Konflikt im Sudan

Weltstrafgericht ermittelt nach Gräueltaten in Al-Faschir

03. November 2025, 16:47 Uhr · Quelle: dpa
Gewalt und Hunger im Sudan
Foto: Marwan Mohammed/NRC via AP/dpa
Die Bevölkerung ist von Gewalt und Hunger geplagt.
Der ICC prüft Gewaltakte der RSF in Al-Faschir, einschließlich Massenmorde. Gleichzeitig bestätigt eine Hungersnot in Sudan, die Millionen in Gefahr bringt.

Khartum/Den Haag (dpa) - Nach den jüngsten Berichten über Gewaltverbrechen in der sudanesischen Stadt Al-Faschir haben die Ankläger des Internationalen Strafgerichtshofs (ICC) in Den Haag Ermittlungen angekündigt. Die Anklage teilte mit, sie sei zutiefst beunruhigt über die Berichte. Experten der weltweit als Autorität für Ernährungssicherheit anerkannten Initiative IPC (Integrated Food Security Phase Classification) bestätigten unterdessen eine Hungersnot in Teilen des Sudans. Der Mangel an Lebensmitteln und die Gewalt machen das Leben der Menschen selbst zu einem Kampf ums Überleben. 

Gewalt gegen Bevölkerung

In dem ostafrikanischen Land am Horn Afrikas herrscht seit April 2023 ein blutiger Machtkampf zwischen De-facto-Machthaber Abdel-Fattah al-Burhan und seinem einstigen Stellvertreter Mohamed Hamdan Daglo, der die Miliz RSF (Rapid Support Forces) kommandiert. 

Mitglieder der RSF hatten vergangene Woche Al-Faschir im Norden von Darfur überrannt und sollen laut dem ICC mit großer Gewalt gegen die dortige Bevölkerung vorgehen. Den Milizmitgliedern werden Massenmorde und Vergewaltigungen vorgeworfen. Solche Gräueltaten sind nach Angaben der Anklage «Teil einer umfassenderen Gewaltwelle seit April 2023 in der gesamte Region Darfur». 

Die Anklage in Den Haag ermittelt bereits zu möglichen Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit in Darfur. Im Rahmen der laufenden Ermittlungen ruft sie Personen und Organisationen in der Region auf, Informationen und mögliche Beweise zu sammeln und der Anklage zu übergeben. 

Experten bestätigen Hungersnot

Unterdessen hat ein Expertengremium der IPC eine Hungersnot in Teilen des Sudans bestätigt. Die Initiative habe Beweise geliefert, dass die Situation in den Städten Al-Faschir in der Region Darfur und Kadugli in der Region Süd-Kordofan den Status einer Hungersnot erreicht habe, teilte die Hilfsorganisation Aktion gegen den Hunger mit. Zudem bestehe die Gefahr einer Hungersnot in 20 weiteren Gebieten in Darfur und Kordofan.

Mehr als 375.000 Menschen sind demnach im Sudan von einer humanitären Katastrophe der höchsten Stufe betroffen; 21 Millionen sind von Hunger bedroht. Die Lage in dem ostafrikanischen Land gilt als die größte humanitäre Krise der Welt. «Nur ein sofortiger Waffenstillstand und uneingeschränkter humanitärer Zugang können weiteres Leid verhindern und Leben retten», sagte Jan Sebastian Friedrich-Rust, Geschäftsführer von Aktion gegen den Hunger.

Ende Dezember hatte der IPC-Ausschuss bereits die Kriterien einer Hungersnot in mindestens fünf Gebieten des Landes nachgewiesen. Betroffen waren hauptsächlich Gebiete in Nord-Darfur. Eine Hungersnot ist die schlimmste - und seltene - Form der Hungerkrise. Sie bedeutet, dass bei mindestens einem Fünftel aller Haushalte extremer Nahrungsmangel herrscht und täglich mindestens zwei Erwachsene oder vier Kinder pro 10.000 Menschen an akuter Unterernährung sterben.

Ethnische Faktoren

Nach Angaben des Sudanesischen Ärztenetzwerks hält die RSF nach der Einnahme von Al-Faschir dort weiterhin Tausende Zivilisten fest. Zuvor hatte die Miliz die heftig umkämpfte Großstadt, in der einst rund 300.000 Menschen lebten, mehr als 500 Tage belagert. 

Einwohner, die versuchten, zu fliehen, würden gewaltsam in die Stadt zurückgebracht, oft mit Schussverletzungen, so die Ärztegruppe. Sie warnte vor einer Verschärfung der humanitären Katastrophe in der Stadt, in der ein akuter Mangel an Medikamenten und medizinischem Personal herrsche. 

Auf der Flucht getötet

Sudanesen, denen es gelang aus Al-Faschir zu fliehen, berichten von Gräueltaten durch die RSF. Ein 24-Jähriger erzählte Mitarbeitern des UN-Bevölkerungsfonds UNFPA, er sei mit einer Gruppe von mehr als 200 Zivilisten in die westlich gelegene Stadt Tawila geflüchtet - davon hätten nur vier Menschen überlebt. Alle anderen, einschließlich Kinder, seien von der RSF hingerichtet worden; einige seien absichtlich mit Autos überfahren worden, sagte der Mann. Eine 19-Jährige, die von Al-Faschir nach Tawila flüchten konnte, sagte UNFPA sie sei von drei RSF-Mitgliedern vergewaltigt worden, bevor sie einen Kontrollpunkt passieren durfte.

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03.11.2025 · 16:47 Uhr
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