone-Nutzung am Steuer
Foto: Jan Woitas/dpa
So ist es derzeit erlaubt: Das Handy steckt in der Halterung und wird nur kurz vom Fahrer beachtet. (Symbolbild)
Bei einer Tagung diskutieren in den kommenden Tagen Fachleute über das Thema. Verschiedene Vorschläge liegen bereits auf dem Tisch.

Goslar (dpa) - Kurz eine E-Mail lesen, eine Nachricht beantworten oder den Songtitel wechseln: Derartige Ablenkungen können das Unfallrisiko erheblich erhöhen. Zahlen aus der Forschung etwa zeigten: Wer während der Fahrt Nachrichten tippe, erhöhe das Unfallrisiko um das Sechsfache, sagte die Chef-Unfallforscherin im Gesamtverband der Versicherer, Kirstin Zeidler. 2023 habe aber trotzdem knapp jeder Vierte zumindest ab und an während der Fahrt Nachrichten oder E-Mails verschickt, wie aus einer Umfrage der Versicherer-Unfallforschung hervorgehe. Gibt es also Möglichkeiten, den Verkehr in diesem Bereich sicherer zu machen?

Höhere Strafen

Härtere Strafen als Abschreckung schlägt etwa Unfallforscher Siegfried Brockmann von der Björn Steiger Stiftung vor. Denn: Festgestellt würden diese Vergehen nur äußerst selten, weil sie schwer zu erkennen seien. Denkbar sei etwa ein deutlich höheres Bußgeld. In eine ähnliche Kerbe schlägt auch Unfallforscherin Zeidler. Sie spricht sich für zwei Punkte statt eines Punktes für das Fahreignungsregister aus.

Neuartige Blitzer

Auch neuartige Blitzer könnten helfen. Sogenannte Monocams können erkennen, wenn Autofahrerinnen und Autofahrer ihr Handy in der Hand halten. Zeidler spricht sich für einen bundesweiten Einsatz des Systems aus, auch wenn es nicht alle Vergehen erkennt. Der ADAC befürwortet die Technik laut einer Mitteilung ebenfalls: «Nur wenn das Entdeckungsrisiko hoch genug ist, entfalten Sanktionen eine abschreckende Wirkung». Der Deutsche Anwaltverein mahnt dabei an, dass es eine sichere Rechtsgrundlage brauche, unter anderem mit Blick auf den Datenschutz.

Erfahrungen mit den Monocams gibt es bereits in Rheinland-Pfalz. Dort ist laut dem dortigen Innenministerium der Handy-Blitzer seit April im Raum Trier im Einsatz. Auch für die übrigen Regionen des Bundeslandes wurden inzwischen Monocams beschafft, die bald eingesetzt werden sollen. Die Kamera filmt Autofahrer von erhöhten Positionen, wie etwa Autobahnbrücken. Schilder am Straßenrand weisen darauf hin. Erkennt die Künstliche Intelligenz des Systems ein Handy in der Hand, wird ein Foto gespeichert. Polizisten überprüfen später, ob tatsächlich eine illegale Handynutzung vorliegt.

Bei einem ersten Test des Systems 2022 seien an 88 Tagen mehr als 1.200 Verstöße festgestellt worden, von April bis November weitere 950. «Diese gefährlichen Verstöße waren bislang schwer nachzuweisen», sagte der Innenminister des Bundeslandes, Michael Ebling (SPD). Die Monocam sorge für mehr Sicherheit und könne Menschenleben schützen. Das Bundesland erhofft sich dadurch eine abschreckende Wirkung.

Generell weniger ablenkende Funktionen

Ganz grundsätzlich gibt es in modernen Autos nach Ansicht von Fachleuten zu viele ablenkende Funktionen. Wünschenswert wäre etwa, wenn Handy-Benachrichtigungen während der Fahrt abgestellt würden, meint etwa Unfallforscher Siegfried Brockmann. Doch nicht nur moderne Telefone sind den Expertinnen und Experten ein Dorn im Auge. Auch moderne Bedienelemente halten sie für teilweise zu sehr ablenkend. Laut Brockmann sollten wichtige Funktionen wie die Außenbeleuchtung oder die Klimaanlage verpflichtend mit tatsächlichen Schaltern und Knöpfen einstellbar sein statt über Touchbildschirme.

Auch eine gute Sprachsteuerung sei wünschenswert, sagte Unfallforscherin Zeidler. Der Verkehrssicherheitsrat wünscht sich zudem eine flächendeckende Nutzung von Müdigkeitswarnern im Auto. Die können teilweise auch Ablenkung durch Handy-Nutzung erkennen und sind seit 2024 in Neuwagen Pflicht.

Generell seien rechtliche Regelungen allerdings langwierig, meint etwa Brockmann. Er hofft daher, wie auch andere Fachleute, unter anderem auf die Prüforganisation Euro NCAP. Die führt bei Neuwagen nicht nur Crashtests durch, sondern bewertet auch andere sicherheitsrelevante Elemente. Künftig wolle die Organisation etwa kritischer auf Bedienelemente mit Touch-Funktion schauen. Brockmann hofft, dass Autohersteller sich dann anpassen. Bei einigen Herstellern sei bereits erkennbar, dass die Fahrzeugbedienung über Touch zurückgefahren werde.

So ist die bisherige Regelung für Handy und Co. im Auto

  • Wer ein Handy oder anderes elektronisches Gerät während der Fahrt in die Hand nimmt, begeht eine Ordnungswidrigkeit.
  • Wer länger als einen «kurzen» Augenblick auf ein Handy, einen Touchbildschirm oder ein anderes elektronisches Gerät schaut oder es bedient, begeht eine Ordnungswidrigkeit.
  • Vergehen werden mit einem Bußgeld von 100 Euro sowie einem Punkt in Flensburg bestraft.
  • Wenn andere Verkehrsteilnehmer gefährdet werden oder es zu einem Unfall kommt, liegt das Bußgeld höher und es gibt zwei Punkte sowie einen Monat Fahrverbot.

Thema bei Fachtagung

Von Mittwoch an soll das Thema beim Verkehrsgerichtstag in Goslar besprochen werden. Bei der Fachtagung kommen jährlich Fachleute für Verkehrssicherheit und Verkehrsrecht zusammen. Zum Abschluss geben sie Empfehlungen an Gesetzgeber, die in der Vergangenheit auch immer mal wieder tatsächlich aufgegriffen wurden.

Verkehr / Justiz / Technik / Deutschland / Niedersachsen / Handynutzung / Unfallrisiko
26.01.2026 · 05:30 Uhr
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