Neue Technologien im Kampf gegen Ablenkungen: Sicherheit im Straßenverkehr erhöhen
Die digitale Versuchung während der Autofahrt bleibt eine unterschätzte Gefahrenquelle. Forschungen belegen, dass das Tippen von Nachrichten das Unfallrisiko um das Sechsfache erhöht, so die Chef-Unfallforscherin beim Gesamtverband der Versicherer, Kirstin Zeidler. Trotz dieser alarmierenden Erkenntnisse greift fast jeder Vierte regelmäßig während der Fahrt zu Smartphone oder E-Mail, wie eine neue Umfrage zeigt. Die Frage stellt sich: Welche Maßnahmen können die Sicherheit im Straßenverkehr verbessern?
Experten wie Siegfried Brockmann von der Björn Steiger Stiftung schlagen härtere Strafen vor, um die Fahrer abzuschrecken. Da viele Verstöße schwer zu erkennen sind, plädiert er für höhere Bußgelder. Zeidler unterstützt diese Idee und spricht von einer Erhöhung der Punkte im Fahreignungsregister.
Eine weitere innovative Lösung könnten neuartige Blitzer, sogenannte Monocams, bieten. Diese Systeme erkennen, wenn Autofahrer das Handy in der Hand halten. Rheinland-Pfalz hat diese Technologie bereits im Raum Trier erprobt und plant den flächendeckenden Ausbau. Erste Ergebnisse zeigen in 88 Tagen mehr als 1.200 Verstöße. Das System wird allgemein begrüßt, solange eine klare Rechtsgrundlage, insbesondere im Hinblick auf den Datenschutz, gewährleistet ist.
Die Monocam-Technologie filmt Fahrzeuge von erhöhten Standpunkten und speichert verdächtige Bilder zur nachträglichen Analyse. Diese Technologie hat in ersten Tests eine abschreckende Wirkung gezeigt, so Michael Ebling, der Innenminister von Rheinland-Pfalz. Gleichzeitig wächst die Forderung nach weniger ablenkenden Funktionen in Fahrzeugen. Fachleute wünschen sich die Blockierung von Handy-Benachrichtigungen während der Fahrt und fordern mehr physische Bedienelemente statt Touchscreens.
Kirstin Zeidler unterstreicht die Bedeutung einer einfachen Sprachsteuerung und die flächendeckende Nutzung von Müdigkeitswarnern. Ab 2024 werden diese Systeme in Neuwagen zur Pflicht. Generell hoffen Verkehrsexperten, dass die Prüforganisation Euro NCAP künftig verstärkt auf die Benutzersicherheit von Touchbedienelementen achtet und Automobilhersteller darauf reagieren.
Beim kommenden Verkehrsgerichtstag in Goslar wird das Thema weiter diskutiert. Fachleute aus Verkehrssicherheit und Verkehrsrecht tauschen sich jährlich aus, um Empfehlungen für den Gesetzgeber auszuarbeiten, die oft nachhaltigen Einfluss haben.

